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7 Prozent Zinsen: Wann KI-Anleihen zur Falle für Anleger werden

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Amazon, Alphabet, Meta: Die KI-Giganten häufen Hunderte Milliarden Schulden an. Warum das auch für Privatanleger riskant sein kann. Am Aktienmarkt geben sie seit Jahrzehnten den Ton an – am Anleihenmarkt waren sie bislang wenig vertreten: Die großen US-KI-Unternehmen haben sich seit ihrer Gründung vor allem aus laufenden Einnahmen und privaten Investitionen finanziert. Doch inzwischen treten sie auch stark am Anleihenmarkt auf und machen dort hohe Schulden. Ein Problem? 25 Milliarden US-Dollar im Juli, zehn Milliarden im Juni, 53 Milliarden im März – alles in verschiedenen Tranchen. Das waren allein die jüngsten Anleihenemissionen von Amazon . In diesem Jahr hat das Unternehmen bereits gut 90 Milliarden US-Dollar Schulden über Anleihen aufgenommen. Und steht damit nicht allein da. Wem das Aus droht: Der KI-Crash hat längst begonnen Spezielle Wertpapiere: So funktionieren Aktienanleihen 100 Jahre Schulden Amazon, Meta , Oracle – sie alle haben in den vergangenen Monaten ordentlich am Anleihenmarkt zugelangt. Die größte Aufmerksamkeit zog Alphabet auf sich: Das Google-Mutterunternehmen gab zu Jahresbeginn eine Anleihe mit 100 Jahren Laufzeit aus. Solche extrem langlaufenden Papiere sind selten – man kennt sie eher von Staaten . Österreich hat es zum Beispiel getan. Deutschland nicht. Denn solche langen Laufzeiten bergen erhebliche Risiken: Erstens das Kursrisiko – je länger die Laufzeit, desto empfindlicher reagiert der Kurs auf Zinsänderungen. Steigen die Marktzinsen, fällt der Kurs der Anleihe. Zweitens das Inflationsrisiko: So schön und planbar der feste Zins auch ist – über die Jahrzehnte verliert er an Kaufkraft. Und drittens muss man sich bei 100 Jahren Laufzeit fragen: Trägt das Geschäftsmodell so lange? Wer will das heute seriös beantworten? Alphabet verdoppelt seine Investitionen in einem Quartal Alphabet meldete Mitte vergangener Woche, dass es seine Investitionsausgaben allein im zweiten Quartal nahezu verdoppelt habe: auf 44,9 Milliarden US-Dollar. Das ist eine enorme Summe. Bei Quartalsumsätzen von knapp 120 Milliarden mit zweistelligem Wachstum relativiert sich das allerdings etwas. In diesem Jahr hat Alphabet bislang einmal 32 Milliarden US-Dollar am Anleihenmarkt aufgenommen, inklusive der berühmten 100-jährigen Anleihe. Im Mai folgten nochmals rund drei Milliarden. Wall Street: Alphabet übertrifft Erwartungen – Tesla enttäuscht Investoren greifen bereitwillig zu Bislang stellen Investoren den KI-Unternehmen bereitwillig Kapital zur Verfügung. Das hat nachvollziehbare Gründe: Unternehmen wie Alphabet wird eine gute Bonität bescheinigt – Aa2 von der Rating-Agentur Moody's und AA+ von S&P. Das bedeutet: Top-Bewertung, niedriges Ausfallrisiko. Auch Meta, Apple oder Microsoft und Nvidia sind sehr gut bewertet. Nvidia wurde im Juni von S&P von AA- auf AA hochgestuft. Einzig Oracle steht weniger gut da . Erst vor zwei Wochen hat eine der renommierten Ratingagenturen Oracles Kreditwürdigkeit herabgestuft. Das Unternehmen ist jetzt nicht mehr weit vom sogenannten Ramschniveau entfernt, also von dem Bereich, in dem Anleihen als spekulativ gelten. Doch insgesamt gilt: Die KI-Unternehmen bieten recht attraktive Risikoprämien, also Zinsaufschläge gegenüber sicheren Staatsanleihen. Denn niemand weiß, ob und wann sich all diese Investitionen auszahlen – entsprechend gut lassen sich Investoren dieses Risiko bezahlen. Andererseits verdienen diese Unternehmen viel, sind weltweit aufgestellt und meist Marktführer in ihren Bereichen. Zumindest für den Moment. Das Zinsniveau drückt Allerdings lasten die weltweit hohen Zinsen schwer auf den Bewertungen – insbesondere bei risikoreichen Vermögenswerten wie KI-Investments. Für kleinere Unternehmen erschwert dieses Zinsniveau die Kapitalbeschaffung bereits deutlich. Hinzu kommt die Konkurrenz aus China : Wie schon 2025 drängt das Land mit neuen, konkurrenzfähigen KI-Modellen auf den Markt und hat Rechenzentren komplett ohne US-Chips hochgezogen. Die Nachricht sorgte am chinesischen Aktienmarkt für Furore – und andernorts für Kursrutsche, wenn auch nur kurzfristige. Und so muss die Frage erlaubt sein: Was, wenn Chinas KI-Sektor eine ähnliche Entwicklung nimmt wie die Autobranche? Wir sehen, was mit Europas Autoindustrie passiert ist, seit China bei der Elektromobilität das Heft in der Hand hält. Droht der KI-Branche ebenfalls solch ein China-Moment? KI-Boom muss man sich leisten können Aber warum verschulden sich die gut verdienenden KI-Konzerne überhaupt? In den vergangenen Jahren ging es doch auch weitgehend ohne den Anleihenmarkt. Die Antwort: Ihre Investitionen explodieren. Dutzende Rechenzentren, Hochleistungschips, Stromversorgung – die Liste ist lang und teuer. Zugleich haben die KI-Konzerne enorme Barreserven und, wie beschrieben, eine hohe Kreditwürdigkeit. Das heißt: Ein Ausfallrisiko bei Anleihen ist, zumindest Stand heute, vergleichsweise gering. Fragt man Anleiheexperten, sehen viele das auch nicht als vordringliches Problem an. Die eigentliche Frage sei vielmehr, ob sich die Investitionen jemals rechnen. Die Zweifel sind da, kritische Fragen berechtigt. Aber eine finale Antwort hat noch niemand. Historisch betrachtet nichts Neues Auch in der Vergangenheit war der Anleihenmarkt ein wichtiger Wirtschaftsmotor. Der Bau von Eisenbahnen, das Wirtschaftswunder nach dem Krieg mit seinem massiven Bedarf an Infrastruktur, Fabriken und Maschinen oder der IT-Boom der 90er Jahre – all das wurde zu einem guten Teil über Anleihen finanziert. Das ist kein Lobgesang auf KI-Anleihen, mitnichten. Aber schauen wir weiter. Die echten Gefahren Was sind denn derzeit echte Risiken bei KI-Anleihen? Erstens China, wie beschrieben. Zweitens eine Verdrängung: Wenn immer mehr Kapital in die Schulden von KI-Unternehmen fließt, steht anderen Branchen weniger zur Verfügung. Jeden Dollar, Yen oder Euro kann man nur einmal ausgeben. Allerdings zeigt sich auch: Der Anleihenmarkt ist aufnahmefähig. Europa profitiert aktuell sogar von guter Nachfrage. Drittens darf naturgemäß keines der großen Unternehmen ins Wanken geraten. Schon ernsthafte Zweifel, ob Anleihen bedient werden können, würden ein Beben auslösen. Wohlgemerkt: würden – Möglichkeitsform. Viertens steigen die Risikoaufschläge für Tech-Unternehmen. Das heißt, die Verschuldung wird teurer. Und mit künftigen Zinserhöhungen der Zentralbanken – perspektivisch schon im Herbst – verschlechtern sich die Konditionen weiter. Vorsicht bei Anleihen-ETFs Einen genaueren Blick verdienen Anleihen-ETFs . Denn dort hängt das Gewicht der Titel vom ausstehenden Schuldenvolumen ab. Je höher die Verschuldung, desto größer die Position im Index. Das bedeutet: Manch wenig erfahrener Anleger hat womöglich mehr Tech und KI im Depot, als er möchte oder sinnvoll ist. Es entstehen Klumpenrisiken, die im Krisenfall überdurchschnittlich auf den gesamten ETF durchschlagen. Der Handel mit Anleihen hat gigantische Volumina weltweit. Würde es an den Märkten zu Panik kommen – erinnern wir uns an den Deepseek-Schock – kann die Liquidität am Anleihenmarkt schnell austrocknen. Dann wäre auch der ETF-Handel enorm erschwert. Die unterschätzte Gefahr: die Kleinen Die größeren Gefahren gehen eher von Unternehmen aus, die noch jung oder wirtschaftlich schwach sind und trotzdem auf der Schuldenwelle mitsurfen, weil sie das Momentum nutzen wollen. Wenn Investoren dann nicht genau differenzieren, wer sich da wofür verschuldet, können einzelne Ausfallrisiken hoch sein. Ein Beispiel: Wenn ehemalige Bitcoin-Miner wie TeraWulf plötzlich in Rechenzentren investieren, sollte man eher zweimal hinschauen. Sieben Prozent Zinsen auf eine Unternehmensanleihe sind eine erste Warnung. Kein Unternehmen zahlt ohne Grund so viel. Schulden, die niemand sieht Bedenklich ist zudem, wenn große Unternehmen als Bürgen für die Kleinen einspringen und sich im Gegenzug an ihnen beteiligen. Diese Schulden tauchen meist nicht in der Bilanz der großen Partner auf. Das macht die Lage intransparent. Schätzungen zufolge werden KI-Firmen in diesem Jahr bis zu 570 Milliarden US-Dollar am Anleihenmarkt aufnehmen. Im vergangenen Jahr waren es noch rund 121 Milliarden. KI-Anleihen haben ein enormes Ausmaß erreicht. Noch lassen Aufträge und Nachfrage dieses Wachstum zu. Doch die kritischen Fragen sind berechtigt. Die Risiken liegen nicht in der Gegenwart. Aber in der Zukunft. Das sollten sich Anleger klarmachen. Ich wünsche Ihnen allzeit kluge Investments!