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Folgen der Trockenheit: Riss im Feld und in der Existenz? Ein Bauer kämpft ums Vieh

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Kühe leiden, Futter fehlt: Wie Hitze und Dürre den Alltag auf dem Hof verändern und welche Hilfen das Land für Milchviehhalter plant.

Harald Gronbach kniet im Staub, wo vor Wochen noch Erde war. Er schiebt seine Hand in einen Riss, den die Trockenheit durch sein Maisfeld gezogen hat - und sie verschwindet fast darin. Wie ein Blitz zieht die Rinne ihre Spur, verzweigt sich hier und dort und lässt erahnen, wie der Boden leidet. Seit einer gefühlten Ewigkeit hat es nicht mehr geregnet.

Gronbach schaut auf. In seinem Gesicht zeichnet sich so etwas ab wie Ungläubigkeit. Denn selten hat er solch eine Trockenheit erlebt. Der Mais, die wichtigste Futtergrundlage für seine Kühe, geht in Notreife. Schon nächste Woche muss er häkseln - in normalen Jahren wäre es erst Ende September so weit. 

Schlachthof oder Zukauf

An Zukauf führt kein Weg vorbei, will er seine rund 130 Milchkühe sicher durch Herbst und Winter bringen, erzählt er, während er durch den Stall schlendert und die eine oder andere Kuh am Kopf berührt. Kann er nichts hinzukaufen, droht einigen Tieren sogar der Schlachthof - um andere durchzufüttern. 

Einige ältere Kühe und Tiere, die sich weniger für die Zucht eigneten, sind bereits geschlachtet worden. „Wir sehen ja, dass die Futtergrundlage nicht ausreicht. Bis Herbst muss es regnen, sonst ist die Existenz des Betriebs auch bedroht“, sagt der 59-Jährige, dem seine Tiere am Herzen liegen. „Ich muss schauen, dass es ihnen gut geht“, sagt Gronbach, der den Aussiedlerhof im Crailsheimer Stadtteil Ingersheim als Familienbetrieb führt.

Regen ist vorerst aber nicht in Sicht. „Es sagt keine Prognose einen Wetterumschwung voraus“, sagt Gronbach. „Es soll so trocken bleiben.“ Im Umkreis habe es durchaus geregnet - nur um das Hohenlohische habe der Regen einen Bogen gemacht.

Extremer als 1976

Gronbach hat den Betrieb von seinem Vater übernommen. Den trockenen Sommer 1976 erlebte er als Kind, die Hitzephasen 2003, 2006 und 2013 als Unternehmer. „Aber dieses Jahr ist es schon so lange trocken und es ist kein Regen in Aussicht, das ist schon noch ein bisschen extremer.“

In seinem Stall pusten große Ventilatoren die Luft durch den Raum, um den Kühen Kühlung zu verschaffen. „Am besten kommen die Tiere bis 30 Grad klar. Das schlimmste Szenario ist, wenn die Temperaturen über 35 Grad steigen. Das schadet den Kühen und es verstärkt die Trockenheit auf den Feldern und Wiesen.“ Kratzt das Thermometer an der 40-Grad-Marke, muss die Viehdusche her.

Land greift ein 

Gronbach ist mit seiner Not nicht allein. Auch das Land ist alarmiert und schnürt Hilfspakete für die Bauern. Brachflächen sollen vorübergehend genutzt werden können, um Futtermittel zu produzieren. Ökobetriebe können bereits konventionelles Grünland- und Ackerfuttermittel zukaufen. Geprüft wird zudem, ob Transport- und Beschaffungskosten bezuschusst werden können, wie Agrarministerin Marion Gentges (CDU) ankündigte.

Hilfe ist nötig - denn die Branche schrumpft auch ohne Hitze und Trockenheit. Der Milchkuhbestand ist im Südwesten auf zuletzt 301.100 Tiere zurückgegangen, die Zahl der Milchviehhalter auf 4.890 Betriebe - halb so viele wie vor 15 Jahren. Auch beim Rinderbestand gab es im selben Zeitraum Einbußen von fast einem Viertel.

„Der Strukturwandel setzt sich insbesondere in der Milchviehhaltung weiter fort“, sagt Roswitha Geyer-Fäßler, Vize-Präsidentin des Landesbauernverbands. „Gerade die Milchviehhaltung erfordert einen Rund-um-die-Uhr-Einsatz an jedem Tag des Jahres.“

Keine großen Investitionen mehr

Hitze und Trockenheit haben nicht nur Spuren im Maisfeld hinterlassen und die Kühe im Stall träger gemacht. Gronbach muss auch überlegen, wie er für die kommenden Jahre plant. Ist das Hitzejahr eine Ausnahme - oder das deutliche Zeichen, dass härtere Zeiten kommen?

„Wir werden auf jeden Fall vorsichtiger planen, um den Betrieb durch diese schwierige Zeit zu bringen“, sagt der 59-Jährige. „Keine größeren Investitionen also, weil wir ja nicht wissen, ob wir nicht noch mehr Geld für Futter ausgeben müssen.“ Denn das Futter ist teuer - und die Qualität derzeit mäßig.

Der Optimist im Maisfeld

„Die ersten Offerten für den Silomais sind deutlich zu hoch für die Qualität, die er gerade liefert“, sagt Gronbach. Werde das Angebot nicht besser, müsse er weite Wege in Kauf nehmen - in Regionen, in denen es mehr geregnet habe. „Aber ich denke mal, das wird sich noch ein wenig relativieren und wir werden doch hoffentlich gut aus dem Dilemma kommen.“

Denn auch das ist Gronbach anzumerken, während er im Feld kniet und mit dem Daumen über einen trockenen Maiskolben streicht: Der Landwirtschaftsmeister ist seit mehr als 40 Jahren leidenschaftlicher Landwirt - und grundsätzlich Optimist. „Es gibt immer eine Lösung“, lautet sein Credo, das er von seinem Vater übernommen hat. 

„Ich bin grundsätzlich ein positiv denkender Mensch“, sagt Gronbach. „Und deswegen sehe ich das alles ein wenig gelassener.“

Im Herbst 1976 habe es nach langer Trockenheit geregnet, auch 2003 sei das so gewesen. „Irgendwann ist der Regen wiedergekommen, um nochmal einen schönen Grünlandschnitt zu machen und die Silos zu füllen“, sagt Gronbach. „Ich schaue positiv in die Zukunft.“