EU-Handelspakt mit Indien: Endlich – sie zeigen Trump die kalte Schulter
Während Trump Zölle erhebt und China sich abschottet, geht Europa einen anderen Weg: Das Freihandelsabkommen ist die richtige, strategische Antwort auf die neue Weltunordnung. Europa kann auch gute Nachrichten. Nach fast zwei Jahrzehnten Verhandlungen haben sich die EU und Indien auf ein umfassendes Freihandelsabkommen geeinigt. Endlich! In Zeiten globaler Abschottung, in denen Donald Trump mit neuer Wucht Zölle hochzieht und China seine Märkte abschirmt, setzt Europa ein längst überfälliges Zeichen: Kooperation statt Konfrontation. Freihandel statt Protektionismus. Verständigung statt Wirtschaftskrieg. Was nach technokratischem Vertragswerk klingt, ist in Wahrheit ein geopolitischer Paukenschlag. Zwei der größten Demokratien der Welt – zusammen fast zwei Milliarden Menschen – schaffen eine gemeinsame Wirtschaftszone. Europa kann Machtpolitik Die EU sichert sich damit Zugang zu einem der am schnellsten wachsenden Märkte der Welt – und reduziert zugleich ihre Abhängigkeit von autokratischen Regimen. Und Indien? Reduziert Zölle von bis zu 110 Prozent auf europäische Autos, Maschinen, Medikamente. Die deutsche Industrie reibt sich bereits die Hände. Der EU-Handelspakt mit Indien wird wahrscheinlich trotzdem nicht perfekt sein. Aber er ist alternativlos. Denn er ist nicht nur ein wirtschaftliches, sondern vor allem auch ein strategisches Projekt: eine Absage an Trumps nationalistisches Wirtschaftsdenken. Er isoliert den US-Präsidenten, der glaubt, mit Strafzöllen Machtpolitik betreiben zu können. Und er zeigt: Europa kann geopolitisch denken – wenn es will. Es kann nicht nur Handels-, sondern auch Machtpolitik. Sie dürfen sich nicht erneut ein Bein stellen Doch die Arbeit ist damit noch längst nicht getan. Der Text muss nun noch vom Europäischen Rat und dem EU-Parlament gebilligt werden. Und genau da liegt die Gefahr. Die Erinnerung an das Mercosur-Abkommen ist noch frisch: Auch dort schien nach mehr als 25 Jahren Verhandlungen endlich alles klar, doch dann kam erneut politischer Gegenwind. Die grüne Fraktion initiierte eine rechtliche Prüfung und verzögert damit das Abkommen weiter. Klar. Nicht überall in Europa wird gejubelt werden. Kritiker warnen vor einem Wettlauf nach unten bei Umwelt-, Sozial- und Produktionsstandards. Die EU verspricht zwar, sensible Agrarsektoren auszuklammern und hohe Sicherheitsstandards zu wahren – doch viele erinnern sich an ähnliche Zusicherungen beim Mercosur-Abkommen, um das auch deshalb so lange gerungen wurde. Die Sorge: Indische Unternehmen könnten mit billigeren, weniger nachhaltig produzierten Waren den europäischen Markt unter Druck setzen. Auch Fragen nach Arbeitsrechten und Indiens demokratischer Verlässlichkeit werden in Brüssel leiser, aber hörbar gestellt. Beim Indien-Deal drohen also ähnliche Debatten wie beim Mercosur-Abkommen. Die Bedenken müssen ernst genommen werden, dürfen aber nicht mit einem prinzipiellen Nein zum Freihandel enden. Wer sich abschottet, macht sich klein. Nur wer kooperiert, gestaltet. Und das ist für die Europäische Union mit Blick auf die Großmachtpolitik in Washington und Peking notwendiger denn je. Deshalb darf Brüssel jetzt nicht einknicken. Dieses Abkommen ist mehr als nur ein Handelsvertrag. Es ist ein politisches Signal – an Trump, an China und an all jene, die glauben, Abschottung sei die Antwort auf eine komplexe Welt. Europa muss jetzt liefern. Sonst stellt es sich – wieder einmal – selbst ein Bein.
