FDP-nahe Naumann-Stiftung: Steffen Saebisch soll neuer Chef werden
Neuer Chef für die Friedrich-Naumann-Stiftung: Steffen Saebisch, einst einer von drei Maschinisten der Ampelregierung, soll die FDP-nahe Organisation künftig führen. An der Spitze der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung bahnt sich ein Personalwechsel an. Neuer Chef der Parteistiftung soll Steffen Saebisch werden, der zu Zeiten der Ampelregierung Staatssekretär unter Christian Lindner im Bundesfinanzministerium war. Saebisch bestätigte am Dienstagnachmittag einen entsprechenden Bericht des Journalisten Robin Alexander auf X. Es sei eine große Ehre für ihn, für den Posten nominiert worden zu sein, schrieb Saebisch: "Ich bin hoch motiviert, in einem hervorragenden Team für die Renaissance des politischen Liberalismus zu arbeiten!" Saebisch würde damit die Nachfolge des bisherigen Stiftungsvorsitzenden Karl-Heinz Paqué antreten. Der 55-Jährige war zu Zeiten der Ampel so etwas wie die rechte Hand von FDP-Chef Lindner. Er koordinierte aufseiten der Liberalen die Regierungsarbeit und war damit einer der wichtigsten Ampel-Akteure, auch wenn er öffentlich nur wenig in Erscheinung trat. Im Maschinenraum der Ampel Gemeinsam mit dem damaligen Kanzleramtschef Wolfgang Schmidt (SPD) und Anja Hajduk (Grüne) bildete Saebisch dafür eine Dreierrunde, die Beobachter als das eigentliche Machtzentrum des ersten Dreierbündnisses auf Bundesebene betrachteten: Alle wichtigen Vorhaben der Ampel, auch die bis zum Schluss kritischen Haushaltsfragen, besprachen die drei vorab, ehe sich Olaf Scholz , Robert Habeck und Christian Lindner der Themen annahmen. In Kreisen der FDP hieß es am Dienstag, Saebisch sei der "ausdrückliche Wunschkandidat" von Parteichef Christian Dürr gewesen. Er gilt als Vertrauter Dürrs und wird auch über die Parteigrenze hinaus als kluger, politischer Kopf geschätzt. Ein weiterer Vorteil für ihn: Von 2014 bis 2021 war Saebisch bereits Hauptgeschäftsführer der Naumann-Stiftung, kennt damit die Organisation aus ihrem Inneren. Dürr wollte nach t-online-Informationen mit dem Vorschlag dem Schicksal entgehen, das zuletzt CDU-Chef Friedrich Merz bei der konservativen Konrad-Adenauer-Stiftung ereilte: Obwohl sich Merz dort für Günter Krings als Nachfolger von Norbert Lammert im Chefsessel ausgesprochen hatte, wählte das Stiftungskuratorium unlängst Annegret Kramp-Karrenbauer zur neuen Vorsitzenden. Auch Leutheusser-Schnarrenberger hört auf Der Wechsel bei der Naumann-Stiftung soll im Rahmen der regulären Vorstandswahl ablaufen. Neben ihm soll es weitere Wechsel im Vorstand geben. Gemäß t-online-Informationen soll auch die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nicht erneut für ihren Posten antreten. Dürrs Vorgänger als Parteichef und Saebischs früherer Chef im Finanzministerium, Christian Lindner, lobte den Schritt. Auf X kommentierte Lindner, der inzwischen in der Privatwirtschaft arbeitet: "Für diese Aufgabe kenne ich keinen Besseren. Viel Erfolg, und meiner Unterstützung kannst Du Dir ja weiterhin sicher sein." Politische Stiftungen gelten als parteinah, sind von den Parteien selbst jedoch getrennt. In der Regel fungieren sie als Thinktanks, also Organisationen, die Ideen entwickeln, aus denen die Parteien nicht selten Ansätze für konkrete politische Maßnahmen ableiten. Neben der Naumann-Stiftung und der Adenauer-Stiftung existieren außerdem die Hans-Seidel-Stiftung (CSU), die Friedrich-Ebert-Stiftung (SPD), die Rosa-Luxemburg-Stiftung (Linke) und die Heinrich-Böll-Stiftung (Grüne). Auch die AfD hat mit der Desiderius-Erasmus-Stiftung seit 2018 eine parteinahe Organisation.
