Israel baut Erdwall in Gaza: Mehr als die Hälfte soll abgetrennt werden
Mit einem kilometerlangen Grenzwall hat die israelische Armee den Gazastreifen geteilt. Die Palästinenser fürchten, dass sie das Gebiet dauerhaft verlieren könnten. Israel befindet sich mitten im Wahlkampf. Ende Oktober soll das Parlament neu gewählt werden. Dann entscheiden die israelischen Bürger über den Verbleib von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu im Amt. Abseits der politischen Bühne dringt die israelische Armee (IDF) im Gazastreifen weiter vor. Das Militär errichtet derzeit inmitten der palästinensischen Enklave am Mittelmeer einen riesigen Erdwall, der nach seiner Fertigstellung mehr als 50 Prozent des Gazastreifens abtrennen soll. Wie die Nachrichtenagentur Associated Press (AP) berichtet, hat die IDF in den vergangenen Monaten bereits rund 23 Kilometer des Erdwalls errichtet. Der gesamte Gazastreifen ist etwa 40 Kilometer lang. Israelische Armeesprecher bestätigten das Vorhaben gegenüber AP. Zudem teilte die Armee mit, rund um den Wall eine "Sicherheitszone" eingerichtet zu haben. Dort setzt sie Aufklärungstechnologie ein, um das Gebiet zu überwachen und zugleich israelische Ortschaften in der Nähe des Gazastreifens zu schützen. US-Unterstützung für Israel: Das Undenkbare bahnt sich an Deutsche Journalistin: Wurde von israelischen Soldatinnen vergewaltigt Wegen der Geschwindigkeit, mit der Israel das Vorhaben vorantreibt, wächst unter Palästinensern die Sorge, dass Israel die neu kontrollierten Gebiete entgegen den Vereinbarungen nicht wieder zurückgeben könnte. Stattdessen könnte das Land für den illegalen Bau israelischer Siedlungen genutzt werden, der unter Netanjahu in den vergangenen Jahren wieder deutlich zugenommen hat. Israel zerstört den Gazastreifen systematisch In den von Israel besetzten Teilen des Gazastreifens geht die IDF zudem mit einer Systematik vor, die vermuten lässt, dass bereits Pläne für eine weitere Nutzung der Flächen bestehen. Satellitenbilder, die vom US-Unternehmen Planet Labs ausgewertet wurden, zeigen, dass Israel leer stehende Ruinen aus den vorangegangenen Kämpfen systematisch mit Bulldozern und Sprengstoff dem Erdboden gleichmacht. Ganze Städte wie Rafah, das einst von rund einer Viertelmillion Menschen bewohnt wurde, sind dadurch nahezu vollständig zerstört worden, berichtet AP. Der Wall soll zudem eine für alle sichtbare Trennlinie zwischen palästinensischem und von Israel kontrolliertem Gebiet markieren. In der Vergangenheit kam es wiederholt zu mutmaßlich unrechtmäßigen Tötungen von Palästinensern durch die israelische Armee. Diese erklärt zwar, ausschließlich auf militante Hamas-Kämpfer zu schießen, wenn diese sich der "Schutzzone" näherten. Unter den Todesopfern waren jedoch auch Kinder und andere Zivilisten. Erschwerend kommt hinzu, dass auch israelische Soldaten berichten, in vielen Fällen nicht zu wissen, auf wen sie schießen. Gleichzeitig hätten sie den Befehl, "jeden zu töten, der die neue Grenze überschreite". Seit Beginn der im Oktober 2025 unter Aufsicht des US-Präsidenten Trump vereinbarten Waffenruhe wurden im Gazastreifen insgesamt rund 1.100 Palästinenser und fünf israelische Soldaten getötet. Neue illegale Siedlungen angekündigt Am Wochenende kündigten zudem der israelische Verteidigungsminister Israel Katz und Finanzminister Bezalel Smotrich den Bau von drei neuen Siedlungen im Wert von 400 Millionen US-Dollar an. Eine der Siedlungen soll Berichten zufolge im Gebiet des Gazastreifens entstehen. Katz erklärte, in einem ersten Schritt solle eine militärische Siedlung errichtet werden, die den Weg für eine zivile Siedlung im nördlichen Gazastreifen ebnen solle. Auch innerhalb der israelischen Elite stoßen die neuen Siedlungspläne auf Widerstand. Zwei frühere Ministerpräsidenten und ehemalige Geheimdienstchefs drohten in einem öffentlich gewordenen Brief mit rechtlichen Schritten, sollten der von ihnen beklagte "jüdische Terrorismus" und die "Ideologie der ethnischen Säuberung" gegen Palästinenser im Westjordanland nicht umgehend gestoppt werden. Die islamistische Terrorgruppe Hamas hatte Israel am 7. Oktober 2023 überfallen und bei Massakern etwa 1.200 Menschen ermordet und 250 weitere in den Gazastreifen entführt. Bei dem anschließenden Krieg, der bis Oktober 2025 dauerte, starben nach palästinensischen Angaben mehr als 71.000 Menschen. Einzelne Menschenrechtsorganisationen, Wissenschaftler und eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen werfen Israel Völkermord vor. Juristisch wird der Vorwurf vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag geprüft. Bis zu einem abschließenden Urteil könnten jedoch noch Jahre vergehen.
