Hertha BSC: Auch Fanhilfe von Schalke 04 äußert massive Polizei-Kritik
Beim Topspiel im Berliner Olympiastadion geraten Heimfans und Polizei aneinander. Doch mittlerweile gibt es auch Vorwürfe aus dem Schalke-Lager. Noch bevor das Topspiel der 2. Bundesliga zwischen Hertha BSC und Schalke 04 am Samstag richtig losging, gab es den ersten Aufreger: eine Auseinandersetzung zwischen der aktiven Hertha-Fanszene und der Polizei. Nachdem die Anhänger in der Anfangsviertelstunde den noch vor zwei Jahren gestorbenen Hertha-Präsidenten Kay Bernstein geehrt hatten, verließen große Teile von ihnen aus Protest die Ostkurve. Im Anschluss an die Partie beschuldigten sich beide Seiten, die Eskalation provoziert zu haben. Nun sind weitere Anschuldigungen geäußert worden, allerdings weder von der Polizei noch von den Hertha-Fans. Vielmehr haben offenbar auch die Unterstützer des Auswärtsteams von Schalke 04 schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht. In einem Statement der "Königsblauen Hilfe", der Schalker-Fanhilfe, heißt es, dass es im gesamten Verlauf des Samstags "zu auffällig aggressivem Verhalten der Berliner Polizeikräfte gegen Fans beider Vereine" gekommen sei. Neue Vorwürfe auch von Schalke-Fans Die "Königsblaue Hilfe" berichtete, dass es im Auswärtsbereich wiederholt zu Fehlverhalten der Polizei gekommen sei. "Bereits am Einlass und während des Spiels trat die Polizei im Gästebereich provokant auf und versuchte, eine Eskalation herbeizuführen." Demnach soll sich die Polizei "immer wieder [...] stoßend und schubsend Platz durch die Fans gebahnt" haben. Dazu seien verbale Ausfälle gekommen. Den negativen Höhepunkt habe es laut der Fanhilfe bei der Abreise gegeben: "Ohne erkennbaren Grund stürmte eine große Anzahl Polizeibeamter in die friedlich abreisende Menschenmenge und drängte Teile dieser in Richtung des Treppenabgangs." Hierbei sei bewusst in Kauf genommen worden, dass die Fans die Treppenstufen hinunterstürzten. Ähnliche Vorfälle hätten sich auf dem Vorplatz des Treppenbereichs wiederholt. Dort sei "gewaltsam vorgegangen" worden. Zum Abschluss seien die Beamten in kürzester Zeit abgezogen. Aus Sicht der Fanhilfe zeuge das von "einer ziellosen und rein auf Ärger und Übergriffe ausgelegten Einsatztaktik". Die Berliner Polizei nahm gegenüber t-online Stellung zu den Vorwürfen. Ganz grundsätzlich stellte sie fest, dass sie als "neutraler Garant der öffentlichen Sicherheit und Ordnung" agiere und der Lage entsprechende Eingriffe vornehme. "Eine polizeiliche Provokation sowie das dargestellte Vorgehen der Polizeieinsatzkräfte im Gästebereich" sei der Einsatzleitung nicht bekannt geworden. Auch auf die geschilderte Eskalation während der Abreise der Schalke-Fans reagierte die Polizei. Hierbei fehle eine zeitliche Zuordnung. Außerdem lasse sich "die Örtlichkeit 'Vorplatz des Treppenbereiches'" keinem Ereignis "zweifelsfrei zuordnen". Mittlerweile gab es auch ein Gespräch zwischen dem Zweitligisten, Berlins Innensenatorin Iris Spranger (SPD) und der Berliner Polizei. Alle Seiten sprachen von guten, konstruktiven Gesprächen und zogen "ein positives Fazit". Spranger betonte, dass es für sie wichtig sei, dass in Berlin keine rechtsfreien Räume entstünden und Gewalt gegen Einsatzkräfte nicht hingenommen werde. Gespräche zwischen Hertha und der Polizei sollen fortgesetzt werden Hertha wiederum betonte, dass das gemeinsame Ziel ein "gewaltfreies und sicheres Stadionerlebnis" sei. Der Klub kündigte außerdem an, dass der Dialog und die Gespräche fortgesetzt werden. Insgesamt soll es am Samstag über 50 verletzte Fans und Polizisten gegeben haben. Die Berliner Fanhilfe sprach davon, dass sich die Polizei bereits beim Einlass nicht an die Absprachen mit dem Verein gehalten habe. Zusätzlich soll es zu einer Festnahme ohne ersichtlichen Grund gekommen sein. Danach sei das Geschehen in den Eingang der Ostkurve verlagert worden. "Gegen die im Vorbereich wartenden Fans wurde anlasslos massive Gewalt ausgeübt, samt großflächigem Einsatz von Pfefferspray", hieß es in dem Schreiben der Fanhilfe. Forderung nach Krisengespräch: Hertha BSC kritisiert Polizei nach Gewalt-Eklat scharf Hertha-Fanhilfe zur Polizeigewalt: " Trauriger Höhepunkt der Eskalationsspirale " Die Polizei hatte sich bereits am Samstag rund um die Vorfälle in der Ostkurve geäußert und sprach von gewalttätigen Angriffen einzelner Fangruppen auf die Einsatzkräfte. Im Bereich des Stadioneingangs sei es zu Beleidigungen gekommen, außerdem sollen Beamte mit Absperrgittern beworfen und Schlagwerkzeugen attackiert worden sein. "Aufgrund der Gewalt- und Bedrohungslage war es zum Schutz der Einsatzkräfte und unbeteiligter Zuschauender notwendig, Pfefferspray gegen größere Gewalttätergruppen einzusetzen", so die Behörde auf dem Kurznachrichtendienst X. Auch der Verein hat sich zu den Ereignissen geäußert. Das Präsidium erklärte in einer Mitteilung, dass in den vergangenen Monaten immer wieder der Eindruck entstanden sei, "dass Einsatzkonzepte und polizeiliche Präsenz von Fans als zunehmend konfrontativ" wahrgenommen würden. Außerdem sei das Verhalten speziell beim Schalke-Spiel nicht mehr als "durchgängig deeskalierend" wahrgenommen worden".
