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Январь
2026

Hallenbäder: Vielerorts Eintrittspreise erhöht - Probleme bleiben

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Durch die Decke gegangene Energiepreise, höhere Lohnkosten - das hat Thüringens Hallenbäder stark unter Druck gesetzt. Die Initiative "Bäder in Not" hofft, dass es 2026 nicht zu Schließungen kommt.

Bei Hallen- und Freizeitbäder sind in Thüringen aktuell fast überall die Eintrittspreise gestiegen. "Wir gehen davon aus, dass nahezu alle Bäder ihre Preise in den vergangenen zwei Jahren moderat angehoben haben", teilte Rainer Engelhardt von der Thüringer Bäder-Initiative "Bäder in Not" mit. Zwischen 2009 und 2023 sei der durchschnittliche Eintrittspreis für Erwachsene in den Thüringer Bädern von 3,64 auf 5,08 Euro angestiegen. 

Mit den Erhöhungen sollten die Preissteigerungen für Energie, Personal und Dienstleistungen in den vergangenen Jahren zumindest ansatzweise aufgefangen werden. Eine Kostendeckung sei auf diesem Wege jedoch nicht möglich, so Engelhardt. 

"Das grundlegende Dilemma der kommunalen Bäder besteht darin, dass sie weder kostendeckende Preise nehmen können noch wollen." Bei allen Einrichtungen sei die wirtschaftliche Lage angespannt, in allen werde jedes Jahr ein Verlust eingefahren. Viele Kommunen seien nur noch unter größten Anstrengungen und durch Zurückstellung anderer Aufgaben in der Lage, die Verluste auszugleichen.

Existenzsorgen im Freizeitbad in Schmölln

Ein Beispiel sei etwa das Hallenbad Tatami in Schmölln. "Das Bad hat die Preise 2025 deutlich erhöht, musste aber dennoch um die Existenz bangen", so Engelhardt. Wenngleich das Bad laut eines Konzepts der Stadtverwaltung im Bundesvergleich überdurchschnittlich effizient sei, seien allein im Personalbereich die Kosten seit 2017 um 224 Prozent gestiegen und das Defizit dadurch dauerhaft auf rund 1 bis 1,2 Millionen Euro angewachsen. 

Im Geraer Hofwiesenbad musste die Stadt nach eigenen Angaben fast 3,5 Millionen Euro der rund 4 Millionen Euro teuren Sanierung selbst übernehmen.

Engelhardt zufolge gibt es in Thüringen aktuell 40 Hallenbäder. Endgültige Schließungen seien bisher die Ausnahme gewesen. Dicht machte etwa das 2024 im Zuge eines Insolvenzverfahrens um die dortigen Stadtwerke geschlossene Freizeitbad Waikiki in Zeulenroda-Triebes, es wird nach aktuellem Stand nicht wieder öffnen. 

Geschlossen sind derzeit auch zwei Thermalbäder in Kurorten. In Bad Colberg ist die Neueröffnung im Laufe dieses Jahres geplant. Das Badehaus Masserberg ist dagegen bereits seit rund zehn Jahren für Sanierungen geschlossen, die Wiedereröffnung hatte sich mehrfach verzögert.

In Jena startet im Juni die Sanierung des Freizeitbades "Galaxsea", bei der vor allem die Energie- und Gebäudetechnik modernisiert werden soll. Das Investitionsvolumen liegt nach Angaben der Stadtwerke Jena bei rund 24,4 Millionen Euro.

Zusätzliche Mittel für Bäder im Landeshaushalt

Das Land hat der Staatskanzlei zufolge im Doppelhaushalt 2026/27 insgesamt rund 14 Millionen Euro zusätzlich für den Erhalt der Bäder eingestellt. Vor allem in kleineren Kommunen wären aufgrund der angespannten Wirtschaftslage ohne diese Mittel Bäderschließungen teils unvermeidlich gewesen, so Engelhardt. "Damit besteht die berechtigte Hoffnung, dass es im Jahr 2026 zu keinen Badschließungen in Thüringen kommt." Entwarnung gebe es deshalb aber nicht: Das Grundproblem der strukturellen Unterfinanzierung sei nicht gelöst. 

Wichtig nicht nur für Schwimmunterricht

Die gesellschaftliche Bedeutung der Bäder wird indessen von mehreren Seiten betont: So hatten sich unter anderem die Industrie- und Handelskammer Südthüringen, die Krankenkasse Barmer, der Thüringer Landessportbund sowie der Thüringer Schwimmverband, die Deutsche Lebensrettungsgesellschaft und die DRK-Wasserwacht für den Erhalt der Bäder ausgesprochen. 

Sie verwiesen neben dem Schwimmunterricht auch auf die Bedeutung der Einrichtungen für Sport, Gesundheit, Vereinsleben, Freizeit und Tourismus. Bis Ende des Jahres will die Landesregierung eine bis zum Jahr 2040 reichende Bäderkonzeption vorlegen.