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Июнь
2021

Region Heidelberg: Zentren für Corona-Schnelltests melden Rückgänge um bis zu 50 Prozent

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Von Sabrina Lehr

Region Heidelberg. Noch nicht lange ist es her, da schossen Schnelltestzentren wie Pilze aus dem Boden. Der Bedarf war da. Der Staat vergütete einen für die Bürger kostenlosen Schnelltest ursprünglich mit zwölf Euro, übernahm zudem bis maximal sechs Euro die Kosten pro Testkit. Auch Privatpersonen stiegen in das Test-Geschäft ein, ließen sich schulen und gründeten teils Firmen. Nun aber sind Lockerungen eingetreten; Schnelltests werden vielerorts nicht mehr benötigt. Auch die Vergütung fällt künftig niedriger aus. Was bedeutet das für die Zentren und deren Betreiber? War das Geschäft so kurzlebig wie lukrativ? Verschwinden sie so schnell, wie sie aufgetaucht waren? Die RNZ hat bei Schnelltestzentren rund um Heidelberg nachgefragt.

> Das Meckesheimer Unternehmen Acovid hat mit den Lockerungen einen Rückgang der Nachfrage "um etwa ein Drittel" erlebt. "Wir stellen uns darauf ein, dass es weniger wird", sagt Betreiber Ramirez Müllerschön. Die Firma bestelle weniger Tests und plane von Tag zu Tag, um "nicht zu viel auf Lager zu haben". Denn die Kosten für die Testkits würden zwar erstattet, die Betreiber müssten jedoch für "sechs bis sieben Wochen" in Vorleistung gehen. Was einer der Gründe ist, wieso Müllerschön betont: "Wenn ich über Schnelltestzentren mit 1000 Kunden pro Tag lese, denke ich auch, das ist eine Goldgrube." Dies gelte aber nicht für kleine Anbieter wie Acovid, das seit Mai zwar über 2000, aber unter 3000 Tests durchgeführt habe – anfangs mit sechs Mitarbeitern, nun mit zwei. Was an Gewinn hängen bleibe, sei noch nicht klar, da zu Kosten für Material, Software und Mitarbeiter "noch die Steuerkeule" komme. Das Angebot will Acovid vorerst weiterführen. "Ich gehe aber davon aus, dass es in drei bis vier Wochen zum Stillstand kommt", schätzt Müllerschön. Ein Beinbruch wäre es für ihn und seine Mitarbeiter nicht: Diese waren nämlich nebenberuflich als Schnelltester aktiv.

> Die Leimener SA Schnelltest UG verzeichnet einen Rückgang um 50 Prozent bei den täglich in der Drive-In-Station am Bäderpark durchgeführten Schnelltests. "Der Bedarf ist aber immer noch da", berichtet Sali Alihajdaraj, Geschäftsführer und gleichzeitig Betriebsleiter des Leimener Brauhauses. Beliebt sei das Testzentrum aktuell bei Kunden von Fitnessstudios. "Bei uns fahren die Leute durch, werden getestet und bis sie am Studio sind, haben sie das Ergebnis", so Alihajdaraj. Dennoch habe er sein Personal – größtenteils Schüler und Studenten, auch zwei Mitarbeiter des Brauhauses – reduziert. Für die Brauhaus-Mitarbeiter bedeutete dies den fliegenden Wechsel zurück in die Gastronomie. Das Geschäft mit den Tests sei lukrativ, eine goldene Nase habe er sich aber nicht verdient. "Von der Vergütung gehen Platzmiete, Container, Personal, Knappschaft und Steuer ab", erklärt Alihajdaraj. "Und es kostet Zeit." Die Frage, wie es nun weitergehe, beschäftige ihn – eine Antwort habe er noch nicht.

> Die Dossenheimer Firma Femteva berichtet über einen Rückgang der Schnelltests um 30 Prozent. "Es ist gerade deutlich weniger, aber die Termine sind gefüllt", berichtet Geschäftsführer Klaus Brandt, der von einer Überbuchung zur Anfangszeit berichtet. Ob das Geschäft mit den Schnelltests wieder einen Schub bekomme, wisse er nicht. Ein Problem sei das aber nicht. "Wir machen das nicht in wirtschaftlicher Abhängigkeit, sondern mehr für die Reputation", sagt Brandt, dessen Firma urologische und gynäkologische Produkte, auch Masken und Schnelltests für diverse Krankheiten vertreibt. "Wir bestreiten vieles aus dem eigenen Lager, haben aber auch Ausgaben wie den Container, der alleine 400 Euro im Monat kostet", rechnet er vor. "Wir erreichen die Kostendeckung gerade so." Die Testkapazität will Femteva dennoch bis Herbst erhalten – wenn vielleicht die Infektionszahlen wieder steigen.

> Die Mauermer Damo GbR hat von der ersten bis zur darauffolgenden Juni-Woche einen Rückgang von 49,9 Prozent an den Standorten in Mauer und Neckargemünd verzeichnet. Die Reaktion der von Daniel Rittmeier und Timo Kettenmann eigentlich zur Unterstützung des Friseursalons von Rittmeiers Frau gegründeten Firma: "In der Hochzeit haben wir zu dritt an einer Station gearbeitet, jetzt nur noch mit einem Mann", so Rittmeier. Der Betrieb lohne sich noch – in Mauer mehr als in Neckargemünd, da die Teststation hier auf Rittmeiers Grundstück steht und nur Kosten für Mitarbeiter, Schutzkleidung, Strom und die Software anfallen. Bei letzterer greift die Damo GbR auf ein Modell zurück, bei dem pro Test ein Betrag an die Software-Entwickler abzuführen ist. Wenn die Station unrentabel werde, steht für Rittmeier, der wie Kettenmann eine Waschstraße betreibt, fest: "Dann machen wir den Laden dicht. Ich lebe nicht davon und will das auch in Zukunft nicht." Derzeit profitierten aber noch Kunden und Betreiber: "Wir helfen ja den Leuten", verweist Rittmeier unter anderem auf Besucher von Altenheimen. "Wenn wir zu haben, haben andere ein Problem."

> Die Heidelberger Firma Aspilos, die an zehn Standorten in und um Heidelberg – darunter in Dossenheim und Sandhausen – Schnelltestzentren betreibt, spricht von einem Rückgang an allen Stationen um etwa 40 Prozent. "Da wir jedoch auch Reisezertifikate ausstellen und die Tourismusbranche so langsam wieder anläuft, erwarten wir keinen weiteren Rückgang und mit Ferienbeginn in wenigen Wochen auch wieder einen Anstieg", sagt Projektleiter Lovis Stricker. Die wöchentliche Testanzahl am Dossenheimer Standort gibt er mit 800 bis 1000, in Sandhausen mit 200 bis 300 an. Auf den Rückgang habe Aspilos durch die Verlängerung der Mittagspausen reagiert. Der Betrieb lohne sich. "Wenn jetzt der Betrag auf acht Euro pro Test gesenkt wird, müssen wir noch mal mit Rechnen anfangen und eventuell Schließungen vornehmen", sagt Stricker aber. Denn zu dem "sehr gut" bezahlten rund 100-köpfigen Testpersonal komme die Schutzkleidung als Kostenfaktor. "Außerdem haben wir im Büro drei Vollzeitkräfte eingestellt", erläutert er – Kosten, die seiner Ansicht nach oft "unterschlagen" werden. "Für unseren Aufwand, das Risiko und die Arbeit, die wir seit Dezember leisten, ist die Bezahlung angebracht", findet Stricker, der jedoch auch "schwarze Schafe" erwähnt, die "den Ruf von Testzentren ruiniert haben". Mit diesen über einen Kamm geschoren zu werden, sei für das Unternehmen, das eigentlich Hygiene- und medizinische Schutzartikel vertreibt, "sehr schade". Dies soll indes auch weiterhin das Kerngeschäft bleiben. "Wir hoffen darauf, dass man uns als Testzentren zeitnah nicht mehr benötigt", stellt Stricker klar. "So wie es aktuell aussieht, wird zumindest für den Rest des Jahres weiterhin Bedarf für Tests bestehen bleiben."