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Nagelsmann-Aus: Glasner statt Klopp? Das sagt Stefan Effenberg

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Nach dem Aus von Julian Nagelsmann ist der DFB auf der Suche nach einem Nachfolger. Jürgen Klopp ist Favorit – aber t-online-Kolumnist Stefan Effenberg bringt einen alten Bekannten ins Gespräch. Nun steht es also fest, nur wenige Tage nach dem Aus der deutschen Nationalmannschaft im Sechzehntelfinale bei der WM in den USA, Kanada und Mexiko: Julian Nagelsmann ist nicht mehr Bundestrainer. Der 38-Jährige ist nach offiziellen Angaben zurückgetreten, mit ihm müssen auch seine Co-Trainer Benjamin Glück, Benjamin Hübner und Alfred Schreuder den DFB verlassen. Ich stelle mich gerne schützend vor unter Druck geratene Trainer, ergreife für diese auch gerne Partei, wenn ich überzeugt bin, dass sie noch die Wende zum Erfolg schaffen können. Aber hier muss ich sagen: Dieser Schritt, gleichzeitig ein Schnitt, ist absolut logisch und die richtige Entscheidung. Nagelsmann ist letztlich nicht nur diese enttäuschende WM zum Verhängnis geworden, sondern seine gesamte Amtszeit. Möglicher Nachfolger von Nagelsmann: Klopp gibt Einblick in Gespräche mit dem DFB Er soll beim DFB übernehmen: Klopp als Bundestrainer? Doch eine Rolle behält er trotzdem Im Live-TV: Weltmeister flirtet mit Position beim DFB Da war die mittelmäßige Heim-EM 2024. Da war das enttäuschende Final Four in der Nations League im vergangenen Jahr, ebenfalls im eigenen Land, als man sowohl gegen Portugal (1:2) als auch Frankreich (0:2) verlor und am Ende Vierter von vier wurde. Und dann auch noch die nicht immer überzeugenden Leistungen in der WM-Qualifikation, die direkt mit einem 0:2 in der Slowakei startete. Es war einfach keine sportliche Weiterentwicklung erkennbar, es hat sich keine Stabilität in den Leistungen eingestellt, es war dagegen immer holprig, zäh, da war kaum mal Leichtigkeit oder gar wirkliche Spielfreude erkennbar. Brasilien-Nationaltrainer Ancelotti als Beispiel Stattdessen hat sich der Eindruck verfestigt: Deutschland gehört aktuell nicht mehr zu den ganz großen Fußballnationen. Und dieser Eindruck hat sich bei der WM nun endgültig bestätigt. Das muss man Nagelsmann – abseits aller persönlichen Verfehlungen, die er sich gerade durch seine schlechte Kommunikation und seine oftmals patzige Art geleistet hat – anlasten. Die Frage ist jetzt: Wie geht es weiter? Fest steht für mich: Die DFB-Elf braucht jetzt einen Bundestrainer, der auf die Jugend setzt, der die jungen Spieler auch mal von der Leine lässt. Einen, der von seinen Spielern respektiert und geachtet wird, einer, zu dem sie vielleicht sogar aufschauen. Und: Einen, der mit seiner Art auch die Fans mitnehmen kann. Ich nehme da gerne Carlo Ancelotti als Beispiel, der gerade recht erfolgreich Brasilien trainiert, mit der ihm eigenen bemerkenswerten Ruhe. Dem hören dort auch die großen Superstars zu. Oder Didier Deschamps bei Frankreich, der zu seinen Spielern ein enges Verhältnis aufgebaut hat, der diese vielen begnadeten Individualisten managen kann – weil er alles selbst erlebt hat, Höhen, Tiefen, große Siege, herbe Niederlagen, die ganz großen Titel gewonnen hat. Klopp? Beim DFB haben sie sich treiben lassen Das alles hat Nagelsmann nun mal nicht vorweisen können – und das hat ihm sowohl bei der Nationalmannschaft als auch zuvor beim FC Bayern geschadet. Er wollte seine Spieler in starre Systeme pressen, statt ihre individuellen Stärken hervorzuheben und zu nutzen. Profis auf diesem Niveau muss aber nicht mehr jeder Laufweg, jeder Pass erklärt werden. Im Gegenteil schätzen sie es, wenn ihnen auch mal Freiheiten gelassen werden, statt alles zu verwissenschaftlichen und zu verkomplizieren. Der DFB hat in seiner Mitteilung vom Freitag ja bestätigt, mit Jürgen Klopp in Gesprächen zu sein, der auch klarer Favorit auf die Nagelsmann-Nachfolge zu sein scheint. Man kann darüber streiten, ob das so geschickt war. Mein Gefühl ist: Beim Verband haben sie sich von der Öffentlichkeit zu dieser Äußerung treiben lassen. Das darf nicht sein, das sollte ihnen nicht nochmal passieren. Sicher ist trotzdem noch nichts. Mein Expertenkollege Mats Hummels hat bei Magenta TV dazu auch Pep Guardiola als möglichen Kandidaten genannt. Ich möchte aber noch einen anderen Namen ins Gespräch bringen, dem ich vollauf zutraue, das Ruder bei der DFB-Elf herumzureißen. Ich bin nämlich überzeugt, dass auch ein Oliver Glasner all die Qualitäten mitbringt, die Nagelsmann hat vermissen lassen. Er hat als Spieler über 400 Erstligapartien bestritten, er kennt das Geschäft in- und auswendig – und hat in seinen bisherigen Stationen bewiesen, was er kann: Talentierte Mannschaften weiterentwickeln. Den VfL Wolfsburg hat er in die Champions League geführt, Eintracht Frankfurt zum Europa-League-Sieger gemacht – und in der abgelaufenen Saison mit Crystal Palace immerhin die Conference League gewonnen. Ich sage: Er könnte das – und wäre bereit für diese Aufgabe. Das ist nur der erste Schritt Natürlich hat Klopp auf Vereinsebene sowohl mit Borussia Dortmund als auch mit dem FC Liverpool größere Erfolge vorzuweisen, aber: Bei den "Reds" durfte er in seiner neunjährigen Amtszeit über 950 Millionen Euro für Neuzugänge ausgeben. Die Strategie, die Idee mag da noch so gut sein – da hilft das Geld natürlich auch ordentlich mit. Anders ist das, wenn du begrenztere Mittel und einen vielleicht nicht ganz so talentierten Kader zur Verfügung hast. Ich sage aber auch: Eine Veränderung auf dem Bundestrainer-Posten alleine reicht nicht aus. Es wäre ganz falsch, zu glauben, dass es mit der Einstellung eines Nagelsmann-Nachfolgers getan wäre. Das ist nur der erste Schritt. Da auch Geschäftsführer Andreas Rettig geht und den DFB zum Jahresende verlässt, ist nun eine wichtige Position neben Sportdirektor Rudi Völler frei. Verschiedene Namen werden schon gehandelt, von Matthias Sammer über Philipp Lahm bis hin zu Bastian Schweinsteiger oder Per Mertesacker . Für mich ist klar: Jeder von ihnen würde die nötige Qualifikation mitbringen. Alle vier haben eine extrem hohe fachliche und auch soziale Kompetenz, alle vier haben selbst auf höchstem Niveau gespielt, alle vier wissen auch aus eigener Erfahrung, im Umgang mit Spielern auch in schwierigen Situationen den richtigen Ton zu treffen. Fußball-Deutschland will sehen, dass sich etwas tut Es warten große Aufgaben: Das Konzept in den viel gelobten Nachwuchsleistungszentren des DFB muss überdacht werden. Schon in jungem Alter werden Spieler dort in ein Korsett, in Taktikschablonen gedrückt, die keinen Platz für Individualität oder Kreativität lassen. Die Fähigkeit, in kritischen Situationen auch mal zu improvisieren, spontan zu handeln, kommt komplett abhanden. Spieler müssen auch mal Fehler machen dürfen, um aus ihnen zu lernen, statt ständig Angst zu haben, Fehler zu machen. Auf dem Papier mag so ein Konzept zwar noch gut und wohldurchdacht sein – was dann aber passiert, wenn auf der anderen Seite mal ein Gegner steht, der dieses Konzept durcheinanderbringt, haben wir nun während der WM gesehen. Und das darf so nicht nochmal passieren. Die deutsche Nationalmannschaft muss so schnell wie möglich wieder auf die Beine kommen. Fußball-Deutschland will sehen, dass sich etwas tut, dass ein Team aufgebaut wird, von dem die Fans auf dem Weg zur Europameisterschaft 2028 sagen können: Da entwickelt sich etwas. Dieser Aufgabe muss sich zuallererst einer stellen: der neue Bundestrainer.