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Kalte Progression: Deutsche Steuerzahler stärker entlastet als erwartet

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Nach einer Gehaltserhöhung kann es vorkommen, dass Sie sich trotzdem weniger leisten können. In Deutschland ist dieser Effekt zuletzt aber dank mehrerer Reformen nicht aufgetreten. Die Einkommensteuerreformen der vergangenen Jahre haben die Belastung der Bürger durch die sogenannte kalte Progression nicht nur ausgeglichen, sondern sogar überkompensiert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Wirtschaftsforschungsnetzwerks EconPol Europe. Trotz mehr Netto weniger Kaufkraft Die kalte Progression bezeichnet vereinfacht gesagt das Problem, dass Menschen zwar mehr Gehalt verdienen, sich davon aber trotzdem weniger leisten können. Das liegt zum einen daran, dass Sie mit steigendem Gehalt mehr Steuern zahlen müssen , zum anderen sinkt wegen der Inflation von Jahr zu Jahr die Kaufkraft. Eine Gehaltserhöhung bringt Ihnen dann zwar in absoluten Zahlen mehr Geld auf dem Konto, davon können Sie sich aber weniger Produkte kaufen, weil die Preise stark gestiegen sind. Um diesen Effekt abzufedern, passt die Politik regelmäßig den Einkommensteuertarif sowie Freibeträge an – etwa den Grundfreibetrag oder die Eckwerte der Steuersätze. Dennoch bleibt das Thema politisch umstritten: Kritiker bemängeln, dass Anpassungen häufig erst mit Verzögerung erfolgen und Steuerzahler zwischenzeitlich stärker belastet werden. Einen Automatismus, durch den der Steuertarif automatisch angepasst wird, gibt es nicht. Wie die Forscher nun herausgefunden haben, wurden Steuerzahler in Deutschland zwischen 2019 und 2023 um insgesamt rund 15 Milliarden Euro stärker entlastet, als es ein bloßer Ausgleich der kalten Progression erfordert hätte. Ohne politische Gegenmaßnahmen hätte die kalte Progression die Steuerzahler rund 50 Milliarden Euro gekostet. Insgesamt hat das Einschreiten der Bundesregierung also eine Entlastung in Höhe von 65 Milliarden Euro bewirkt. Gesetze der Ampelkoalition halfen Nach Einschätzung der Forscher haben mehrere Maßnahmen dazu beigetragen, diese Belastung mehr als auszugleichen. Dazu zählen das Inflationsausgleichsgesetz, das Steuerentlastungspaket von 2022 sowie die weitgehende Abschaffung des Solidaritätszuschlags im Jahr 2021 . Für ihre Analyse untersuchten die Autoren die Auswirkungen der kalten Progression und politische Gegenmaßnahmen in insgesamt 21 europäischen Ländern. Neben Deutschland hätten auch Luxemburg , Litauen, Österreich , Kroatien, Slowenien , die Slowakei und Lettland die Belastung mehr als ausgeglichen. Andere Staaten wie Finnland , Irland, Frankreich , Portugal und Griechenland hätten den Effekt weitgehend neutralisiert. In Ländern wie Spanien, Italien , Belgien oder den Niederlanden sei die kalte Progression dagegen nur teilweise kompensiert worden.