ru24.pro
World News in German
Март
2026
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14 15 16 17 18 19 20 21 22
23
24
25
26
27
28
29
30
31

1. FC Köln: Lukas Kwasniok vor Endspiel gegen Borussia Mönchengladbach

0
Auf den 1. FC Köln wartet das wohl wichtigste Spiel des Jahres: Am Samstag geht es im Derby gegen Borussia Mönchengladbach nicht nur um wichtige Punkte, sondern auch um die Zukunft von Trainer Lukas Kwasniok. Der Kampf um den Bundesliga-Klassenerhalt bietet neutralen Fans derzeit große Spannung. Bis zum neunten Platz ist noch höchste Vorsicht geboten, vor allem ab dem zwölften Rang wird es bei nur vier Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz eng. Der 1. FC Köln ist dabei mittendrin, liegt auf dem 14. Rang. Am Samstag (15.30 Uhr, im Liveticker bei t-online) wartet ein in vielerlei Hinsicht richtungsweisendes Spiel: Es geht im Derby gegen Borussia Mönchengladbach . Die Paarung verspricht allein schon aufgrund der jahrzehntelangen Rivalität reichlich Zündstoff. Die Bedeutung für beide Fanlager ist gewaltig, kurzfristig für die Tabelle, mittelfristig aber auch für den möglichen Ligaverbleib. Die "Fohlen" liegen als Zwölfter derzeit zwei Plätze und drei Punkte vor dem FC. Zusätzliches Explosionspotenzial birgt der Umstand, dass dieses Derby für Lukas Kwasniok das letzte als Köln-Trainer sein könnte. So schreibt etwa die "Sport Bild" von einem "Endspiel". Ein nüchterner Blick auf die Zahlen liefert eine erste, wenngleich auch nur oberflächliche Erklärung: Der Aufsteiger hat lediglich zwei seiner jüngsten 17 Spiele gewonnen, dabei ganze zehnmal verloren. Vor allem in der Defensive hapert es, Köln spielte in dieser Saison erst dreimal zu Null und kassierte in der Liga durchschnittlich 1,69 Gegentore pro Spiel. Ein Teil der Wahrheit ist aber auch, dass der FC in vielen Spielen gut mitgehalten hat. Gegen den HSV stand trotz ansprechender Leistung am Ende nur ein 1:1, gegen Hoffenheim ein 2:2. Und dem BVB unterlagen die Kölner unglücklich mit 1:2, eine umstrittene Elfmeterentscheidung inklusive. Dass Sportboss Thomas Kessler bei dem jüngsten Remis in Hamburg "einen kleinen Schritt nach vorne" erkannt hat, darf als Bestätigung von Kwasnioks Arbeit gewertet werden. Gleichwohl entspricht Kesslers Nachsatz einer deutlichen Forderung an den Coach: "Jetzt geht es darum, einen großen Schritt zu machen. Es liegt in der Natur der Sache, dass wir auch mal wieder ein Fußballspiel gewinnen müssen." Die Ergebnisse sind nicht Kwasnioks einziges Problem Kwasniok werden unterdessen nicht nur die ausbleibenden Erfolge vorgeworfen. Sein Umgang mit Saïd El Mala irritierte Fans und Experten über Wochen. Der Shootingstar ist mit 13 Torbeteiligungen Kölns erfolgreichster Scorer, sitzt aber trotzdem regelmäßig auf der Bank. Ohnehin rotiert der Coach auffällig oft für ein Team ohne Mehrfachbelastung. Laut "Kicker" gebe es innerhalb der Mannschaft immer wieder Kritik an Entscheidungen des Trainers. In den Fokus rückt auch sein Verhalten abseits des Platzes. So hat Kwasniok mit wenig sensiblen Aussagen auf Pressekonferenzen zunehmend Kritik auf sich gezogen. Der Coach ärgerte sich etwa über das Schweigen der eigenen Fankurve nach einem Todesfall . Er entschuldigte sich zwar im Nachgang, fütterte mit seinen anfänglichen Aussagen aber weiter das Image eines Trainers, der aneckt. Schon zu Paderborner Zeiten zählte er öffentlich seine eigenen Spieler an und positionierte sich gegen die Corona-Impfung. Bereits zum Jahresbeginn sah sich der Kölner Trainer daher Kritik aus dem eigenen Fanlager ausgesetzt. Beim Spiel gegen Heidenheim zeigte die Kurve ein Banner mit der Aufschrift "Kwasni Yok" (Türkisch, zu Deutsch etwa: Kwasniok weg). In einem anschließenden Gespräch sollen die Anhänger laut "Geissblog" zu verstehen gegeben haben, dass sie Kwasnioks Umgang mit der Mannschaft und einzelnen Spielern sowie sein Auftreten abseits des Sportlichen anprangern wollten. Sein öffentliches Auftreten hat er seither nicht angepasst, grundlegend wird sich der Trainer in der Hinsicht wohl auch nicht mehr verändern. "Wenn die Gefahr besteht, dass ich durch die Fußballwelt eines Tages aalglatt werden würde, wäre ich raus", sagte er im Februar 2025 der "Süddeutschen Zeitung". Drei Nachfolger werden bereits gehandelt Ob der großen Anzahl an Kritikpunkten hält der 1. FC Köln offenbar schon Ausschau nach einem möglichen Nachfolger. Laut "Express" wurden bereits Gespräche geführt, denkbar sind demnach drei Optionen: Co-Trainer René Wagner wird befördert, ein Perspektivtrainer wie Dino Toppmöller wechselt in die Domstadt oder ein Feuerwehrmann à la Friedhelm Funkel übernimmt. Wobei Letzterer ein klarer Verfechter Kwasnioks ist. Bei "Sky 90" sagte der Kölner Ex-Trainer jüngst: "Sie hätten von der Leistung her den einen oder anderen Punkt mehr verdient gehabt. Deswegen hoffe ich, dass Lukas, egal wie das Spiel (am Samstag gegen Gladbach, Anm. d. Red.) ausgeht, weiter Trainer bleibt." Funkel fügte hinzu: "Ich bin fest davon überzeugt, dass der 1. FC Köln mit ihm dann auch in der Liga bleibt." Große Stücke auf den 44-Jährigen hält auch Merlin Polzin . "Wenn ich das aus der Ferne bewerten darf: Die Ergebnisse waren in den vergangenen Monaten nicht da, aber die Art und Weise war immer extrem eng und ansehnlich", lobte der HSV-Trainer die Arbeit seines Kollegen. Es sind Argumente, die trotz aller Kritik noch für Kwasniok sprechen – ebenso wie die Tatsache, dass es in der Domstadt den Willen zu Kontinuität auf dem seit eh und je wackeligen Trainerstuhl gibt. Laut "Kicker" erfährt der Trainer noch Rückendeckung aus der Klubführung. An der im Fußballgeschäft nötigen Portion Selbstsicherheit scheitert es beim Kölner Übungsleiter ohnehin nicht. Nach dem Unentschieden in Hamburg sagte er in Richtung des HSV, dass dieser "noch nicht ganz weg" sei und er mit seinem Team dranbleiben wolle. Mit Blick auf das Derby legte Kwasniok nach: "Lieber spiele ich 1:1 in Hamburg und gewinne dann das Derby als umgekehrt." Ein Unentschieden am Samstag dürfte zu wenig sein, der Kölner Trainer braucht wohl einen Sieg. Dann kann Kwasniok vielleicht auch einen solchen Moment erleben, wie er selbst ihn Polzin nach dem Spiel am vergangenen Wochenende bereitet hat. "50 Spiele in einem Traditionsverein", stellte der Coach lautstark applaudierend fest. "Das schafft nicht jeder. Davon bin ich noch weit entfernt." Er steht bei 28 Partien als FC-Trainer. Sein 29. wird das bisher wichtigste.