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USA-Tourismus: "Trump Slump" – darum reisen weniger Touristen in USA

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Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser, beginnen wir die heutige Ausgabe mit einer kurzen Ankündigung. Sie haben von mir an dieser Stelle schon länger nichts mehr gelesen, weil ich in den vergangenen Wochen mit einem nicht ganz unaufwendigen Umzug beschäftigt war. Der heutige Tagesanbruch ist jetzt der erste, den ich von meinem neuen Wohnort für Sie schreibe. Seit diesem Monat berichte ich für Sie nicht mehr aus Berlin , sondern aus der US-Metropole New York City. Falls Sie sich fragen, wie es hier gerade so ist, gibt es nun einen kurzen Überblick: Das Wetter? Bislang noch kälter als in Berlin, allerdings ohne Glatteis und tagsüber mit mehr Sonne. Die Preise? Genauso wie das Essen: Oft ziemlich gesalzen. Und die Anreise? Die war dagegen erstaunlich angenehm. Dass ich nach meinem Acht-Stunden-Flug nicht völlig gerädert ankam, hatte einen einfachen Grund: Ich hatte ziemlich viel Platz. Ausgebucht war die Maschine nämlich nicht. Noch am Gate hatte die Fluglinie mit vergünstigten Upgrades in die Businessklasse geworben. Dort waren noch einige Plätze frei. Den Impulskauf habe ich mir gespart. Trotzdem hatte ich in der Holzklasse im Flieger links und rechts neben mir keinen Sitznachbarn. So konnte ich mich selbst und den Inhalt meines Rucksacks sehr gut ausbreiten. Zunächst dachte ich an einen Zufall. So eine Reise Ende Januar ins klirrend kalte New York muss man auch wollen. Doch nachdem ich mir einige Statistiken angesehen habe, glaube ich, dass hinter der niedrigen Zahl an Fluggästen etwas mehr stecken könnte. In verschiedenen Medien ist hier vom "Trump Slump" die Rede, auf Deutsch: dem "Trump-Einbruch". Die sinkenden Tourismuszahlen sind nur eine Auswirkung von Donald Trumps immer stärkerer Abschottungspolitik. Die US-Regierung versucht nicht nur, möglichst viele Menschen abzuschieben, sie schränkt auch auf verschiedenen Wegen die Einreisen immer stärker ein. Damit rüttelt Trump an der Identität des Landes als Einwanderungsstaat – und das in einem Jahr, in dem die USA eigentlich ein guter Gastgeber sein wollen. Im ersten Jahr unter Trump gingen die Besucherzahlen in den USA um 4,2 Prozent zurück. Das meldete jüngst die International Trade Administration, die zum US-Handelsministerium gehört. Es war der erste Rückgang seit dem Ende der Corona-Pandemie. Das bedeutet elf Millionen Touristen weniger als im Vorjahr und damit einen Verlust von 50 Milliarden Dollar. Die Entwicklung klingt noch drastischer, wenn man die Gesamtentwicklung in der Reisebranche betrachtet. Laut Zahlen der UN stieg im vergangenen Jahr weltweit die Zahl der Reisen um vier Prozent. Die USA sind damit gegen den Trend eines der Länder, die in den vergangenen zwölf Monaten einen Rückgang meldeten. Einen besonders einladenden Eindruck machen die USA derzeit nicht. Insgesamt gelten aktuell etwa für 39 Länder Einreiseverbote . Dazu gehören der Iran, Afghanistan, Venezuela oder Syrien, aber auch ein Großteil der Staaten in Zentralafrika. Für 75 Länder hat das US-Außenministerium vor wenigen Wochen die Bearbeitung aller Visa ausgesetzt. Zudem setzt die Behörde ICE weiter in den USA ihre Jagd auf Menschen mit Migrationshintergrund fort, um die Zahl der Abschiebungen zu erhöhen. Falls Sie dennoch planen, demnächst hier Urlaub zu machen, müssen Sie in Zukunft vermutlich auch mehr persönliche Daten angeben. Entsprechende Vorschläge hat das US-Heimatschutzministerium vorgelegt. Wenn Sie vor Ihrer Reise einen Antrag für eine Esta-Genehmigung (Electronic System for Travel Authorization) stellen, der für Touristen verpflichtend ist, könnten künftig Angaben über Ihre Social-Media-Aktivitäten, Ihre zuletzt genutzten E-Mail-Adressen, Telefonnummern und Adressen notwendig sein. Noch sind die Bestimmungen nicht in Kraft. Auch wie weit die Regelungen genau verschärft werden, ist bislang unklar. Ein Sprecher des Auswärtigen Amts sagte dazu am Montag, man beobachte die Entwicklungen zu diesem Thema "sehr aufmerksam" . Einer Schule in Baden-Württemberg waren allerdings schon die Drohungen zu viel : Sie sagte jüngst etwa eine Austauschreise ab, weil sie den Schülern die potenziell verschärften Einreisebestimmungen nicht zumuten wollte. Donald Trump wird das sicherlich wenig beeindrucken. Allerdings würde sich der ehemalige Hotelfachmann wohl freuen, wenn etwas mehr Menschen einreisen würden. Denn die USA haben in diesem Jahr viel vor: 2026 feiern sie ihren 250. Geburtstag – und richten im Sommer gemeinsam mit Kanada und Mexiko die bislang größte Fußball-Weltmeisterschaft aus. Schlechte Besucherzahlen können dem US-Präsidenten, der von sich und seinen Leistungen meist in den allerhöchsten Tönen spricht, eigentlich nicht gefallen. Der Fairness halber sei allerdings gesagt: Das Interesse an der Fußball-WM ist bislang riesengroß. Der Weltverband Fifa hatte Mitte Januar davon gesprochen, dass bislang 500 Millionen Ticketanfragen eingegangen seien. Das größte Interesse kam natürlich aus den drei Gastgeberländern, dahinter folgte schon Deutschland. Für das Turnier macht die US-Regierung bei den Einreisen immerhin eine Ausnahme. Teams aus dem Iran, Haiti, dem Senegal oder der Elfenbeinküste hätten sonst an der WM überhaupt nicht teilnehmen können. Für die Fans dieser Mannschaften gilt das allerdings nicht: Sie werden auch während des Turniers nicht in die USA fliegen können. Wer im Land ist, sollte sich auch an die Bestimmungen halten. Natürlich sei jeder willkommen, sagte Vizepräsident JD Vance dazu im vergangenen Mai. Aber: "Wenn die Zeit vorbei ist, sollen sie wieder gehen – ansonsten müssen sie mit Ministerin Noem sprechen." Gemeint ist damit die Heimatschutzministerin Kristi Noem , die unter anderem für die Behörde ICE verantwortlich ist. Ob und wie die Agenten von ICE bei der WM in Erscheinung treten, hat die Trump-Regierung bislang offengelassen. Der Chef der Behörde, Todd Lyons, sagte am Dienstag lediglich, dass ICE ein "wichtiger Bestandteil" der Sicherheitsmaßnahmen bei der WM sein werde. Die jüngsten Vorfälle in Minneapolis haben allerdings gezeigt, dass die Mehrheit der Amerikaner einen überharten Kurs von Trump und ICE nicht billigt. Sollte der US-Präsident auch im Sommer durch ähnliche Einsätze und Bilder von harten Abschiebungsmaßnahmen Schlagzeilen machen, würde das dem Ansehen der USA wohl weiter schaden. "Präsident Trumps Vorgehen verhöhnt einmal mehr die Gründungsprinzipien unserer Nation und verankert Grausamkeit in unserem Einwanderungssystem", hieß es schon in einem offenen Brief von 70 demokratischen Abgeordneten im vergangenen Sommer . Seitdem wurden die Bestimmungen nicht gelockert, sondern weiter verschärft. Falls Sie sich jetzt fragen, wie eigentlich meine Einreise verlief, kann ich nur sagen: glücklicherweise alles sehr unproblematisch. Allerdings hat die Trump-Regierung bereits gedroht, die Gültigkeitsdauer der Visa für Journalisten drastisch verkürzen zu wollen Umfrage Ohrenschmaus Wenn wir schon bei New York sind: Es gibt viele Lieder über die Stadt, aber keines mag ich lieber als dieses . Streik Die Flugzeuge bleiben am Boden Kommen wir noch einmal kurz auf das Thema Reisen zurück: Aufgrund eines Streiks von Piloten und Kabinenpersonal werden heute zahlreiche Flieger in Deutschland nicht abheben können. Die Gewerkschaften Vereinigung Cockpit und Ufo hatten zuvor zu ganztägigen Streiks für den heutigen Donnerstag aufgerufen. Die Lufthansa konnte gestern noch nicht genau absehen, wie viele Flüge tatsächlich ausfallen werden. Offiziell streiken die rund 4.800 Piloten für höhere Arbeitgeberbeiträge zu den Betriebs- und Übergangsrenten. Die Kabinengewerkschaft Ufo will für ihre knapp 20.000 Beschäftigten Verhandlungen zu Tarifverträgen bei der Kerngesellschaft Lufthansa und der Regionaltochter Cityline erzwingen. Die Fluglinie zeigte sich vor dem Streik wenig gesprächsbereit. Personalvorstand Michael Niggemann sprach zuletzt von einer "völlig unnötigen Eskalation". Zudem habe die Fluglinie aktuell keinen finanziellen Spielraum, um die Forderungen zu erfüllen. Sollten Sie heute eine Flugreise geplant haben, könnte es also eng werden. Falls Sie sich jetzt fragen sollten, welche Rechte Sie als betroffener Fluggast haben: Hier haben wir einen Überblick für Sie . Olympia Die Medaillenjagd geht weiter Bei den Olympischen Winterspielen in Italien hat Deutschland heute mehrere Chancen auf Medaillen: Am Morgen (11.30 Uhr) macht sich Skifahrerin Emma Aicher Hoffnungen auf einen Platz auf dem Treppchen beim Super-G . Am Abend (18.30 Uhr) rechnen sich die Rodler beim Mixed-Wettbewerb ebenfalls Chancen auf eine Medaille aus. Zudem startet für die Eishockey -Nationalmannschaft der Männer heute Abend das Turnier: Um 21.10 Uhr trifft das DEB-Team auf Dänemark. Lesetipps Rüdiger Lucassen war nicht nur gestern zu Gast bei Markus Lanz, er ist auch als einer von nur drei AfD-Politikern zur Münchner Sicherheitskonferenz eingeladen. Meine Kollegin Annika Leister hat ihn getroffen. Artikel lesen Die Deutschen arbeiten zu wenig und sind zu viel krank, so die Analyse von Spitzenpolitikern und Wirtschaftsvertretern. Ein Arbeitszeitforscher hat dem im Interview mit meinem Kollegen Julius Zielezinski widersprochen. Artikel lesen An diesem Donnerstag beginnt im Rheinland der Straßenkarneval. Reporter Philip Buchen hat die Karnevalssitzung im Frauengefängnis besucht – und große Emotionen erlebt. Artikel lesen Donald Trumps Drohungen in Richtung Grönland sind auch bei den Olympischen Spielen ein Thema. Denn ein Geschwisterpaar von der größten Insel der Welt ist dabei, berichtet mein Kollege Benjamin Zurmühl. Artikel lesen Die Söder-Tochter Gloria-Sophie Burkandt und der Ex-Google-Chef Eric Schmidt machen mit ihrer ungewöhnlichen Liaison Schlagzeilen. Die beiden können viel voneinander lernen, meint Kolumnistin Nicole Diekmann. Artikel lesen Zum Schluss Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Donnerstag. Herzliche Grüße Ihr David Schafbuch Korrespondent in New York Mit Material von dpa.