Björn Ferry sorgt für Debatte: Ex-Biathlet fordert Recht auf Sterbehilfe
Der Olympiasieger Björn Ferry hat einen eigenen Podcast gestartet. Darin spricht er auch über ein Thema, das ihn seit einiger Zeit begleitet. Der schwedische Ex-Biathlet und TV-Experte Björn Ferry hat sich in seinem Podcast "Ferry frågar" (Zu Deutsch: "Ferry fragt") für das Recht auf Sterbehilfe ausgesprochen. Persönliche Freiheit sei für ihn der wichtigste Wert, und er stelle sich die Frage, ob Menschen nicht selbst bestimmen dürften, wie sie sterben. Das berichtet die schwedische Boulevardzeitung "Expressen". Beim Thema Sterbehilfe zieht Ferry als Jäger einen direkten Vergleich zur Tierwelt: "Es ist klar, dass es bei einem angeschossenen Tier sehr dringend wird, das Leiden so schnell wie möglich zu lindern. Oder wenn man ein Rentier überfährt, kommt ein Nachsuchenführer und tötet das Tier, damit es nicht leidet. Aber bei Menschen denken wir umgekehrt. Da soll man alles verlängern." Zugleich schränkte er ein: "Andererseits, wenn wir unbegrenzte Ressourcen hätten, würden wir vielleicht auch einen Elch zum Tierarzt bringen." Im Alter von 78 Jahren : Ex-Skirennfahrer ist gestorben Umstrittene Rückkehr : Ski-Weltverband lässt russische Sportler wieder zu Ferry betonte auch, wie schwierig es sei, Grenzen bei einer möglichen Legalisierung seien. Sein Beispiel: Wie geht man damit um, wenn potenzielle Erben die Entscheidung über den Tod eines Menschen entscheiden. "Sobald man an der Oberfläche kratzt, wird es komplexer. Wo soll man die Grenze ziehen? Es ist ein bisschen wie die Abtreibungsfrage. Man kann die Argumente beider Seiten verstehen, aber dann hat man eine eigene Haltung, bei der man selbst steht." Bisher ist die aktive Sterbehilfe sowie die ärztliche Beihilfe zu Suizid in Schweden verboten. Passive Sterbehilfe, wie beispielsweise das recht lebenserhaltende Maßnahmen abzulehnen oder zu beenden, ist wiederum unter bestimmten Bedingungen erlaubt. Ferry mit klarer Kritik An der schwedischen Politik hinsichtlich des begleitenden Sterbens übt Ferry ebenfalls Kritik: "Das ist eine Frage, die seit vielen Jahrzehnten schwelt, aber nichts ist passiert. Es ist sehr überraschend, dass keine Partei versucht, einen fertigen Vorschlag zu machen und eine klare Position einzunehmen. Das verstehe ich nicht ganz". Er ergänzt: "Ich glaube, das ist eine Frage, über die fast alle Bürger nachgedacht haben. Die öffentliche Meinung ist der Politik weit voraus." In derselben Folge berichtet Ferry laut "Expressen" auch, dass sich mehrere seiner Freunde und Bekannte das Leben genommen hätten. In diesem Zusammenhang werde die Debatte besonders heikel, weil oft angenommen werde, Suizide hätten durch Behandlung verhindert werden können. Ferry äußert dazu die Hypothese: "Wenn man gewusst hätte, dass diese Möglichkeit besteht, könnte es ein bisschen wie eine Versicherung werden. Dann hätte man vielleicht gewagt, Hilfe zu suchen, ohne Angst zu haben, zwangseingewiesen und in eine Zwangsjacke gesteckt zu werden." Björn Ferry engagiert sich auch abseits der Sterbehilfe für gesellschaftsrelevante Themen. So setzt er sich unter anderem in der öffentlichen Debatte um die Klimakrise gegen die Nutzung von Flugzeugen als Verkehrsträger ein. Sportlich feierte seinen größten Erfolg als Biathlet mit der Goldmedaille des Verfolgungsrennens bei den Olympischen Winterspielen 2010 in Vancouver. Nach der Saison 2013/14 beendete er seine sportliche Karriere.
