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Formel 1: So startet Audi in sein erstes Jahr

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2026 geht Audi in der "Königsklasse" an den Start. Es ist ein teures Projekt – das schon bald ein ganz großes Ziel erreichen soll. Um 12.30 Uhr Ortszeit in Melbourne, Australien, 2.30 Uhr in der deutschen Nacht, ereignete sich am Freitag Historisches in der Formel 1 . Nico Hülkenberg war im ersten Training zum Saisonauftakt der "Königsklasse" aus der Garage gefahren – und absolvierte damit die ersten Kilometer eines Audi-Boliden in der Formel 1. Im ersten Qualifying am Samstag schaffte es Hülkenberg auf Platz elf, Teamkollege Gabriel Bortoleto sogar auf Platz zehn. Ein ordentlicher Einstand für das neue deutsche Werksteam, das nach der Übernahme des traditionsreichen Schweizer Sauber-Rennstalls 2026 im ersten Jahr in der Formel 1 fährt. Am Sonntag geht es dann beim Großen Preis von Australien ins erste Rennen (ab 5 Uhr im Liveticker bei t-online). Es geht los. Es ist das wohl spannendste und ambitionierteste Projekt dieser neuen Saison. Und ein kostspieliges. Denn schon für die Übernahme von Sauber im März 2024 musste Audi mutmaßlich bis zu 650 Millionen Euro zahlen. Das gesamte Projekt lässt sich der Autobauer Schätzungen zufolge sogar bis zu 2,35 Milliarden Euro kosten. Erfolg soll sich zwar nicht sofort, aber daher doch zeitnah einstellen. "Wir wollen ab 2030 um die Weltmeisterschaft kämpfen", hatte Audi-CEO Gernot Döllner schon im vergangenen November vorgegeben. Formel-1-Rennkalender 2026: Alle Termine und Sieger im Überblick Trotzdem tritt das Team ganz bewusst auf die Bremse, was die kurzfristigen Erwartungen angeht. "Wir sind uns darüber bewusst, dass viele Herausforderungen vor uns liegen", sagte Team-Direktor Mattia Binotto, einst lange Jahre bei Ferrari , vor dem WM-Start. "Aber wir glauben daran, dass wir dafür bereit sind." Er weiß aber auch: "Für Audi geht es nicht darum teilzunehmen, sondern zu gewinnen." Kann das Team direkt im ersten Jahr weiter vorne mithalten? Die Chancen stehen nicht schlecht – denn durch die umfassenden Regeländerungen 2026 wird alles auf Null gestellt, alle Teams gehen mehr oder weniger unter gleichen Voraussetzungen in die neue Saison. "Wir haben große Ziele" 851 Testrunden sind seit Januar zwischen Barcelona und Bahrain abgespult worden. Die Zeiten der beiden Fahrer Hülkenberg und Gabriel Bortoleto in den ersten Sessions des Jahres zeigen: Ein Platz im oberen Mittelfeld, direkt hinter den vier Platzhirschen McLaren, Red Bull, Mercedes und Ferrari ist trotz vereinzelter Rückschläge möglich. Binotto spricht von "bedeutenden Fortschritten" in der Vorbereitung: "Wir haben zwar noch nicht alle Probleme gelöst, aber die Entwicklung und die Einstellung des gesamten Teams sind sehr ermutigend", resümiert der Italiener. "Wir haben das erste F1-Auto von Audi mit unserem eigenen Antrieb gebaut und dann eines der umfangreichsten Wintertest-Programme der letzten Jahre komplettiert", sagte indes Teamchef Jonathan Wheatley im Vorfeld des Saisonstarts in Australien. Das Projekt komme immer weiter in Fahrt. "Wir haben auch die erste Stufe unserer ambitionierten Renovierungen erledigt, die wir für Hinwil (der Ort in der Schweiz ist neben dem bayerischen Neuburg und Bicester in England einer der drei Audi-Stützpunkte, Anm. d. Red.) geplant haben." Sie machen Ernst. Wheatley sagte weiter: "Wir haben große, ambitionierte Ziele. Daraus machen wir kein Geheimnis. Zwei Jahre geben wir uns Zeit zum Lernen, dann wollen wir die etablierten Teams herausfordern." Wie Binotto bringt auch Wheatley langjährige Formel-1-Erfahrung mit, war schon zu Zeiten der ersten zwei WM-Titel von Michael Schumacher (1994 und 1995) Mechaniker bei Benetton, wechselte 2006 zu Red Bull, wurde dort prägende Figur hinter zahlreichen WM-Erfolgen – und ist nun bei Audi Teamchef. "Das ist unsere Identität" Der ganzen Marke "Audi in der Formel 1" soll die Etablierung gelingen. "Wir wollen im ersten Jahr erreichen, dass die Leute uns kennen, dass die Leute wissen, wofür Audi in der Formel 1 steht" sagte Marketingchef Stefano Battiston am Rande der Audi-Teampräsentation in Berlin vor wenigen Wochen im Gespräch mit t-online. "Wir möchten eine Community aufbauen, in der wir Fans teilhaben lassen können. Wenn wir das nach unserer ersten Saison geschafft haben, dann ist aus Marketing-Sicht schon einiges erreicht." Dass das eine hehre Aufgabe ist, weiß Battiston. "Wir starten als Herausforderer. Wir passen uns an. Das Ziel ist, kompetitiv zu werden, dass uns die Zuschauer wahrnehmen, dass uns die Konkurrenz wahrnimmt, dass uns die Öffentlichkeit wahrnimmt." Auch durch den Look des neuen Rennstalls. "Mit der Teamwear werden die Fans am besten erreicht. Das ist das, was sie tragen, was sie fühlen. Das ist unsere Identität", erklärte Battiston weiter. Um das Formel-1-Team auch als Marke zu etablieren, hat Audi dafür einen hochkarätigen Partner gewonnen: Sportartikelhersteller Adidas rüstet den Rennstall mit Teamkleidung aus, die im Handel erhältliche Kollektion umfasst Jacken, Oberteile, Schuhe, Mützen und mehr. In Berlin wurden sowohl das Auto als auch die Rennanzüge und die Kleidung der Boxencrew vorgestellt. Die Farbpalette reicht von Grau über Schwarz und Braun bis zu einem kräftigen "Lava-Rot". "Ziel ist, dass eines Tages auf der ganzen Welt Fans mit Stolz unsere Teamkleidung tragen", hofft der Schweizer. "Wir sind hier für die ganze Reise" Einen ähnlichen Effekt wünscht sich auch Antoine Le Nel. Der Franzose ist Marketingchef bei Haupt-Teamsponsor Revolut. "Mit Audi haben wir den idealen Partner gefunden, der unsere Vorstellungen eines eleganten, aber gleichzeitig minimalistischen Auftritts teilt", sagte er in Berlin zu t-online. Ziel sei, einen markanten, unverwechselbaren Auftritt zu schaffen – mit hohem Wiedererkennungswert. "Nicht, dass wir das heute unterstützen würden, aber auf Formel-1-Postern, die Jugendliche früher in ihren Zimmern an den Wänden hatten – was war da zu sehen? Die ikonische Werbung der Tabakkonzerne", erinnert Le Nel an Marken wie Marlboro, West oder Rothmans, die bis zum Verbot von Tabakwerbung über Jahre prominent auf den Boliden der "Königsklasse" vertreten waren. 70 Millionen Kunden weltweit hat die britische Neobank nach eigenen Angaben mittlerweile, durch die Audi-Zugkraft sollen es noch mehr werden. In Deutschland ist das Unternehmen bereits durch Markenbotschafter Mario Götze vertreten, seit Kurzem sponsert Revolut auch Premier-League-Klub Manchester City . "Der Gedanke ist: Wie können wir eine ganze – junge – Generation so begeistern, dass sie uns über viele, viele Jahre treu bleibt? Genau dafür ist die Partnerschaft mit Audi in der Formel 1 eine starke Plattform. Wir sind hier für die ganze Reise", sagt Le Nel. Diese beginnt nun in Melbourne. "Natürlich will man immer einen guten Saisonstart hinlegen, idealerweise in die Punkte fahren", sagte Hülkenberg im Rahmen des Rennwochenendes. "Aber ich glaube, wir müssen einfach fokussiert arbeiten, die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen." Der große Audi-Plan ist sowieso ein anderer.