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Formel 1: Der Druck auf Mercedes-Jungstar Antonelli wird immer größer

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Mit gerade einmal 19 Jahren steht Kimi Antonelli vor dem Gewinn seiner ersten Formel-1-Weltmeisterschaft. Doch die Gefahren lauern überall. Viel besser hätte die erste Runde beim Rennen in Spa für Kimi Antonelli nicht laufen können: Während der Mercedes-Jungstar das Duell um die Spitze nach dem Start mit Max Verstappen für sich entschied, musste nur wenige Meter hinter ihm sein Teamkollege George Russell nach einer Kollision mit Ferrari-Pilot Lewis Hamilton das Rennen früh beenden. Antonelli gewann den Grand Prix, Russell ging einmal mehr leer aus. Satte 50 Punkte Vorsprung hat der junge Italiener nun schon auf seinen deutlich erfahreneren Teamkollegen in der Formel-1-Fahrerwertung. Hamilton, sein erster Verfolger, ist nur fünf Punkte näher dran. Mit gerade einmal 19 Jahren ist Antonelli der absolute Topfavorit auf den WM-Titel in dieser Saison. Doch es kann noch eine Menge schiefgehen. Ein Teenager als Weltmeister? Mittlerweile sechs Siege hat Antonelli auf dem Konto, Teamkollege Russell lediglich zwei. Die Ferrari-Konkurrenz um Charles Leclerc und Hamilton konnte sogar jeweils nur einmal siegen. Antonelli scheint der dominierende Fahrer dieser Saison zu sein. Noch nie in der Formel-1-Geschichte schaffte es ein Fahrer, einen Rückstand von mehr als 46 Punkten aufzuholen und am Ende der Saison noch Weltmeister zu werden. Die Zahlen sprechen also eine deutliche Sprache: Die "Königsklasse des Motorsports" darf sich wohl auf einen Teenager als Weltmeister vorbereiten. Oder doch nicht? Antonelli dürfte trotz des komfortablen Vorsprungs und konstant guter Leistungen gewarnt sein. Allein die vergangene Saison dient dabei als mahnendes Beispiel. Erst 2025 legte McLaren-Jungstar Oscar Piastri eine ebenso rasante erste Saisonhälfte hin wie Antonelli. Bis einschließlich des Großen Preises von Belgien hatte der Australier sieben von 13 absolvierten Rennen gewonnen, sein deutlich erfahrenerer Teamkollege Lando Norris hatte nur viermal zuoberst auf dem Podest gestanden. Nach dem Großen Preis der Niederlande, den Piastri gewann, während Norris mit einem Defekt ausfiel (ähnlich wie Antonelli und Russell jetzt in Belgien) betrug der Vorsprung Piastris bereits 34 Punkte. Die meisten hatten den WM-Kampf schon abgeschrieben. Doch was folgte, war ein ungeahnter Einbruch. Piastri gewann keines der verbleibenden neun Rennen mehr, schaffte es in nur drei Rennen überhaupt noch auf das Podium – und am Ende jubelte doch Norris über den ersten WM-Titel seiner Karriere. Der "Iceman" war geschmolzen Die Wende kam vor allem deshalb überraschend, weil Piastri während der ersten Saisonphase mit großer Ruhe auch in entscheidenden Momenten beeindruckte, während der eigentlich routiniertere Norris immer wieder Nerven zeigte und patzte. Piastri hatte sich sogar schon den Spitznamen "Iceman" (dt.: Eismann) aufgrund seines scheinbar so kühlen Gemüts verdient. Doch in der entscheidenden Saisonphase war davon nichts mehr zu spüren, zu häufig unterliefen Piastri Fehler. Angesichts der immer größer werdenden Titelchance zeigte der damals 24-Jährige doch plötzlich Nerven, während Norris auf einmal in den entscheidenden Momenten lieferte. Auch Antonelli scheint in dieser Saison bislang keinerlei Nerven zu zeigen, während sein deutlich älterer Teamkollege Russell (28 Jahre, achte Formel-1-Saison) mit der sich bietenden Titelchance schlechter zurechtzukommen scheint. Dennoch: Der Druck wird mit fortschreitendem Saisonverlauf immer größer. Auch Antonelli wird bewusst werden, wie groß seine Chance ist – und wie viel er damit auch zu verlieren hat. Immerhin wäre er mit am Saisonende 20 Jahren der deutlich jüngste Weltmeister der Formel-1-Geschichte. Diesen Rekord hält aktuell noch der Deutsche Sebastian Vettel , der seinen ersten Titel 2010 im Alter von 23 Jahren und 133 Tagen gewann. Zudem wäre Antonelli der erste italienische Weltmeister seit Alberto Ascari 1953. Ein Einbruch wie bei Piastri ist beim noch mal deutlich jüngeren Antonelli auch deshalb nicht auszuschließen. Ferrari lauert Positiv für den Italiener ist zumindest, dass sein Vorsprung deutlich größer ist, als es der von Piastri vergangene Saison je war. Allerdings gibt es 2026 eine zusätzliche Variable im WM-Kampf, und die heißt: Ferrari . Die Scuderia ist in diesem Jahr als erster Verfolger von Mercedes deutlich näher am Topteam dran als die Konkurrenz im vergangenen Jahr über weite Strecken an McLaren. Nicht umsonst steht Lewis Hamilton und nicht Russell aktuell auf Platz zwei der Fahrerwertung. Und Max Verstappen hat im vergangenen Jahr bewiesen, dass ein dritter Fahrer im Kampf um den Titel entscheidend sein kann. Nach einer ganz schwachen ersten Hälfte erwachte sein Red Bull im Schlussspurt zum Leben. Sechs der neun letzten Rennen gewann der Niederländer, was auch Piastri wichtige Punkte kostete – und griff trotz zwischenzeitlich über 100 Punkten Rückstand so selbst fast noch nach seiner fünften WM-Krone. Ferrari scheint in diesem Jahr von Beginn an konkurrenzfähig zu sein, das Team hat mit Hamilton einen siebenmaligen Weltmeister in den eigenen Reihen, der weiß, wie man Titel gewinnt – und der mit einem Blick auf den Rekord von acht Weltmeisterschaften hoch motiviert sein dürfte. Mercedes kämpft mit der Zuverlässigkeit Eine weitere Variable: die neuen Autos und die neuen Regeln. Traditionell sind die Boliden nach umfassenden Regeländerungen zunächst anfälliger für Defekte. Die Teams müssen die komplett neu zusammengesetzten Autos erst perfektionieren, die Technik hat dabei des Öfteren Schluckauf – so auch die Mercedes. Beide "Silberpfeile" hatten in diesem Jahr bereits mit Problemen am Motor zu kämpfen. Teamchef Toto Wolff bezeichnete die Zuverlässigkeit seiner Boliden sogar als "nicht gut genug". Bislang trafen die Probleme vor allem Russell, der darüber vor dem anstehenden Rennen in Ungarn auch seine Frustration äußerte. "Ich bin mittlerweile taub gegenüber der Enttäuschung", sagte er voller Resignation, "wenn so etwas so oft passiert, gewöhnt man sich einfach daran." Teamchef Wolff entgegnete, er hoffe, "dass dieses Gefühl der Taubheit bald vergeht", und weiter: "Wir werden versuchen, wieder Optimismus und positive Stimmung zu schaffen." Er "verstehe die Frustrationen" Russells, und das Team stehe "zu 100 Prozent hinter ihm". So sehr Antonelli bislang auch von den technischen Problemen seines Teamkollegen profitierte: Das Pendel könnte jederzeit umschlagen und der Fehlerteufel ihn heimsuchen. So könnte auch eine respektable Führung in der Gesamtwertung schnell schmelzen. Der Protagonist selbst gab sich deshalb auch nach seinem Triumph in Belgien noch vorsichtig. "Mit diesen neuen Autos und Regeln kann so viel Unvorhergesehenes passieren", sagte Antonelli. "Deshalb muss ich mich auf jedes Rennen konzentrieren, und dann werden wir am Ende des Jahres sehen."