Straße von Hormus: Öl fließt weiter – "leise und nicht öffentlich"
Die wenige Kilometer breite Straße von Hormus steht im Mittelpunkt der Eskalation im Nahen Osten. Jetzt nimmt der Verkehr wieder zu – so wie die Drohungen. Der Chef des französischen Ölkonzerns TotalEnergies, Patrick Pouyanne, hat eingeräumt, dass sein Unternehmen weiterhin profitabel Rohöl durch die Straße von Hormus transportiert. Das sagte er am Montag auf einer Energiekonferenz im norwegischen Stavanger, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet. Die Meerenge am Persischen Golf gilt seit Beginn des Kriegs zwischen den USA , Israel und dem Iran als weitgehend blockiert. Über sie liefen zuvor rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Flüssiggasexporte. Der Krieg zwischen den USA, Israel und dem Iran dauert bereits rund sechs Monate und hat sich zuletzt vor allem auf die wirtschaftliche Ebene verlagert. US-Finanzminister Scott Bessent kündigte für Montag einen " wirtschaftlichen D-Day " mit den nach eigenen Worten "härtesten Sanktionen der Geschichte" gegen Teheran an. Verhandlungen über ein Ende des Krieges finden nicht statt, wie US-Präsident Donald Trump mitteilte. Der Iran drohte im Gegenzug, im Fall einer weiteren Eskalation keinen einzigen Tropfen Öl mehr durch den Persischen Golf zu lassen. Netanjahu in der Kritik : Selbst der engste Verbündete hat genug Hacker-Angriff : Iran legt offenbar europäisches Kraftwerk vier Tage lang lahm In der Realität geht der Handel durch die Meerenge jedoch weiter, wenn auch geringer als zuvor. "Wir sind heute wahrscheinlich der größte Händler von Öl aus dem Irak oder aus Katar", sagte Pouyanne. Rohöl bewege sich "heute sehr leise und nicht öffentlich" durch die Straße von Hormus, fügte er hinzu. Hohe Preisnachlässe der Ölproduzenten glichen die gestiegenen Transportkosten mehr als aus. Ein Barrel koste Käufer derzeit 50 bis 60 Dollar statt des Brent-Referenzpreises, der am Montag bei mehr als 90 Dollar lag. Neue Route über Oman Der Transport eines Supertankers durch die Meerenge und zurück koste rund 20 Millionen Dollar, rechnete Pouyanne vor. Auf zwei Millionen Barrel Ladung verteilt, ergebe das einen Aufpreis von zehn Dollar pro Barrel. Für raffinierte Ölprodukte lohne sich die Route wegen der geringeren Kapazität der eingesetzten Schiffe dagegen nicht. Kein einziger Tanker mit Ölprodukten verlasse derzeit die Meerenge, so Pouyanne. Seit Mai unterstützen die USA nach Angaben des Schifffahrts-Analysten Kpler stillschweigend Tanker bei der Durchfahrt durch die Straße von Hormus. Mehr als 80 Prozent der Flüssigfracht der vergangenen zwei Wochen nutzte demnach entweder einen von den USA unterstützten Korridor entlang der omanischen Küste oder schaltete die Ortungssysteme aus. Der Iran lehnt die von der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation genehmigte Route ab. Kplers Rohölanalyst Homayoun Falakshahi sagte dem Sender CNN , der Iran habe die Kontrolle über die Meerenge zumindest teilweise verloren. Iran droht mit Beschlagnahmung Der Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus liegt nach Daten der britischen Marinebehörde UKMTO weiterhin rund 90 Prozent unter dem Niveau vor Kriegsbeginn. In der vergangenen Woche stieg die Zahl der Durchfahrten dennoch deutlich: Laut Kpler passierten rund 200 Schiffe die Meerenge, nach 150 in der Vorwoche und nur 40 in den beiden Wochen zuvor. Als Reaktion auf den gestiegenen Verkehr drohte die iranische Meerengen-Behörde PGSA am Montag 46 Schiffen mit Geldstrafen, Festsetzung oder Beschlagnahmung. Betroffen sind laut einer Mitteilung auf der Plattform X unter anderem Schiffe der Abu Dhabi National Oil Company und der südkoreanischen Reederei Sinokor. Sprit so teuer wie nie Mehrere Schiffe wurden in den vergangenen Wochen bei dem Versuch, die Meerenge zu passieren, von iranischen Angriffen getroffen. Nach Angaben der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation kamen seit Kriegsbeginn 19 Seeleute ums Leben. Derweil bleiben die Kosten hoch. Die Referenzsorte Brent hat sich seit Kriegsbeginn um mehr als 50 Prozent verteuert und kostete zuletzt rund 93 Dollar je Barrel. Für deutsche Autofahrer bedeutet das anhaltend hohe Preise an der Tankstelle. Diesel kostete am Samstag im bundesweiten Durchschnitt 2,260 Euro je Liter, Super E10 lag bei 2,165 Euro. Der ADAC rechnet damit, dass 2026 das teuerste Tankjahr überhaupt werden könnte. Besonders Diesel gerät zusätzlich unter Druck: Ab Mitte November müssen Tankstellen auf Winterdiesel umstellen, der auch bei tiefen Temperaturen funktioniert. Da viele Raffinerien wegen der Blockade vom Weltmarkt abgeschnitten sind, könnte sich der ohnehin bestehende Engpass in Europa dadurch weiter verschärfen.
