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Wahlen in Sachsen-Anhalt: Claudia Wittig und Thomas Schulze: Diese Spitzenkandidaten treten für das BSW an

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Am 6. September wählt Sachsen-Anhalt einen neuen Landtag. Erstmals steht auch das BSW auf dem Stimmzettel. Diese Kandidaten schickt Sahra Wagenknechts Partei ins Rennen.

Bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt gibt es gleich drei Neuheiten: Erstmals tritt das 2024 gegründete Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) bei der Abstimmung in dem Bundesland an. Ihr Glück versucht die Partei gleich mit einer Doppelspitze – für Landtagswahlen eher unüblich, auch wenn kleinere Parteien (wie jetzt das BSW) gelegentlich Ausnahmen machen. Die aktuellen Entwicklungen zur Wahl können sie in unserem Live-Blog verfolgen.

Die Hoffnungsträger heißen Claudia Wittig und Thomas Schulze. Beide greifen vor allem die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung um Kanzler Merz auf und setzen auf einen klaren Kurs gegen die CDU. Das selbsterklärte Ziel: die seit 2002 regierenden Christdemokraten in Sachsen-Anhalt zu stürzen.

Wahl in Sachsen-Anhalt: BSW schickt Historikerin und Beamten ins Rennen

Claudia Wittig, 42 Jahre alt, sitzt im BSW-Bundesvorstand und auf der Landesliste auf Platz zwei und macht die CDU-Regierung für das marode Bildungssystem und die Abwanderung von Fachkräften verantwortlich. Sachsen-Anhalt zählt bundesweit die meisten Schulabbrecher. Wittig wirbt deshalb mit Lehrergewinnung, einer Reform des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und niedrigeren Energiepreisen für die lokale Industrie. Bei einer Veranstaltung im Volkspark Halle kritisierte sie russlandfeindliche Narrative unter anderem mit dem Ausruf: „Wir kennen Russen!“

Beruflich hat die BSWlerin eher weniger mit Politik zu tun. Als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Dozentin an der Universität Halle beschäftigt sie sich unter anderem mit Eliten im Mittelalter.

Thomas Schulze, 61 Jahre alt, steht auf Listenplatz eins. Beruflich hat er schon einige Stationen hinter sich: Koch und Restaurantleiter, später Leiter in einer Justizvollzugsanstalt, zuletzt arbeitete er in einer Landesaufnahmeeinrichtung für Asylsuchende. In seiner Freizeit engagiert sich Schulze ehrenamtlich im Fußballverband des Bundeslandes. Programmatisch erklärt der BSWler eher schwammig, sich gegen Aufrüstung und für die Belange der ländlichen Bevölkerung zu engagieren. Kürzungen bei Kommunen und Gesundheit will er entgegentreten. Von der Verkehrs- und Umweltpolitik des Bundes hält er wenig.

Mindestens genauso schwammig ist der Rückhalt in seiner eigenen Partei: Schulze ist neben Landesparteichef Jon Lucas Dittrich einer der beiden Vorsitzenden, die sich nach einem internen Machtkampf und Streit um den Führungsstil der Partei im November 2025 im Amt halten konnten. Bei einer anschließenden Rede Schulzes applaudierte allerdings nur ungefähr die Hälfte des Landesverbandes. Vom Rest kassierte er Buhrufe.

Welche Chancen haben die BSW-Kandidaten?

Im Frühjahr sahen die Umfragen der Partei mit um die vier Prozent Zustimmung eher schlecht aus. Wenige Wochen vor der Wahl in Sachsen-Anhalt hat sich die Partei aber in die Nähe der Fünf-Prozent-Hürde gearbeitet. Spannend ist vor allem die Frage, wie die Partei mit der AfD umgehen wird. Im Landesverband herrscht zumindest Uneinigkeit darüber, wie man sich zur rechtsextremistischen Partei positionieren solle. Gleichzeitig signalisiert sie, dass sie eine AfD-Politik mittragen würde, sofern diese nicht den eigenen Grundsätzen widerspricht.

Eine Koalition mit der als rechtsextremistisch eingestuften AfD sieht Spitzenkandidatin Claudia Wittig zwar „nicht kommen“, zitiert sie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Mit Blick auf eine mögliche Zusammenarbeit steht die Historikerin aber ganz auf einer Linie mit BSW-Gründerin und Ex-Co-Vorsitzender Sahra Wagenknecht. Die hatte die Wahl eines überparteilichen Ministerpräsidenten vorgeschlagen, der mit wechselnden Mehrheiten auch mit der AfD regieren sollte. Vom Schwesterverband in Thüringen gab es dafür bereits Kritik. Wittig hingegen bezeichnete die Brandmauer zur AfD als Sackgasse und „undemokratisch“.

Das BSW könnte somit bei einem Einzug in den Landtag das Zünglein an der Waage für die Bildung einer AfD-geführten Regierung werden. Genau so hätte es auch Spitzenkandidatin Wittig gern: Sie sieht ihre Partei entweder auf der Oppositionsbank oder als potenziellen Koalitionspartner, um den sich nach der Wahl alle anderen Parteien reißen.