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Philipp Raimund: Olympia-Sieger ist "geisteskrank stolz"

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Philipp Raimund musste lange auf seinen ersten Sieg warten, doch nun hat er seinen Traum bei Olympia wahr gemacht. Sein Weg ist einzigartig und löst bei Kollegen Schwärmen aus. Aus Predazzo berichtet Melanie Muschong Als Philipp Raimund am Montagabend nach der Landung im Auslauf ankam, ballte er die Fäuste und strahlte über das ganze Gesicht. Der DSV-Adler wusste, dass er abgeliefert hatte – und wie. Der 25-Jährige kürte sich in Predazzo von der Normalschanze zum Olympiasieger . Und das, obwohl er zuvor noch keinen Weltcupsieg einfahren konnte. Gold sicherte er sich vor den Augen seiner Familie: Seine Mutter, sein jüngerer und sein älterer Bruder jubelten von der Tribüne aus und lagen sich in den Armen, während Raimund seine Freude, Erleichterung und Dankbarkeit in den Nachthimmel schrie. Bundestrainer Stefan Horngacher war sichtlich ergriffen, als er in die Mixed Zone kam. Auf die t-online-Frage, was ihm im Gold-Moment durch den Kopf gegangen sei, sagte er fast schon überfordert: "Das weiß ich nicht mehr." Dann schwärmte er von Raimund: "Er hat es wirklich super gemacht. Die ganzen Tage hat er sich super vorbereitet. Er ist extrem fokussiert geblieben. Er hat sich voll auf die Technik konzentriert. Er hat alle Parameter, die man braucht, um so was zu gewinnen, eingehalten. Er hat verdient gewonnen." Olympia 2026: Anni Friesinger-Postma – "Nicht mehr gleichen Stellenwert" Bronze in Predazzo: Skispringer geht Medaillenwette ein – und muss sie nun einlösen "Eines der schönsten Geschenke, die mir Philipp gemacht hat" Dann fügte der Bundestrainer, der nach dieser Saison aufhört, emotional an: "Für mich zum Abschluss eines der schönsten Geschenke, die mir der Philipp hier gemacht hat." An einem Ort, der auch für Horngacher eine besondere Bedeutung hat. Der Österreicher hat als Skispringer in Val di Fiemme 1991 WM-Gold gewonnen und sein Schützling nun 35 Jahre später Olympia-Gold. Raimund selbst sagte am späten Abend überglücklich: "Ich bin mega stolz drauf. Ich hätte niemals gedacht, dass es dafür reichen könnte. Dass ich mit Gold hier sitzen darf, ist unbeschreiblich." Er könne es bislang nicht fassen. "Ich hoffe, dass ich morgen nicht aufwache und die Medaille ist nicht mehr da und es war alles nur ein Traum. Aber nichtsdestotrotz, ich bin heute geisteskrank stolz auf mich. Ich bin so stolz, dass ich das hinbekommen habe." Viele deutsche Athleten als Unterstützung für "Hille" Mehrere deutsche Athleten haben den spektakulären Sieg des DSV-Adlers live miterlebt. Bereits im ersten Lauf wurde er unter anderem von Skispringerin und Fahnenträgerin Katharina Schmid , Bob-Anschieber Joshua Tasche, Skisprung-Ass Selina Freitag und Langläuferin Coletta Rydzek angefeuert. Als Raimund sich energisch vom Schanzentisch entfernte, unterstützten ihn die Team-D-Sportler lautstark. Sie jubelten über das Ergebnis von 102 Metern bei schlechten Windverhältnissen. Auch den zweiten Durchgang meisterte Raimund mit Bravour, auch hier hielt er dem Druck stand. 106,5 Meter reichten für olympisches Gold. Auch, weil favorisierte Leistungsträger wie der Slowene Domen Prevc oder der Norweger Marius Lindvik , der noch im Training eine Topform präsentierte, bereits nach dem ersten Durchgang zu weit von den Medaillenplätzen entfernt waren. Sie steigerten sich zwar beide im zweiten Durchgang, doch es reichte nicht für Edelmetall. Dafür sicherte sich der Pole Kacper Tomasiak den zweiten Platz. Ein geteilter dritter Rang ging an den Japaner Ren Nikaidō sowie den Schweizer Gregor Deschwanden. Wellinger über Raimund: "Das musst du erst mal machen" Alle drei freuten sich mit Raimund und schüttelten ihm die Hand, als dieser um 21.23 Uhr die oberste Stufe des Podiums bei der Siegerehrung erklomm und einen euphorischen Sprung gen Himmel machte. Dann schaute er auf seine Medaille und schüttelte leicht den Kopf. Im Hintergrund schallte es "Philipp, Philipp" von den deutschen Athleten dazu. In der Mixed Zone sagte Raimund t-online, er habe nur "Jaaa! Jaaa!" gedacht, als er auf der Anzeigetafel als Sieger erschien. Raimund betonte, dass er es dank seiner Familie und seiner Freundin geschafft habe, seine Energie zu bündeln. Auch die Trainer und Teammitarbeiter hätten dazu beigetragen, dass er sich fokussieren konnte. "Die wussten genau: Wenn ich ruhig bin, wenn ich locker bin, dann funktioniert das Ding", so der Sieger weiter. "Letztlich hat es mit denen zusammen zum Erfolg geführt." Einer, der genau wusste, was in Raimund vor sich ging, war Andreas Wellinger . Der Olympiasieger von 2018 sagte über "Hille", so Raimunds Spitzname, zu t-online: "Er hat beide Sprünge mit einer sauberen Landung runtergesetzt. Dass er den Sprung im Zweiten auch so herunterbringt, das musst du erst mal machen. Ich habe in der Kabine schon gemerkt, dass er deutlich angespannter ist als sonst." "Es ist echt ein Traum" Wellinger führte aus: "Es ist echt ein Traum, was er heute abgeliefert hat. Das hat er sich die letzten Tage hier auf der Schanze erarbeitet, aber auch vor allem die letzten Monate. Er hat das nicht durch Zufall in den Schoß gelegt gekriegt." Zudem hob Wellinger die Besonderheit von Olympia hervor: "Es ist was, was in deinem Leben nicht so oft passiert. Und wenn es passiert, egal, wie gut du dich darauf vorbereitet hast oder glaubst, du bist der Beste, es überkommt dich trotzdem. Das merkt man ihm an." Es würde dauern, bis Raimund das komplett verarbeitet habe. Auch Teamkollege Pius Paschke fand lobende Worte. Er sagte zu t-online: "Wir freuen uns extrem für ihn, weil es brutal Druck herausnimmt, wenn man im ersten Wettkampf gleich Gold gewinnen kann. Dann ist das der Wahnsinn. Er hat es extrem cool gemacht. Er war sehr klar in dem, was er machen will. Man spricht immer so schön vom Flow im Skispringen , und da war er drin." Den "Flow" kann er nun auch direkt mit in den nächsten Wettkampf nehmen: das Mixed-Team am Dienstag. Das bezeichnete Raimund selbst als "ziemlich geil". Er hofft darauf, seinem Team auch dort helfen zu können. Deswegen verzichtete er auch auf eine große Feier am Montagabend. "Vielleicht gibt es noch das eine oder andere Bierchen, aber morgen ist ja noch mal Mixed-Team. Da schaue ich auch, dass ich komplett ready bin." Es sind die Worte eines Olympiasiegers, der selbst im Moment seines größten Triumphs den Fokus nicht verliert.