Prinzessin Sofia: "Sie hat aus Vergangenheit nie ein Geheimnis gemacht"
Mit Prinzessin Sofia gerät das nächste prominente Mitglied einer Königsfamilie in den Fokus der Epstein-Ermittlungen. Einer schwedischen Unternehmerin kommt dabei eine Schlüsselrolle zu. Die schwedische Prinzessin Sofia soll den verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein mehrfach getroffen haben. Seit Tagen kommen neue Einzelheiten über die Verbindung der heute 41-Jährigen zu dem verstorbenen Geschäftsmann ans Licht. Doch die Geschichte stellt sich anders dar als bei Andrew, dem ehemaligen britischen Prinzen, der durch seine Verwicklung in der Epstein-Affäre all seine Titel verlor. Julia Melchior, Dokumentarfilmerin und Königshausexpertin, sagt zu t-online: "Die beiden Fälle sind nicht miteinander vergleichbar. Während Andrew Mountbatten-Windsor zum Täterumfeld rund um Epstein gehört, muss man Prinzessin Sofia in das Opferumfeld einordnen. Zumindest potenziell. Denn sie wurde Epstein ja richtiggehend angeboten, wie jetzt bekannt geworden ist." Das steckt dahinter: Prinzessin Sofia sagt wichtigen Termin ab Sie erinnert sich: Königshaus äußert sich erneut zu Sofia und Epstein Nach Angaben des schwedischen Königshauses sei Prinzessin Sofia zwar mehrfach im gesellschaftlichen Kontext auf Epstein getroffen – allerdings zu einer Zeit, als sie noch keine Beziehung mit Prinz Carl Philip führte. Auch Julia Melchior konkretisiert: "Als Sofia auf Epstein getroffen ist, hat sie noch nichts mit der Königsfamilie zu tun gehabt." Die Hochzeit mit dem Prinzen fand im Sommer 2015 statt. Heute hat das Paar vier Kinder zusammen. Auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur teilte der Hof am Donnerstag mit, Sofia könne sich daran erinnern, Epstein vor rund 20 Jahren "einige wenige Male" begegnet zu sein. Laut der Stellungnahme handelte es sich dabei um Begegnungen im sozialen Umfeld, etwa bei einem Restaurantbesuch oder einer Filmpremiere. Eine darüber hinaus gehende Verbindung habe es nicht gegeben. Zugleich widersprach das Königshaus ausdrücklich Berichten, nach denen Sofia von Epstein bei der Schauspielausbildung oder bei Visa-Angelegenheiten für die USA unterstützt worden sei. Solche Darstellungen seien "falsch". Die Prinzessin habe nie in einem Abhängigkeitsverhältnis zu ihm gestanden und seit zwei Jahrzehnten keinerlei Kontakt mehr zu ihm gehabt. "Sie wollte einen Neuanfang starten" Laut Ermittlungsunterlagen der US-Behörden hielten sich Sofia und Epstein mehrfach parallel in New York auf, wohin Sofia 2005 gezogen war. "Sie ließ die TV-Karriere hinter sich und wollte einen Neuanfang starten. Sie belegte Buchhaltungs- und Computerkurse und ließ sich zur Yogalehrerin ausbilden", sagte Julia Melchior. Die heutige Prinzessin sei Epstein in jungen Jahren vorgestellt worden. Schlüsselfigur bei dieser Verbindung war eine schwedische Unternehmerin. Ihr Name: Barbro Ehnbom. Für Julia Melchior ist Barbro Ehnbom keine Unbekannte. Sie erklärt: "Für meine Dokumentation über Carl Philip und Sofia bin ich 2015 über Barbro Ehnbom gestolpert. Sie galt als Mentorin von Sofia und einflussreiche Geschäftsfrau in New York, die das Netzwerk BBB Barbro's Best and Brightest gegründet hatte, um junge Frauen zu fördern. Was auch immer das bedeutet." Auch Sofia war Teil des – teilweise durch Epstein finanzierten – Netzwerkes und Ehnbom wurde zu einer prägenden Figur für sie. Julia Melchior sagte: "Offenbar war der Kontakt zu Barbro Ehnbom so eng, dass sie sie Jahre später zu ihrer Hochzeit mit Prinz Carl Philip einlud." Sie führte die heutige Prinzessin früh in internationale Gesellschaftskreise ein. Laut der schwedischen Zeitung "Expressen" war es Ehnbom, die Sofia 2005 Epstein vorstellte. In einer E-Mail empfahl sie das damalige Model als "angehende Schauspielerin", die Epstein möglicherweise in seinem Apartment in New York treffen wolle. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Epstein auf seiner Privatinsel in der Karibik auf. Später soll er vorgeschlagen haben, Sofia für ein paar Tage dorthin einzuladen – ein Angebot, das sie dem Palast zufolge ausschlug. Nachhaltige Probleme für das Königshaus dürfte diese frühere Verbindung nicht nach sich ziehen. Julia Melchior blickt positiv auf den offenen Umgang Sofias und des Palastes mit den Schlagzeilen, so kenne sie beide aber auch, sagt sie. "Prinzessin Sofia hat aus ihrer Vergangenheit nie ein Geheimnis gemacht. Und das schwedische Königshaus hat schon manches Mal überrascht." Als Beispiel nennt die Expertin etwa "den Umgang mit der Magersucht von Kronprinzessin Victoria oder das Engagement von Königin Silvia": "Sie war Pionierin im Kampf gegen sexuellen Missbrauch und sexuelle Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen und zwar zu einer Zeit, als das noch tabuisiert wurde", so Melchior. Dennoch: Nicht nur der schwedische Boulevard, auch die internationale Presse stürzt sich geradezu auf Sofia und ihre Verbindung zu Epstein. Immer mehr kommt derzeit im Fall Epstein zutage. Nächste Woche Freitag werden die Akten endgültig der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Ob dann noch weitere Details publik werden, bleibt abzuwarten. Schon jetzt kann Julia Melchior sagen: "Es ist nachvollziehbar, dass die Pressestelle des Palastes aktiv an die Öffentlichkeit tritt, um Enthüllungen und Spekulationen vorzugreifen. Damit zeigt das Königshaus auch, wie weit das Netzwerk Epstein gegriffen hat."
