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Mega-Bauprojekt: Anwohner zwingen Milliardär zu Zugeständnissen

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Kevin O'Leary will in der Wüste von Utah eine der größten KI-Anlagen der Welt errichten. Tausende Anwohner wehren sich – und zwingen den Investor zu Zugeständnissen. Investor Kevin O'Leary hat Fehler im Umgang mit den Anwohnern seines geplanten Rechenzentrums in Utah eingeräumt. Er und sein Team hätten die Pläne für das Projekt Stratos in Box Elder County nicht angemessen vermittelt und "das wirklich vermasselt", sagte der Kanadier in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des US-Senders MS NOW. Er entschuldigte sich bei den Einwohnern des Bezirks: "Wenn ich etwas gesagt habe, das Sie gekränkt hat, dann entschuldige ich mich dafür." Künftig wolle er offenlegen, wie viel Wärme, Lärm und Wasser die Anlage verursacht. Stratos soll ein Rechenzentrum für Anwendungen mit Künstlicher Intelligenz werden, samt eigenem Energie-Campus. Der Standort liegt in einem abgelegenen Landkreis mit rund 65.000 Einwohnern nahe dem Great Salt Lake. Ursprünglich sollte sich die Anlage über rund 161 Quadratkilometer – doppelt so groß wie Manhattan und so groß wie Aachen . Die Baukosten liegen bei bis zu 100 Milliarden Dollar, das Gesicht des Projekts ist O'Leary, in den USA bekannt aus der Fernsehshow "Shark Tank", dem Vorbild der deutschen Sendung "Die Höhle der Löwen". Überblick: Alle Entwicklungen im US-Newsblog Analyse: So teuer ist Trumps Amerika Hessen: Bevölkerung stoppt Gaskraftwerk für Rechenzentrum Genehmigt trotz fast 4.000 Einwänden Anfang Mai haben die Bezirkskommissare von Box Elder County das Projekt genehmigt. Hunderte Anwohner waren mit Schildern in den Saal gekommen und störten die Sitzung mit Zwischenrufen, fast 4.000 Menschen hatten zuvor Einwände eingereicht. Im Juni klagten Anwohner gemeinsam mit der Organisation Alliance for a Better Utah vor dem Bezirksgericht. Sie werfen den Behörden vor, über die staatliche Sonderbehörde Mida die Bürgerbeteiligung umgangen zu haben – zuvor hatte der Bezirksstaatsanwalt einen Antrag auf eine Volksabstimmung blockiert. Bei voller Auslastung braucht die Anlage etwa neun Gigawatt Strom, mehr als der gesamte Bundesstaat im vergangenen Jahr verbraucht hat. Erzeugen will Stratos ihn selbst, in einem Gaskraftwerk auf dem Gelände, versorgt aus der nahen Ruby-Pipeline. Das habe keine Nachteile für die Anwohner, sagte Mida-Chef Paul Morris nach der Abstimmung: "Die Pipeline ist ideal, um Strom zu erzeugen, der weder aus dem Netz bezogen wird, noch zu einer Erhöhung der Tarife für die Bürger führt." Sorge um den schrumpfenden Salzsee Wissenschaftler und Umweltschützer warnen dagegen vor den Folgen für Luft, Lärm und Wasser. Die Organisation Utah Clean Energy schätzt, dass die Anlage die CO2-Emissionen Utahs um 55 bis 75 Prozent erhöhen könnte. Der Physiker Robert Davies von der Utah State University erwartet, dass die Abwärme die Temperaturen im Tal tagsüber um bis zu 2,7 Grad und nachts um bis zu 6,6 Grad steigen lässt. Der Great Salt Lake nebenan hat in 40 Jahren zwei Drittel seiner Fläche verloren, im Mai rief der republikanische Gouverneur Spencer Cox einen Wassernotstand aus. Die Entwickler wollen die Server in einem geschlossenen Kreislauf und mit Luft kühlen, das Wasser soll aus Tiefbrunnen auf dem Gelände kommen. "Dazu gibt es aber noch keine verbindlichen Zusagen", sagte der Ökologe Ben Abbott von der Brigham Young University dem Radiosender KPCW. O'Leary hält dagegen, die Demonstranten würden bezahlt und kämen nicht aus Box Elder County. Im Sender CNN kündigte er an: "Ich werde das umweltfreundlichste Rechenzentrum der Welt bauen." Projekt liegt vorerst auf Eis Der Protest hat gewirkt. Anfang Juni sagte O'Leary zu, Stratos deutlich zu verkleinern, nachdem Utahs Senatspräsident J. Stuart Adams in einem offenen Brief eine Reduzierung um 75 Prozent gefordert hatte. Ende Juli legte Mida das Projekt vorerst auf Eis, aus Respekt vor dem laufenden Rechtsstreit, wie das Portal Utah News Dispatch berichtete. In Betrieb gehen sollte die erste Ausbaustufe 2028. Der Streit in Utah ist kein Einzelfall. Am 18. Juli demonstrierten Gegner von Rechenzentren nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters an 142 Orten in 42 Bundesstaaten. Einer Umfrage von Reuters und Ipsos aus dem Juni zufolge hält nur ein Drittel der Amerikaner das Tempo des Ausbaus für richtig, lediglich 14 Prozent wollen eine solche Anlage in ihrer Nachbarschaft. Vor den Zwischenwahlen im November wird das für beide Parteien zum Risiko: In der Kleinstadt Festus in Missouri wählten die Bürger vier Stadträte ab, eine Woche nachdem diese ein Rechenzentrum für sechs Milliarden Dollar genehmigt hatten.