Alice Weidel im ZDF-Sommerinterview mit Wulf Schmiese – "Flachzangen"
Das Sommerinterview mit AfD-Chefin Alice Weidel wird zum Schlagabtausch. Moderator Wulf Schmiese findet deutliche Worte. In Wien hat sich Journalist Wulf Schmiese mit AfD-Chefin Alice Weidel zum Sommerinterview getroffen, um der Frage auf den Grund zu gehen: Kann die AfD halten, was sie verspricht? In der österreichischen Bundeshauptstadt tausche sie sich mit der Parteispitze der FPÖ aus, erklärte die Parteichefin die Wahl der Location. Die rechtspopulistische Partei regiert in Österreich in fünf Bundesländern – die AfD könne "sehr viel von der FPÖ lernen", so Weidel. Der Gast Alice Weidel, Co-Vorsitzende der AfD Keine sieben Minuten dauerte es, bis es zwischen der AfD-Chefin und Schmiese zu Reibereien kam. Denn: Der Moderator wollte von Weidel wissen, wie ihre Partei es schaffen wolle, dass deutsche Autos mit Verbrennungsmotor wieder "ein Hit" auf dem chinesischen Markt werden, wo derzeit nur noch Elektro-Fahrzeuge gefragt seien. Die AfD sei für eine freie Marktwirtschaft und Technologieoffenheit, erklärte Weidel. Sie schreibe Unternehmen nicht vor, welchen Motor sie produzieren sollen und Konsumenten nicht, welches Auto sie nachfragen müssen. In diesem Punkt sei die ihre Partei nicht "so unterschiedlich" zur CDU , erklärte Schmiese und hakte nochmals nach, wie Deutschland es denn zurück in den chinesischen Markt schaffen solle und sich mit Blick auf E-Mobilität gleichzeitig "die Chinesen mit ihren billigeren Produkten vom Halse halten" könne? "Sie haben gerade die CDU erwähnt", setzte Weidel zu einem thematischen Abstecher an und erklärte, die Christdemokraten hätten das Verbrennerverbot überhaupt erst eingeführt. "Die DNA der CDU ist die Lüge", so die AfD-Chefin. Alice Weidel optimistisch Schmiese unterbrach: Er sehe, dass sie seine Frage nicht beantworte. "Sie haben aber gerade die CDU erwähnt", rechtfertigte Weidel ihren Exkurs. "Ohh, dass sollte man nicht machen, weil das triggert sie sofort", entgegnete der Moderator. "Nein gar nicht", antwortete Weidel und führte aus, die Menschen in Deutschland wollten nur nicht länger angelogen werden. Sie habe offenbar keine Antwort darauf, wie die deutsche Autoindustrie in China wieder Fuß fassen könne, schloss Schmiese. Sein Urteil: Die AfD mache offenbar Versprechungen, die die Leute maßlos enttäuschen könnten, wenn sie dann mal regiere. Zu einem Schlagabtausch kam es auch bei einem anderen Thema. Wieso die AfD von ihren Schwesterparteien in Europa so isoliert sei und sich weiter isoliere, fragte Schmiese. Er verwies dabei auf den Parteivorsitzenden der französischen Rassemblement National, Jordan Bardella, der in einem Interview mit der "FAZ" gesagt hatte: Die AfD "ist auf europäischer Ebene kein Bündnispartner". "Wir sind gar nicht isoliert, das zeigen nämlich unsere Umfrageergebnisse", widersprach Weidel und fügte hinzu: Die AfD werde regieren und den Menschen zeigen, was sie könne. "Auch ich habe die Nase voll – ich will nicht mehr angelogen werden, von irgendwelchen Flachzangen, die da oben sitzen und irgendwas versprechen und genau das Gegenteil von dem tun", fuhr die Parteichefin fort. Schmiese kritisiert Weidel scharf "Das klingt für viele Leute irgendwo respektlos", warf Schmiese ein. Wenn Weidel Kanzlerin werden wolle, müsse sie ein Land einen und zusammenhalten, merkte er an. Es gelinge ihr in NRW aber noch nicht einmal, den größten Landesverband zusammenzuhalten. Der Landtagsabgeordnete Christian Loose hatte Weidel dort kürzlich "Alice Merkel" genannt. Daraufhin sei ein Ordnungsverfahren gegen ihn eingeleitet worden, erinnerte Schmiese. In dem Antrag des AfD-Bundesvorstandes habe es geheißen, der Abgeordnete habe einen "Angriff auf die persönliche Ehre der Bundessprecherin vorgenommen", zitierte der Moderator. "Die Frau, die andere ‚Flachzangen‘ nennt und noch schlimmer, ist beleidigt, weil sie ‚Alice Merkel‘ genannt wird?", echauffierte sich Schmiese. "Sagen sie, was für ein mimosenhaftes Verhalten ist denn das dafür zu stimmen?", legte er nach. "Ich bin doch gar nicht beleidigt", erklärte Weidel. "Ich bin richtig fröhlich, ich bin richtig froh." Das Ordnungsverfahren interessiere doch niemanden mehr, erklärte die AfD-Chefin. "Sie offenbar sehr", so Schmiese. "Ne, Sie interessiert das, mich interessiert das gar nicht", wehrte Weidel ab. Sie habe für den Antrag gestimmt, erinnerte Schmiese. Weidel ging darauf nicht ein, sondern legte nach. Die Menschen im Land hätten Interesse an sichere Straßen, "sichere Arbeitsplätze, bezahlbare Renten". In Deutschland werde allerdings alles kaputt gemacht, so Weidel: Darum wiederhole sie das Wort "Flachzange" gerne. Wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa im Auftrag von der "Bild" jüngst zeigte , hat knapp die Hälfte der Menschen keine Angst vor der AfD. Auf die Frage "Haben Sie Angst vor der AfD?" antworteten demnach 49 Prozent mit "Nein", 42 Prozent mit "Ja", 9 Prozent machten keine Angabe. Größer ist die Angst bei den Über-70-Jährigen, von denen 55 Prozent die Frage bejahten.
