Olympia 2026: Medaillenspiegel ohne Eiskanal zeigt deutsches Dilemma
Bei den Olympischen Spielen ist Deutschland nach einer Woche im Medaillenspiegel auf Rang sieben zu finden. Dabei finden die Erfolge meist im Eiskanal statt. Wo stünde aber Deutschland ohne diesen? Von den Olympischen Spielen berichtet Benjamin Zurmühl Auch am Sonntagabend gab es wieder zwei Medaillen für Deutschland zu feiern. Im Mixed Team holten die deutschen Duos Silber und Bronze, nur Großbritannien war noch schneller unterwegs. Schon im Einzel hatte es sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen jeweils Silber und Bronze gegeben. Die Leistungen der deutschen Skeletonis in Cortina d'Ampezzo können sich sehen lassen. "Es wäre schon schön, wenn eine goldene Medaille dabei gewesen wäre", sagte Vorstandschef Thomas Schwab vom Bob- und Schlittenverband für Deutschland (BSD): "Die haben schon damit spekuliert, dass heute etwas drin ist. Aber wir müssen einfach zufrieden sein mit dem, was wir haben. Das ist ja unfassbar." Wo steht Deutschland? Der Medaillenspiegel der Olympischen Winterspiele 2026 Olympia-Sportart verändert: "Das ist dumm" Nach zwölf Jahren warten : Gold für Deutschland Gold gab es dafür gleich dreimal im Rodeln. Im Einsitzer der Männer und der Frauen sowie in der Team-Staffel standen deutsche Athletinnen und Athleten ganz oben. Es gab bisher noch keinen Wettbewerb im Eiskanal von Cortina d'Ampezzo, in dem Deutschland leer ausging. Raimund und Aicher als Lichtblicke Doch so gut die Bilanz des DOSB im Eiskanal aussieht, so ausbaufähig ist sie andernorts. Im Biathlon beispielsweise gibt es nach sieben Wettbewerben nur eine Medaille. In der Mixed-Staffel holte das DSV-Quartett Bronze. Eine Einzelmedaille gibt es bisher nicht, der Massenstart zum Abschluss ist dafür die letzte Chance. In der Nordischen Kombination und im Skilanglauf blieb Deutschland gänzlich ohne Medaille. Bei den Skisprung-Herren und den Skirennfahrerinnen gab es Lichtblicke: Philipp Raimund holte von der Normalschanze die einzige Goldmedaille außerhalb des Eiskanals, Emma Aicher gewann sowohl in der Abfahrt als auch in der Team-Kombination mit Kira Weidle-Winkelmann Silber. Das war es dann aber auch wieder. Die Skispringerinnen fahren trotz größerer Ambitionen ohne Edelmetall nach Hause, den Skirennfahrern bleibt nur noch der Slalom zur Aufbesserung der Bilanz. Wie drückt sich das aber im Medaillenspiegel aus? t-online hat nachgerechnet und einen Medaillenspiegel ohne die bisherigen Wettbewerbe aus dem Eiskanal (Rodeln, Skeleton) ausgerechnet (Stand 15.02.2026, 23 Uhr, ohne Gewähr). Der Medaillenspiegel ohne Rodeln und Skeleton Nation Gold Silber Bronze Gesamt Norwegen 12 7 7 26 Italien 6 4 8 18 USA 5 8 3 16 Schweden 5 5 1 11 Niederlande 5 5 1 11 Frankreich 4 7 4 15 Schweiz 4 2 3 9 Japan 3 4 8 15 Österreich 3 3 2 8 Australien 3 1 1 5 Tschechien 2 2 0 4 Slowenien 2 1 1 4 Kanada 1 3 5 9 Südkorea 1 2 3 6 Deutschland 1 2 1 4 Großbritannien 1 0 0 1 Brasilien 1 0 0 1 Kasachstan 1 0 0 1 China 0 2 2 4 Polen 0 2 1 3 Neuseeland 0 1 1 2 Finnland 0 0 3 3 Bulgarien 0 0 2 2 Belgien 0 0 1 1 Lettland 0 0 1 1 Das Ergebnis: Ohne Rodeln und Skeleton wäre Deutschland nur auf Rang 15 im Medaillenspiegel, würde hinter kleineren Nationen wie Slowenien oder Tschechien stehen. Nun sind auch andere Nationen natürlich abhängig von einzelnen Wettbewerben. Sloweniens Bilanz sähe ohne das Skispringen anders aus, die Niederlande sind vor allem dank Eisschnelllauf und Shorttrack so stark und die Schweiz profitiert von einem starken Team im Ski alpin der Herren. Dennoch zeigt der Medaillenspiegel auf, dass die Wintersportnation Deutschland bisher an Stärke in der Breite eingebüßt hat. 2014 gab es beispielsweise zweimal Gold im Skispringen oder drei Medaillen in der Nordischen Kombination. Vier Jahre später waren es sogar vier Medaillen im Skispringen, fünf in der Nordischen Kombination und sieben im Biathlon. Der Negativtrend war aber bereits vor vier Jahren in Peking zu sehen. Zwei Medaillen holte Deutschland nur noch im Biathlon und in der Nordischen Kombination, drei im Skispringen. Aktuell sind es insgesamt zwei. In welchen Wettbewerben die Hoffnung groß ist Das kann sich aber noch ändern. Denn es gibt sechs offene Wettbewerbe, in denen die Bilanz aufgebessert werden kann. Gerade in den Staffeln hoffen die deutschen Biathleten noch auf Medaillen, dazu gilt Franziska Preuß im Massenstart als Kandidatin auf eine Medaille. Auch die Nordischen Kombinierer wollen es noch einmal wissen. Vinzenz Geiger will entweder im Einzel von der Großschanze oder im Team-Wettbewerb noch einmal triumphieren. Auch in anderen Sportarten außerhalb des Eiskanals sind noch Medaillen drin: Minerva-Fabienne Hase und Nikita Volodin sind im Eiskunstlauf nach dem Kurzprogramm am Sonntag auf Goldkurs, die Entscheidung fällt am Montagabend in der Kür. Dazu rechnen sich Florian Wilmsmann und Daniela Maier im Skiscross einige Medaillenchancen aus. Die wohl größte Medaillengarantie aber gibt es im Bobsport. Ob im Monobob der Frauen, im Zweierbob der Männer oder der Frauen oder im Viererbob der Männer – überall ist Deutschland Goldfavorit. Auf den Eiskanal ist eben Verlass.
