Handball-EM 2026: DHB-Team will gegen Dänemark dunkle Erinnerung überwinden
Im Finale der Handball-Europameisterschaft trifft Deutschland einmal mehr auf Dänemark. Dabei wollen die Deutschen eine herbe Klatsche wiedergutmachen. Aus Herning berichtet Nils Kögler Wenn am Sonntag (ab 18 Uhr im Liveticker bei t-online) die deutsche Nationalmannschaft im Finale der Handball-Europameisterschaft auf Dänemark trifft, gilt es für beide Nationen, eine Durststrecke zu beenden. Die DHB-Auswahl um Bundestrainer Alfred Gíslason will endlich den ersten Titel seit der EM vor genau zehn Jahren einfahren und gleichzeitig das ebenso lange Warten auf einen Sieg gegen die Übermacht aus Dänemark beenden. Die Dänen auf der anderen Seite wollen vor ihrer Heimkulisse in der Jyske Bank Boxen von Herning endlich den ersten EM-Titel seit 14 Jahren einfahren. Damit würden sie gleichzeitig auch ein seltenes Titel-Triple vollenden, denn die Weltmeisterschaft und Olympia-Gold halten die Nordeuropäer bereits. Die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Paris 2024 ist dabei auch ein Stachel im Fleisch der deutschen Mannschaft. Im damaligen Finale spielten die Dänen der DHB-Auswahl nämlich übel mit. Das Spiel war im Prinzip nach wenigen Minuten entschieden. Beim erneuten Aufeinandertreffen bei dem Finale am Sonntag will Deutschland diese dunklen Wolken vertreiben. "Ich war so sauer" Mit 26:39 hatte Deutschland das Olympia-Finale in Lille mehr als deutlich verloren. Schon nach wenigen Minuten war Dänemark davongezogen. Der Traum von Gold war früh begraben. "Für mich war das Spiel in Lille extrem bitter", gab Bundestrainer Gíslason nach dem erneuten Finaleinzug der Handballer zu. "Ich war so sauer, weil die Jungs nach einer Viertelstunde abgeschenkt haben und gesagt haben: Silber ist auch nicht schlecht", so Gíslason weiter. Während die Mannschaft nach dem Finale zum Feiern nach Paris gefahren sei, "bin ich direkt abgehauen nach Deutschland, weil ich so enttäuscht war davon, wie wir gespielt haben", erinnerte sich Gíslason. An ein ähnliches Szenario glaubt der 66-jährige Isländer im EM-Finale am Sonntag nicht. Zwar wisse man, dass man im Endspiel nicht der Favorit sei, aber: "Dieses Turnier hat sehr viel Selbstvertrauen für die Truppe gebracht." Die Mannschaft habe einige Schritte nach vorn gemacht. "Diese Schwankungen, die bei uns zu viele waren, sind weniger geworden." Auch die vielen jungen Akteure "zeigen, dass sie abgezockte Spieler sind und das freut mich riesig", so Gíslason weiter. "Ich bin ganz sicher, der Hunger, sich gut zu präsentieren, ist da." Auch Spielmacher Juri Knorr glaubt nicht an eine Wiederholung des Olympia-Finales. "Es ist ein anderes Gefühl als in Paris", sagte er. "In Paris sind wir uns nach dem Halbfinale einfach in die Arme gefallen und haben geschrien: Wir haben eine Medaille. Da haben wir vielleicht ein bisschen abgeschaltet, haben uns nur auf das Momentum verlassen", so Knorr weiter. Bei der EM sei das nun ganz anders. "Deshalb glaube ich, dass wir bereiter sind für dieses Spiel da am Sonntag." Natürlich sei man gegen Dänemark der Außenseiter, stellte Knorr fest, brachte die Herangehensweise dann aber auf eine simple Formel. "Am Ende ist es nur ein Handballspiel und es sind nur ein paar Jungs, die sehr gut Handball spielen können", sagte er über Dänemark und fügte dann vielsagend an: "Aber wir haben auch viele, die gut Handball spielen können." Dänemark hatte schon Probleme Der deutschen Mannschaft dürfte Hoffnung machen, dass die sonst so übermächtigen Dänen in diesem Turnier durchaus schon gewackelt haben. In der Vorrunde gegen Portugal setzte es eine völlig überraschende Niederlage, und auch im Halbfinale konnten die Isländer den Gastgebern über weite Strecken Gegenwehr leisten, sie mussten sich am Ende nur mit drei Toren geschlagen geben. Was beide Mannschaften einte: Sie schafften es, eine physisch robuste Defensive zu stellen. Genau darin lag im bisherigen Turnierverlauf auch die Stärke des deutschen Teams. So konnte die DHB-Auswahl auch das Hauptrundenspiel gegen Dänemark lange Zeit eng gestalten, sie lag zur Pause nur mit einem Treffer zurück. In der zweiten Halbzeit brachte schließlich nur eine doppelte Unterzahl die Wende, und die Dänen zogen davon. "Wir können über 60 Minuten alles geben" "Unsere Abwehrarbeit ist enorm", sagte deshalb auch Kreisläufer Jannik Kohlbacher über die Hoffnung für das Finale. Zudem stehe Andreas Wolff im Tor dem dänischen Weltklasse-Keeper Emil Nielsen in nichts nach. "Wir haben unser Angriffsspiel nochmal verbessert, wo es über das Turnier etwas gehakt hat. Wir haben im Vergleich zu den anderen Turnieren eine größere Breite und haben mehr Spieler entlasten können. Wir können über 60 Minuten alles geben", kündigte Kohlbacher an. Gerade im Angriff könnten Deutschland vor allem die Personalsorgen der Dänen helfen. Mit Emil Bergholt und Lukas Jörgensen fallen gleich zwei Kreisläufer sicher aus, Simon Hald zog sich im Halbfinale eine Kopfverletzung zu und ist für das Finale ebenfalls fraglich. Mit Magnus Saugstrup könnte Trainer Nicolaj Jacobsen also nur einen Kreisläufer im Finale zur Verfügung haben. Der Innenblock der Dänen dürfte dadurch geschwächt sein. Eine Achillesferse, die die Deutschen mit ihren Kreisläufern Johannes Golla und Justus Fischer, die ein starkes Turnier spielen, sowie Kohlbacher, der als einer der besten Offensiv-Kreisläufer der Bundesliga gilt, gut attackieren könnten. Bleibt die Defensive dieses Mal von zu vielen Strafen verschont und hält über 60 Minuten, könnte sich also tatsächlich ein knappes Duell anbahnen. Genau das ist der Masterplan, wenn es nach dem Linksaußen Rune Dahmke geht. "Es muss unsere Marschroute sein, es so lange wie möglich knappzuhalten", sagte er. "Dann sind wir mehr daran gewöhnt, knappe Spiele zu bestreiten in den letzten fünf bis zehn Minuten, als es die Dänen sind. Das ist unsere Hoffnung", so der Europameister von 2016. Wie auch immer das Endspiel am Ende ausgehen sollte: Schon jetzt ist das Turnier angesichts der überstandenen harten Auslosung inklusive einer Hauptrundengruppe mit Dänemark und Titelverteidiger Frankreich ein Erfolg. Hätte man ihnen vor dem Turnier gesagt, dass es auf jeden Fall die Silbermedaille werde, scherzte Gíslason, "dann wären wir alle zusammen ziemlich betrunken gewesen." Auch Knorr sagte: "Es ist verrückt, wie wir jetzt dastehen, wenn man vor dem Turnier draufgeschaut hat. Wir sind dankbar für den Moment, dass wir das geschafft haben." Mit Silber zufriedengeben, wie bei Olympia , wollen sich aber beide nicht. "Jetzt wollen wir ein besseres Finale spielen als letztes Mal", sagte Knorr und Gíslason betonte: "Noch haben wir die Chance auf Gold."
