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Rheinland-Pfalz: 923 Geflüchtete aus Aufnahmeeinrichtungen verschwunden

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Neue Zahlen zu Geflüchteten lösen Aufregung aus: I n den Aufnahmeeinrichtungen in Rheinland-Pfalz ist fast jeder zehnte Asylsuchende als verschwunden registriert. Binnen anderthalb Jahren ist aus rheinland-pfälzischen Aufnahmeeinrichtungen eine dreistellige Zahl an Flüchtlingen verschwunden, ohne dass ihr Verbleib bekannt ist. Die Einrichtungen sind die erste Anlaufstelle für Geflüchtete in Deutschland. Nun werden Abläufe überprüft, auch ein Austausch mit anderen Bundesländern zu dem Thema ist geplant. Das Integrationsministerium in Mainz gab am Montag bekannt, dass 923 Menschen in den vergangenen eineinhalb Jahren aus sechs Aufnahmeeinrichtungen für Asylsuchende (AfAs) verschwunden sind. Dabei handelt es sich demnach um jeden zehnten Asylsuchenden. Insgesamt nahm Rheinland-Pfalz in dem Zeitraum 10.120 Personen auf – das entspricht also einer Quote an verschwundenen Menschen von rund 9,1 Prozent. Die Anwesenheit der Bewohner wird in den Einrichtungen täglich kontrolliert – beim Betreten und Verlassen etwa müssen sie sich üblicherweise an- und abmelden. Die Bewohner einer Einrichtung gelten als abgängig und werden Polizei und Behörden gemeldet, wenn sie seit mehr als drei Tagen nicht mehr in der Einrichtung waren. Das Ministerium wählte für die Zahlen den Zeitraum von Anfang Juli 2024 bis Ende Dezember 2025, weil Geflüchtete in Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende des Landes maximal 18 Monate untergebracht werden, bevor sie auf die Kommunen verteilt werden. Die Zahl zu diesen im Behördenjargon als abgängig bezeichneten Personen legte das Land im Nachgang über eine in den vergangenen Tagen gestartete Debatte vor. Grund für die waren öffentlich gewordene Angaben zu Geflüchteten, die aus einer Einrichtung in Bitburg verschwunden sind. Keine Leistungen mehr für abgängige Personen Das Thema erreichte inzwischen auch den Integrationsausschuss des Landtages in Mainz. Dort erklärte der Präsident der für die Aufnahmeeinrichtungen für Asylbegehrende (AfA) zuständigen Behörde ADD, Thomas Linnertz, alle 923 abgängigen Menschen bekämen keine staatlichen Leistungen mehr. Integrationsstaatssekretär Janosch Littig (Grüne) kündigte an, dass nach möglichen Optimierungen beim Vorgehen in AfAs geschaut werde. Er gehe davon aus, dass das Thema auch andere Bundesländer betreffe. Daher solle auch betrachtet werden, was dort getan werde. Von den 923 sogenannten Abgängigen sind laut Ministerium 94 aus der Einrichtung in Bitburg, 173 aus Hermeskeil, 81 aus der am Flughafen Hahn, 150 aus Kusel, 180 aus Speyer und 245 aus Trier . Datenleck löst die Veröffentlichung der Zahlen aus Diese Zahlen werden normalerweise nicht offengelegt. In der vergangenen Woche hatte jedoch ein Datenleck Zahlen aus der Aufnahmeeinrichtung in Bitburg öffentlich gemacht, in denen von 31 Abgängigen seit August 2025 die Rede war. Ein Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma hatte eine von mehreren Mails mit der Information an die ADD und alle Landtagsabgeordneten verschickt. Die ADD erstattete Strafanzeige gegen den Mann, er ist freigestellt. Das Integrationsministerium betont, Bewohner einer Landes-Aufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge könnten nicht eingesperrt werden. Aufnahmeeinrichtungen seien keine Gefängnisse, wiederholte Staatssekretär Littig im Ausschuss. Ihm zufolge hat das Innenministerium inzwischen geprüft, wie viele der seit August aus der AfA in Bitburg verschwundenen Personen vorher polizeibekannt gewesen seien. Es seien sieben, die etwa wegen Delikten wie Körperverletzung, Diebstahl oder Delikten mit Betäubungsmitteln strafrechtlich in Erscheinung getreten seien. Auf wie viele der insgesamt 923 abgängigen Personen so etwas zutrifft, war zunächst nicht bekannt. Oppositionsführer Gordon Schnieder bezeichnete die Zahlen als "alarmierend". Der CDU-Politiker forderte Aufklärung. "Der Staat muss jederzeit wissen, wer sich in seinen Einrichtungen aufhält und wer sie verlässt." Wenn die Ampelregierung darüber keinen Überblick habe, "ist das ein Asyl-Skandal", so Schnieder bei "Bild" Flüchtlingsrat: "Das hat nichts mit bösen Absichten zu tun" Annika Kristeit vom Flüchtlingsrat warnte davor, Asylsuchende pauschal als Sicherheitsrisiko zu sehen: "Das ist falsch und die Übernahme eines rassistischen Diskurses, den wir von uns weisen und stark kritisieren", so Kristeit im SWR . Asylbewerber gingen aus unterschiedlichen Gründen für längere Zeit weg, etwa weil sie Familienmitglieder in anderen Ländern hätten. "Dass sich Menschen nicht abmelden, hat in den meisten Fällen nichts mit bösen Absichten zu tun, sondern lediglich mit einem fehlenden Bewusstsein für die deutschen bürokratischen Strukturen. Es kommt hinzu, dass eine neue Adresse nur angeben kann, wer eine Adresse hat. In der Unbeständigkeit und Unsicherheit einer Flucht ist das nicht unbedingt gegeben".