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Iran: Chamenei-Nachfolge offen – Machtzentren des Landes in der Krise

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Irans Machthaber Chamenei ist tot – Teherans Regime steckt in einer tiefen Krise. Welche Institutionen greifen jetzt und wer bestimmt Chameneis Nachfolge? Ein Überblick. Nach dem von US-Präsident Donald Trump verkündeten Tod des iranischen geistlichen Oberhaupts Ajatollah Ali Chamenei steht die Islamische Republik vor der schwersten Krise ihrer Geschichte. Das komplexe Geflecht aus religiösen und militärischen Institutionen macht eine Vorhersage der weiteren Entwicklung schwierig, zumal unklar ist, wie viele Entscheidungsträger die Angriffe überlebt haben. Ein Überblick über die Machtzentren im Iran und die Nachfolgeregelung: Newsblog: Alle aktuellen Entwicklungen zum Krieg im Nahen Osten Machthaber Chamenei ist tot: Wer jetzt um die Macht im Iran kämpft Der Oberste Führer An der Spitze des Staates steht der Revolutionsführer (Oberster Führer). Das Amt basiert auf dem theologischen Prinzip des "Wilayat-e Fakih" (Herrschaft des Rechtsgelehrten). Die Theorie besagt, dass bis zur Rückkehr des im 9. Jahrhundert verschwundenen 12. Imams der schiitischen Tradition ein geistlicher Würdenträger die Macht auf Erden ausüben soll. Unter Chamenei und seinem Vorgänger, dem Staatsgründer Ajatollah Ruhollah Chomeini, hatte der Revolutionsführer das letzte Wort in allen Staatsangelegenheiten – von der Außenpolitik bis hin zu gesellschaftlichen Fragen. Die ungeklärte Nachfolge Einen offiziell benannten Nachfolger gibt es nicht. Chameneis Sohn, Modschtaba Chamenei, wurde in der Vergangenheit oft als möglicher Kandidat gehandelt, ebenso Hassan Chomeini, der Enkel des Staatsgründers. Es ist jedoch unklar, ob diese potenziellen Nachfolger die Angriffe überlebt haben. Ein zentrales Problem ist das fehlende politische Gewicht möglicher Erben: Kein verbliebener Geistlicher verfügt über das Ansehen Chameneis und könnte es schwer haben, sich gegen rivalisierende Interessengruppen, insbesondere die Revolutionsgarden, durchzusetzen. Zu den einflussreichsten Geistlichen zählen Sadegh Laridschani, ein Bruder des Chamenei-Beraters Ali Laridschani, das Mitglied des Expertenrats Mohsen Araki sowie der Teheraner Prediger Ahmad Chatami. Das Übergangstrio Nach der Tötung von Irans oberstem Führer Ali Chamenei soll vorübergehend ein Dreiergremium die Staatsführung übernehmen. Es besteht aus Präsident Massud Peseschkian, Justizchef Gholam-Hussein Mohseni-Edschehi und dem Geistlichen Alireza Arafi, der Mitglied des Wächterrats ist. Das Trio soll den Übergang sichern, bis der Expertenrat einen neuen obersten geistlichen Führer bestimmt. Der Expertenrat Dieses Gremium besteht aus hochrangigen Geistlichen (Ajatollahs), die alle acht Jahre gewählt werden. Laut Verfassung ist es die Aufgabe des Expertenrats, den Obersten Führer zu ernennen. Theoretisch kann der Rat den Revolutionsführer auch absetzen, was jedoch noch nie geschehen ist. In der Praxis dürfte die Wahl des Nachfolgers in Hinterzimmern durch die mächtigsten Akteure des Regimes ausgehandelt und vom Rat lediglich formal bestätigt werden. Durch den möglichen Tod zahlreicher Entscheidungsträger ist die Handlungsfähigkeit dieses Gremiums derzeit jedoch fraglich. Der Wächterrat Der Wächterrat fungiert als mächtiges Kontrollorgan, das sicherstellt, dass alle staatlichen Handlungen mit der schiitischen Interpretation der Scharia vereinbar sind. Er besteht je zur Hälfte aus vom Obersten Führer und vom Justizchef ernannten Mitgliedern. Der Rat kann vom Parlament verabschiedete Gesetze per Veto stoppen und Kandidaten für Wahlen disqualifizieren. Dieses Mandat wurde in der Vergangenheit systematisch genutzt, um Kritiker Chameneis und Reformer von politischen Ämtern fernzuhalten. Die Revolutionsgarden Die Revolutionsgarden unterstehen direkt dem Obersten Führer und nicht dem Verteidigungsministerium. Sie gelten als die am besten ausgerüstete Teilstreitkraft und verfügen über enorme wirtschaftliche Macht im Land. Ihr Kommandeur Mohammed Pakpur wurde Insidern zufolge bei den Angriffen am Samstag getötet. Die Revolutionsgarden kontrollieren auch die Basidsch-Milizen im Inland und steuern die verbündeten Milizen im Nahen Osten. Trotz möglicher Verluste in der Führungsebene dürften die Garden eine entscheidende Rolle bei der Neuordnung der Macht spielen. Die Justiz Das Rechtssystem basiert auf der Scharia. Der Justizchef wird direkt vom Obersten Führer ernannt, was die Unabhängigkeit der Gerichte einschränkt. Der aktuelle Amtsinhaber Gholamhossein Mohseni Edschei wurde von westlichen Staaten wegen seiner Rolle bei der gewaltsamen Niederschlagung der Proteste von 2009 sanktioniert. Präsident und Wahlen Der Iran hält alle vier Jahre Wahlen für das Parlament und das Präsidentenamt ab. Der Präsident ernennt die Regierung und leitet die Regierungsgeschäfte, muss sich aber im Rahmen der vom Obersten Führer vorgegebenen Richtlinien bewegen. Die Legitimität der Wahlen hat in den vergangenen Jahren stark gelitten, da der Wächterrat viele Kandidaten ausschloss und Wahlergebnisse umstritten waren. Der 2024 gewählte Präsident Massud Peseschkian gilt als moderat. Auch er soll Ziel der Angriffe gewesen sein. Ob er noch am Leben ist, ist unklar.