SpaceX-Börsengang wird zum Lehrstück über Gier und Strategie
Geld, Geld und noch mal Geld. SpaceX hatte bei seinem Börsengang 85 Milliarden US-Dollar eingenommen. Doch mittlerweile sind die Kurse deutlich zurückgegangen. Und bis sich mit der Firma Geld verdienen lässt, werden Jahre vergehen. Es kam, wie es kommen musste: Nach fulminantem Start und schnellen, überdurchschnittlichen Kursaufschlägen landet auch die Weltraumfirma SpaceX von Elon Musk auf der Erde. Sprich: Die Gewinne ließen sich nicht halten. Die Aktie nähert sich dem Ausgabepreis des Börsengangs. Und das hat gleich mehrere Gründe. Bis auf 225 US-Dollar war die Aktie von SpaceX nach dem vorläufig größten Börsengang der Geschichte gestiegen. Zugegeben, ein fulminantes Debüt. Aber auch erwartbar. Doch dann kam der Kurseinbruch – runter auf 147 US-Dollar. Markant war der 22. Juni: ein Einbruch von allein 16 Prozent. 600 Milliarden US-Dollar Börsenwert wurden an einem Tag ausradiert. Es kam viel zusammen. Anleihen-Pläne verschrecken Investoren Den Grund für den vorläufig größten Tagesverlust von SpaceX lieferte das Unternehmen selbst. Nach den eingenommenen 85 Milliarden US-Dollar beim Börsengang hatte SpaceX bekannt gegeben: Das Unternehmen vergibt Anleihen für 25 Milliarden US-Dollar. Und das ist inzwischen auch geschehen – zu anspruchsvollen Konditionen: Allein für die zehnjährigen Papiere muss SpaceX 1,4 Prozentpunkte mehr Zins bieten als die zehnjährigen US-Staatsanleihen. Investoren lassen sich Risiken eben gut bezahlen. Und das wird absehbar wohl nicht günstiger, wenn demnächst auch noch die Zinsen in den USA steigen sollten. Es kommt insgesamt viel zusammen bei SpaceX – die harten Zahlen aus dem Unternehmen, Sentiment – also die Stimmung am Markt –, Emotionen, Erwartungen etc. Lassen wir angesichts der gewichenen Börsengang-Euphorie jetzt mal jegliches " Siehste – hab’ ich doch gesagt " weg und konzentrieren uns auf die Fakten: Bewertung vs. Fundamentaldaten Punkt 1: SpaceX kam mit zu hohen Bewertungen an die Börse. Knapp 1,8 Billionen US-Dollar. Aber wofür? Bei 19 Milliarden US-Dollar Umsatz standen immerhin knapp fünf Milliarden Verlust in der jüngsten Jahresbilanz. Die Skepsis steigt angesichts der hohen Investitionen in Weltraum und KI und des unfassbaren Kapitalbedarfs. Und sie ist nicht unangebracht: Analysten schätzen, dass SpaceX vor 2030 keine Gewinne machen wird. Und das führt uns direkt zu Punkt 2: Viele Investoren haben dennoch die Aktie gezeichnet, um "dabei zu sein" und Gewinne zu machen. Denn es war klar, dass die beteiligten Banken den größten Börsengang der Geschichte nicht floppen lassen. Und viele haben am Börsengang gut mitverdient. Sie mussten "nur" rechtzeitig verkaufen … Ist okay, kann man machen. Das Problem ist, da waren auch viele Privatanleger dabei. Insgesamt kamen zwar kaum fünf Prozent aller Aktien von SpaceX auf den Markt. Aber wenn dann trotzdem viele versuchen, ihre Gewinne mitzunehmen und ihre Aktien verkaufen, entwickelt sich eine unschöne Dynamik. Börsengang lieber erst abwarten Man sagt nicht umsonst, bei Börsengängen soll man erst einmal rund sechs Wochen abwarten. Dann hat sich der Kurs eingependelt. Hypes sind vorbei, die Kurse sind näher an der Realität, und die Erwartungen werden realistischer. Inzwischen dürften viele Investoren mit SpaceX im Minus liegen. Punkt 3: Natürlich trifft es zu, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird und dass die Vision von SpaceX groß und nachvollziehbar ist. Doch viel von dieser Zukunftsmusik ist eben dann schon in den Bewertungen berücksichtigt. Und dann geht erst einmal nicht viel mehr. Bis das Unternehmen beweist, dass die Story funktioniert, bis es Wachstum gibt und Gewinne abwirft. Dann sind auch weitere Kursaufschläge absolut gerechtfertigt. Aber eben erst dann. Weitere Aktien könnten verkauft werden Und nun? Gewinne sind bei SpaceX auf Jahre erst einmal nicht in Sicht. Das hatte das Unternehmen aber auch vor dem Börsengang transparent gemacht. Alle wussten, worauf sie sich einlassen. Jetzt müssen Anleger und Investoren bestimmte Deadlines im Auge behalten: Demnächst fallen Haltefristen, die Altaktionären nach dem Börsengang auferlegt sind. Das heißt, ab Mitte August könnten weitere Aktien von SpaceX auf den Markt kommen und den Kurs weiter belasten. Bedenklich ist, dass erste Index-Anbieter die Aktie von Space X mit so genannten Fast Entry-Regeln vorzeitig in Aktien-Indizes aufnehmen. MSCI tut das ab heute, die NASDAQ Corp in den nächsten Tagen mit dem NASDAQ 100. Bisher galt da eine dreimonatige Frist. Im Falle des MSCI World als breitgestreutem Index hat Space X wenig Gewicht, im NASDAQ 100 sieht das anders aus. Nichtsdestotrotz müssen Index-Anbieter die Aktie kaufen, und das zu eben nicht gerade günstigen Kursen. Immerhin dürften die Käufe dieser großen Player den Kurs mitgestützt haben. Ein Anbieter macht da nicht mit: S&P. Da bleibt es nach wie vor dabei, dass Unternehmen auch profitabel sein müssen, wenn sie in den S&P 500 aufgenommen werden wollen. Auf jeden Fall war der Börsengang wieder ein Lehrstück über Gier und Strategie. Anleger können es demnächst besser machen: bei den geplanten Börsengängen der KI-Unternehmen Anthropic und OpenAI , Entwickler der Chatbots Claude und ChatGPT. Sie wollen mit je einer Billion US-Dollar Wert an die Börse gehen – doch auch KI ist keine Einbahnstraße. Derzeit überwiegt wieder die Skepsis der Investoren: Gerade diejenigen, die den Boom seit drei Jahren befeuern, fragen, ob sich die hohen Investitionen je auszahlen werden. Aus jedem Hype weicht die Luft: siehe KI, Krypto, Edelmetalle Womöglich bremst da nun das Beispiel SpaceX ein wenig die Börsengang-Euphorie im KI- und Tech-Sektor. Ein bisschen mehr Realitätssinn beim Blick in die Zukunft schadet ja nicht. Grundsätzlich wird aus jedem Hype, jeder Übertreibung irgendwann die Luft wieder herausgelassen. Wir sehen es gerade bei KI- und Tech-Aktien, bei Kryptowährungen, im Rüstungssektor und bei Edelmetallen. Apropos Edelmetalle: In meiner Kolumne zu Gold vergangene Woche hatte ich es schon mal geschrieben: Es ist meist keine gute Idee an der Börse, einem vorbeigefahrenen Zug noch hinterherzurennen. Es wird ein anderer Zug kommen. Sicherlich keiner zum Mars. Aber es gibt immer wieder spannende Möglichkeiten, um auf der Erde zu investieren. Ich wünsche Ihnen allzeit kluge Investments.
