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"Stralsund – Jetzt komm ich!": Auf den Spuren von "Die Brücke"

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Regisseur Eoin Moore inszenierte seinen ersten "Stralsund"-Krimi als packendes Katz- und Mausspiel insbesondere zwischen Sophie Pfennigstorf als Kommisarin Zabek und dem groß aufspielenden Martin Brambach als Bauunternehmer, der aufgrund seiner Firmenpleite durchdreht und sich auf einen Rachefeldzug begibt.

Der 27. Film der Krimireihe beginnt gewohnt düster mit einer Kamerafahrt über die Rügenbrücke und die Seebrücke Sellin. Beide Orte spielen eine zentrale Rolle in "Stralsund – Jetzt komm ich!" am Samstagabend im ZDF, einem spannungsgeladenen Krimidrama, wie man es vor allem aus Skandinavien kennt. Nicht zufällig erinnert der neue Fall gelegentlich an eines der besten davon: "Die Brücke". Statt der Öresundbrücke steht hier die über 40 Meter hohe Verbindung zwischen Stralsund und Rügen im Mittelpunkt. Sie wird für Kommissarin Jule Zabek (Sophie Pfennigstorf) zum Schauplatz eines traumatischen Erlebnisses.

Alles beginnt an einem alkoholgetränkten Abend in der Bar eines Luxushotels. Der Bauunternehmer Detlev Schulte (Martin Brambach) wurde durch den Bauboom nach der Wende reich: "Halb Stralsund hab ich gebaut", prahlt er. Doch die Branche steckt in der Krise, sein Geschäftspartner Peter Unger (Steffen Münster) hat ihn hintergangen. Nun, kurz vor der Rente ist Schulte pleite und psychisch am Ende. Als ihn ein paar schnöselige Jungunternehmer in der Hotelsauna verhöhnen, kommt es bei Detlev zur Kurzschlusshandlung, die einen von ihnen das Leben kosten wird. Erst vom Polizeiaufgebot geweckt, erkennt er entsetzt, was er getan hat, und flieht.

Brambach und Pfennigstorf spielen groß auf

Martin Brambach spielt diese gebrochene Figur bemitleidenswert gut: fahrig, überfordert, gefangen zwischen Schuld und Selbstmitleid. Doch bald kippt seine Haltung. Detlev weiß, wer schuld ist – nicht er, sondern all jene, die ihn hintergangen haben. "Ich werd's euch zeigen!", droht er brüllend von der Rügenbrücke, als Jule Zabek ihn einholt. "Jetzt komm ich!" Jules anschließende Konfrontation mit Schulte endet für die Kommissarin mit einem beinahe tödlichen Sturz in die Tiefe und lässt sie traumatisiert zurück.

Sophie Pfennigstorf liefert als Jule Zabek erneut eine starke Tour de Force ab, eine Figur, die immer ein bisschen an Lisbeth Salander aus Stieg Larssons "Millenium"-Trilogie erinnert: hart nach außen, innerlich zerrissen, mit starkem Gerechtigkeitssinn. Dass sie trotz Nahtoderfahrung weiterermittelt und ihrem Chef Karl Hidde (Alexander Held) nichts erzählt, ist konsequent – und gefährlich. Denn Detlev startet nun seinen Rachefeldzug.

Sorgen um Hauptkommissar Hidde

Während Hidde mit Kollege Nowak (Jakub Gierszal) ermittelt und Peter Unger befragt, sucht Jule Detlevs Sohn Hannes (Marius Ahrendt) auf. Wo könnte sein Vater sein, an wem will er sich noch rächen? Als Erstes an seiner Exfrau, wie es scheint. Parallel stellt sich heraus: Ganz so integer war Detlev in seiner Karriere als Bauunternehmer dann auch wieder nicht.

Sorgen machen muss man sich derweil um Karl Hidde: körperlich angeschlagen, einsam, unter Druck gesetzt vom neuen Kriminaldirektor Prick – nie zuvor wirkte der Hauptkommissar so zerbrechlich und resigniert. "Nach 35 Dienstjahren lass ich mir nicht erzählen, wie ich meinen Laden zu führen habe. Oder bin ich schon vergreist?", fragt er Jule zu Beginn des Films. "Nein", entgegnet sie trocken. "Sie können besser mit 'nem Smartphone umgehen als die meisten Rentner." – Es ist der einzige annähernd humorvolle Moment in diesem beklemmend guten Krimidrama von Regisseur Eoin Moore und seiner Koautorin Anika Wangard.

"Stralsund – Jetzt komm ich!" – Sa. 21.02. – ZDF: 20.15 Uhr