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Klopp als Bundestrainer: Warum ihm das Flick-Nagelsmann-Problem droht

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Der DFB setzt mit Jürgen Klopp erneut auf einen erfolgreichen Vereinstrainer. Doch dabei macht er womöglich denselben Fehler wie zuvor, weswegen schon Flick und Nagelsmann scheiterten. Jürgen Klopp ist der neue Bundestrainer. Der Erfolgscoach aus dem Schwabenland soll die deutsche Nationalmannschaft endlich aus der Tristesse der vergangenen Jahre zurück in die Erfolgsspur führen. Auf Vereinsebene ist ihm in der Vergangenheit eine ähnliche Wandlung sowohl bei Borussia Dortmund als auch beim FC Liverpool, den er sogar zum Champions-League-Sieg führte, bereits eindrucksvoll gelungen. Aber kann das auch bei einer Nationalmannschaft funktionieren? Mit Julian Nagelsmann und Hansi Flick dienen seine beiden Vorgänger eher als Negativbeispiele. Beide konnten ihre unbestritten erfolgreiche Arbeit als Vereinscoaches letztlich nicht auf die Nationalelf übertragen und scheiterten auf dem wichtigsten Posten Fußballdeutschlands. WM 2026: Fans aus Argentinien fordern Wiederholung des Finales Wappenstreit und Zwangsabstieg: Traditionsklub versinkt im Chaos Flick war in der Historie des DFB der erste Bundestrainer, der entlassen wurde. Er hielt sich nur zwei Jahre und 25 Spiele im Amt. Im Herbst 2023 musste er gehen. Sein Nachfolger hielt sich ebenfalls nicht bis zum Vertragsende. Julian Nagelsmann trat nach nicht einmal drei Jahren zurück – trotz Vertrags bis 2028. Flick war beim FC Bayern für die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte mit sechs Titeln verantwortlich und führte nach seiner DFB-Zeit den FC Barcelona zu zwei Meisterschaften sowie einem Pokalsieg und ließ überdies attraktiven Fußball spielen. Nagelsmann galt lange als größtes Trainertalent in Deutschland. Er führte die TSG Hoffenheim in die Champions League und RB Leipzig ins Halbfinale der Königsklasse. Auch den FC Bayern, wo er kurz vor Ablauf seiner zweiten Saison auf umstrittene Weise entlassen wurde, führte er zu einem Meistertitel. Warum taten sich Flick und Nagelsmann beim DFB schwer? Die Trainingsarbeit mit den Spielern, die eigentliche Kernkompetenz von Flick und Nagelsmann, macht als Bundestrainer gezwungenermaßen einen deutlich geringeren Anteil aus als auf Vereinsebene. Flick etwa gilt als Spielerversteher, der es schafft, eine Einheit und ein Wir-Gefühl zu formen. Er überträgt den Profis viel Eigenverantwortung, legt aber gleichzeitig großen Wert auf Disziplin. Im Klub hat er über einen längeren Zeitraum eine feste Gruppe von rund 25 Spielern um sich, die er formen kann, wo sich ein Teamgefüge bilden kann. Bei der Nationalelf hingegen stellt sich die Gruppe bei jeder Länderspielperiode immer wieder mit mehr oder weniger großen Änderungen und unterschiedlichen Charakteren zusammen. Von Nagelsmann ist bekannt, dass er sehr detailverliebt und akribisch vorgeht, was die taktischen Abläufe in seinem Team betrifft. Mit teils komplexen Übungsformen forderte er die Spieler auf seinen Stationen. Manchmal waren diese auch überfordert. Davon wusste einst auch der ein oder andere von Nagelsmanns Ex-Spielern zu berichten. Flicks Graugans-Video mit Symbolcharakter So äußerte der serbische Nationalspieler und frühere RB-Leipzig-Profi Lazar Samardžić: "Unter Julian Nagelsmann zu trainieren, war Wahnsinn – vor allem auf taktischer Ebene und in Sachen Handlungsschnelligkeit. Da ging es nicht nur darum, wie gut du am Ball bist, sondern vor allem im Kopf, wie schnell du da bist und wie vorausschauend du spielst. Darauf hat er besonderen Wert gelegt." Für solche Details bleibt einem Bundestrainer bei einem der wenigen Länderspielpausen im Jahr weniger Zeit. Denn: Für komplexe Inhalte sind mehr Trainingseinheiten nötig, weshalb es für Vereinstrainer einfacher ist, solche zu vermitteln. Durch die in geringerem Umfang mögliche Trainingsarbeit rückt automatisch der psychologische und kommunikative Ansatz als wichtiger Hebel in den Vordergrund, um Top-Leistungen möglich zu machen. Und genau dort offenbarten sowohl Flick als auch Nagelsmann Schwächen. Beiden gelang es nie oder selten, eine Begeisterung zu entfachen, weder intern noch in der Fußball-Öffentlichkeit. Als symbolisch für Flicks enttäuschende Amtszeit gilt das berühmt gewordene Graugans-Video aus der WM-Doku, das die Spieler in Katar motivieren sollte, stattdessen aber belächelt wurde. Das Ergebnis des Turniers ist bekannt. Dabei wird Flick oftmals das Attribut des Menschenfängers zugeschrieben. In seiner Zeit als Bundestrainer trat er nach außen hin jedoch eher spröde und bei Kritik schmallippig auf. Nagelsmanns Kommunikationsschwächen auf dem Weg zur WM In der Öffentlichkeit präsentiert sich Nagelsmann deutlich redseliger und folglich informativer als Flick. Sein Kommunikationsverhalten ist praktisch das Gegenteil desjenigen von Flick. Aber: War bei der EM 2024 die Euphorie des Heimturniers noch die treibende Kraft – und damit die Motivation der Spieler geradezu ein Selbstläufer –, machte Nagelsmann auf dem Weg zu seiner ersten WM entscheidende Kommunikationsfehler. So gab er wiederholt zu ehrlich und zu wenig diplomatisch Auskunft über seine Gedanken- und Gefühlswelt. Stichwort: Undav, Stichwort: Neuer. Intern hingegen wurde zuletzt der Vorwurf laut, Nagelsmann habe zu selten mit den Spielern gesprochen, sie zu wenig an seinen Plänen teilhaben lassen, teils auch falsche Versprechungen gemacht – Stichwort: Goretzkas "Stammplatz-Zusage" für die WM. Der Bundestrainer ist weit mehr als Moderator gefragt denn als Fußballlehrer im eigentlichen Sinne. Er muss Nominierungen verteidigen oder Nichtnominierungen begründen, die Spieler bei langen Turnieren bei Laune halten, und er hat weniger Zeit für die eigentliche Arbeit eines Trainers. Dort, in der Trainingsarbeit, haben zweifellos sowohl Flick als auch Nagelsmann ihre herausragenden Kompetenzen. Um diese bestmöglich nutzen zu können, müssten sie täglich mit den Spielern arbeiten – und nicht nur alle paar Monate. Verbandstrainer prägen die WM Ein Blick auf die vergangene WM bestätigt diese These zumindest indirekt. Denn dabei waren vor allem die Trainer mit ihren Mannschaften erfolgreich, die in ihrer Karriere überwiegend als Verbandscoaches gearbeitet haben. Mit Luis de la Fuente und Lionel Scaloni standen sich auch zwei solche Trainer im Finale gegenüber, das Spanien mit 1:0 gegen Argentinien gewann. De la Fuente arbeitete seit 2013 als Trainer der U19, bevor er 2018 zur U21 aufrückte und 2022 schließlich die A-Nationalelf übernahm. Scaloni stieg bei Argentinien 2017 zunächst als Co- und U20-Coach ein, bevor er ab 2018 dann die erste Mannschaft coachte. In Deutschland prägte Weltmeister-Bundestrainer Joachim Löw vor Nagelsmann und Flick von 2006 bis 2021 eine 15 Jahre überdauernde Ära. In den beiden Jahren zuvor hatte er Jürgen Klinsmann noch als Co-Trainer zugearbeitet. Die Installation von Carlo Ancelotti , dem brasilianischen Nationaltrainer, als einem der erfolgreichsten Vereinscoaches überhaupt brachte dagegen auch bei dieser WM nicht den gewünschten Erfolg. Die Brasilianer scheiterten im Achtelfinale mit 1:2 an Überraschungsteam Norwegen. Klopp will nun mit der deutschen Nationalelf trotzdem den Beweis antreten, dass die Rechnung mit der Verpflichtung eines erfolgreichen Vereinscoaches auch auf der Ebene der Nationalmannschaft durchaus aufgehen kann.