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Июнь
2026

Effenberg: DFB-Elf scheitert bei der WM an Paraguay brutal

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Die DFB-Elf scheitert bei der WM an Paraguay. t-online-Kolumnist Stefan Effenberg erklärt, was sich nun sofort ändern muss – und was er von Bundestrainer Julian Nagelsmann erwartet. Ich sage es ganz ehrlich: Diese Kolumne ist mir sehr schwergefallen. Und für die deutsche Nationalmannschaft ist das, was am Montag im Sechzehntelfinale der WM passiert ist, eine Vollkatastrophe. Das ist eine ganz, ganz bittere Niederlage. Nicht nur für Bundestrainer Julian Nagelsmann und seine Spieler, sondern für das ganze Land. Denn ich habe schon eine positive, zuversichtliche Stimmung ausgemacht – die nun aber jäh verfliegen könnte. Deutschland ist nämlich brutal auf dem Boden der Tatsachen angekommen. 4:5 im Elfmeterschießen gegen Paraguay, zum ersten Mal überhaupt ging ein Elfmeterschießen bei einer Weltmeisterschaft verloren. Sechzehntelfinale der WM: Drama im Elfmeterschießen – Deutschland scheidet aus "Möchte weitermachen": Nagelsmann schließt Rücktritt aus "Ein Witz": Nagelsmann hadert mit Schiri-Entscheidung Eines vorneweg: Natürlich hätte das Tor von Jonathan Tah zum 2:1 zählen müssen. Müssen. Da kann es keine zwei Meinungen geben. Der Torwart genießt im Fünfmeterraum nicht mehr den Schutz von einst, als der kleinste Kontakt abgepfiffen wurde. Nun nahm Paraguays Schlussmann Gill die Berührung von Waldemar Anton dankbar an – und der Schiedsrichter und die Video-Assistenten sind darauf wie Anfänger reingefallen, so deutlich muss man das sagen. Ich verstehe diese Entscheidung einfach nicht. So ein – in diesem Falle aus deutscher Sicht – fataler Fehler darf bei einer WM nicht passieren. Paraguay hat genau das gespielt, was erwartet wurde Wir haben aber nicht nur wegen dieses nicht gegebenen Tores das Spiel verloren. Zur Wahrheit gehört nämlich auch: Deutschland hätte auch so das 2:1 machen müssen. So hätte beispielsweise Anton selbst seine Kopfballchance in der 119. Minute machen müssen. Das weiß er selbst am besten. Besonders in der ersten Halbzeit schon aber reihte sich Fehler an Fehler. Auch beim 0:1. Erst verhielt sich auf links Nathaniel Brown falsch, indem er gar nicht erst versuchte, die Hereingabe von Paraguays Matias Galarza zu blocken. Und dann passierte auch noch im Abwehrzentrum ein verhängnisvoller Fehler, als sich die Abwehrspieler für eine Raum- statt Manndeckung entschieden. So konnte Julio Enciso mit seinen 1,73 Metern fast aus dem Stand einköpfen. Darf nicht passieren, ist aber passiert. Ich konnte es nicht glauben. Und dann kam die große Dramatik im Elfmeterschießen. Am Ende sind drei von sechs deutschen Schützen vom Punkt gescheitert – dann muss man diese Niederlage so akzeptieren. Denn die deutsche Mannschaft war natürlich optisch spielbestimmend, hatte am Ende 75 Prozent Ballbesitz – wusste aber eben damit viel zu wenig anzufangen. Insgesamt 42 Flanken wurden in den Strafraum der Paraguayer geschlagen, insgesamt 799 Pässe gespielt – aber bis auf die Torchance von Anton sprang dabei nichts wirklich Gefährliches bei raus. Das haben Musiala oder Havertz in der Nationalelf nicht Die Erkenntnis? Ist keine neue. Ich habe es in der Vergangenheit schon mal gesagt und wurde nun leider bestätigt: Die Qualität, die uns aktuell zur Verfügung steht, ist nicht Weltklasse – nein. Für einen deutschen Erfolg muss seit längerer Zeit schon alles zusammenkommen – weil wir eben nicht diese individuellen Unterschiedsspieler haben, die für Frankreich, Argentinien, Spanien, England immer die Entscheidung herbeiführen können. Bei uns müssen dagegen alle einen Supertag erwischen, in der Mannschaft muss es laufen, es muss vielleicht auch noch ein wenig Glück hinzukommen – und der Gegner dazu einen schlechten Tag erwischen. Und das sind zu viele Faktoren. Weshalb glänzt beispielsweise ein Jamal Musiala im Verein beim FC Bayern so viel mehr als seit längerer Zeit schon in der Nationalmannschaft? Die Antwort ist bitter, aber die Realität: Weil er in München mit Harry Kane , Michael Olise und Luis Díaz absolute Weltklassespieler neben sich hat, die alle selbst zwei, vielleicht sogar drei Gegenspieler binden und dadurch Raum für Musiala schaffen – und in der DFB-Elf nun mal eben nicht. Ebenso beispielsweise ein Kai Havertz beim FC Arsenal . Was muss jetzt passieren? Nagelsmann und der DFB sind nun in der Pflicht, zu liefern. Sie müssen zeigen: Wir haben verstanden, was getan werden muss. Ich erwarte auch eine ausführliche Erklärung, eine detaillierte Analyse dieser WM vom Bundestrainer – nicht erst, wenn es in ein paar Monaten mit den nächsten Länderspielen weitergeht, sondern zeitnah innerhalb der nächsten Wochen. Fußball-Deutschland will jetzt einen klaren Plan sehen: Wie wollen wir es zum nächsten großen Turnier in zwei Jahren schaffen? Und mit schlauen, überlegten, nachvollziehbaren Entscheidungen können auch die Sympathien der nun enttäuschten Fans zurückgewonnen werden. Das macht Hoffnung für die Zukunft Nagelsmann hat jetzt die Chance zu einem klaren Cut. Innerhalb der Mannschaft muss nämlich vieles auf den Prüfstand. Acht Spieler im WM-Kader waren 30 Jahre oder älter, vier weitere werden dieses Jahr noch 30. Vielleicht ist das ja jetzt der Zeitpunkt, noch konsequenter auf die Jüngeren zu setzen. Das ist eine große Aufgabe, die Nagelsmann nun bewältigen muss. Er muss das Leistungsprinzip, nach dem er seine Nominierungen vornimmt, weiter beachten – und doch die Gelegenheit nutzen, vielversprechende Talente, die natürlich Leistungsschwankungen unterliegen, immer weiter miteinzubinden. Zwei Beispiele: Beim nächsten Länderspiel muss Jonas Urbig vom FC Bayern als neue deutsche Nummer eins im Tor stehen. Das Kapitel Manuel Neuer beim DFB sollte jetzt endgültig geschlossen sein, aber auch eine Rückkehr zum 36-jährigen Oliver Baumann macht für mich langfristig keinen Sinn. Jetzt muss Urbig ran – wenn er seine starken Leistungen aus der vergangenen Saison beim FC Bayern bestätigt und vermehrt Spielzeit neben Neuer bekommt. Und wenn Lennart Karl wieder gesund ist, muss er auch gesetzt sein. Punkt. Dann haben wir mit Karl, Musiala und Wirtz drei junge, hungrige Spieler in der Offensive. Nagelsmann muss jetzt die jungen Spieler von der Leine lassen. Einen Brown, einen Malick Thiaw in der Innenverteidigung, Nico Schlotterbeck ist auch noch recht jung, ein Saïd El Mala – da ist einiges da, das Hoffnung für die Zukunft macht, unterstützt von erfahreneren Führungsspielern. Mal schauen, wie sie sich beweisen, wie sie durch die EM-Qualifikation und die Nations League gehen. Wenn dieser Jugendkurs ab Ende September voll durchgezogen wird – dann werden auch die deutschen Fans voll dahinterstehen und auch mal eine Niederlage oder ein frühes Ausscheiden bei einem großen Turnier verzeihen. Das muss jetzt der Schritt sein.