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Meinung: Typisch CDU: Wenn es wichtig wird, muss es natürlich ein Mann sein

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In der Diskussion um eine Bundespräsidentin lief von Beginn an vieles falsch. Mit ihrer jüngsten Kapriole aber entlarvt und blamiert sich die CDU.

Wer soll Frank-Walter Steinmeier ins höchste Staatsamt nachfolgen? Bereits in den vergangenen Monaten lag die Debatte darum seltsam neben der Spur. Vor einem Jahr betonte der Bundeskanzler: Er fände es „gut“, wenn erstmals eine Frau zur Bundespräsidentin gewählt würde.

Dass die Debatte überhaupt im Schema Frau/Mann geführt wird, zeigt: Es gilt noch immer nicht als selbstverständlich, dass es natürlich genügend Frauen gibt, die bestens, vielleicht auch mal besser geeignet sind als so mancher männlicher Mitbewerber. Die wegen ihrer Qualifikation und Persönlichkeit in das Amt kommen könnten. Und nicht nur deshalb, weil es in großzügiger Geste eben auch mal eine Frau sein muss.

Schon jetzt gilt aufgrund der Art und Weise, wie die Diskussion von den Parteien aufgezäumt wurde: Jede Bundespräsidentin wird leicht dem Vorwurf ausgesetzt sein, sie sei nur deshalb ins Amt gekommen, weil sie eine Frau ist.

Das Geschlecht solle nicht den Ausschlag geben, heißt es nun bei wichtigen Unionsleuten. Und recht haben sie.

Nur wird dieses Argument in der Partei gekoppelt an die Überlegung, dass dem Amt in krisenhaften Zeiten in der Zukunft eine größere Bedeutung als bislang zukommen könnte. 

Und wenn es wirklich wichtig wird, landet man in der CDU immer noch bei: einem Mann. Ist ja klar. Da konnte Angela Merkel noch so lange Bundeskanzlerin sein – in den Reflexen der Partei scheint das nichts verändert zu haben.

Bundespräsident: Boris Rhein gilt als neuer Favorit

Jedenfalls machen führende Unionsleute nun einen neuen Favoriten für die Steinmeier-Nachfolge aus: Boris Rhein, Hessens Ministerpräsident. Der CDU-Mann bringe lange Regierungserfahrung mit und sei zudem Jurist, was notwendig sei, um das Land sicher durch eine Staatskrise zu steuern, vielleicht sogar einer Richtung Macht strebenden AfD etwas entgegenzusetzen. 

Nun muss man infrage stellen, ob dieses Land nicht schon mehr als genug Juristen in politischen Führungspositionen hat. Und ob es für einen Bundespräsidenten oder für eine Bundespräsidentin selbst in einer Verfassungskrise nicht ausreichte, wenn sie einige gute Juristen in ihrem Stab hätte, die ihn oder sie in den entscheidenden Fragen beraten könnten. Frank-Walter Steinmeier beriet sich in der Krise um eine Regierungsbildung 2017 sogar mit dem Verfassungsrichter Andreas Voßkuhle. Alles möglich.

Doch selbst wenn man die Maßstäbe Jurist und Regierungserfahrung ansetzen wollte, ließen sich natürlich auch Unionsfrauen finden. Die derzeitige Bundesfamilienministerin Karin Prien etwa ist studierte Juristin und hat lange Regierungserfahrung auf Landes- und Bundesebene. 

Dass die CDU in ihren Überlegungen trotzdem nur bei einem Mann landet, entlarvt ihr antiquiertes Schubladendenken und blamiert eine Parteiführung, die Frauen noch immer nur aus proporzpolitischer Notwendigkeit zu berufen scheint, aber nicht aus Überzeugung.