„Ich wäre ready”
46ers-Kapitän Robin Benzing über die Crunchtime der Saison, seine Zukunft, die Fehler der Vergangenheit und die Gießener Fans.
Profisportler, allemal, wenn sie 2,10 Meter groß und 113 Kilo schwer sind, haben Hunger. Und können was vertragen. Auch, wenn das nächste Training bald bevorsteht. Also erkundigt sich Robin Benzing bei Kult-Italiener Enzo, besser gesagt bei dessen Angestellter Lisa, was es denn am Nachmittag im „Klein & Fein“ am Gießener Brandplatz noch Essbares gebe.
Der 37-Jährige kennt den Feinkost-Geheimtipp, der unter Schlammbeisern schon lange keiner mehr ist, noch nicht. Er wird ihn aber mit Sicherheit nicht zum letzten Mal besucht haben. Denn die Platte, die Lisa ihm zaubert, ist zum Niederknien: Salat, Oliven, Bergkäse aus Südtirol, luftgetrocknetes Rindfleisch, Parmaschinken, Olivenöl, Balsamico-Creme.
Nur den von Enzo angepriesenen Weißwein, den knickt sich der Capitano des Basketball-Zweitligisten GIESSEN 46ers. Er hat schließlich noch einiges vor am Abend in der Osthalle, in die es ihn zieht, nachdem er sich den Fragen des Pressesprechers gestellt hat.
Robin, wie würdest du die aktuelle Verfassung unserer Mannschaft beschreiben?
Wir sind schlicht gut in Form. Wir haben nach sechs Siegen Selbstvertrauen bekommen, agieren souveräner und stabiler. Leider hat das alles in dieser Saison ein wenig länger gedauert, aber wir sind zum richtigen Zeitpunkt in die Spur gekommen. Noch sind wir nicht aus dem Gröbsten raus, wir haben aber Konstanz aufgebaut. So etwas zählt in der Crunchtime einer Runde.
Sind wir auf Kurs Richtung BBL, auf Kurs Richtung Playoffs oder vom Kurs abgekommen?
Ganz klar: Wir sind auf Kurs Richtung Playoffs. Mit allem anderen sollten wir uns aktuell nicht befassen.
Was hat dir bisher in den ersten 27 Spieltagen richtig gut gefallen?
Da fallen mir spontan zwei Punkte ein. Erstens: Die Fans sind grandios. Sie haben verstanden, dass wir auch ihre Unterstützung gebraucht haben, als es mal nicht so gut lief. Sie machen oft auch auswärts unsere Partien zu Heimspielen. Zweitens: Die Teamchemie stimmt. Es gibt keine Stinkstiefel in unserer Mannschaft, einer kann sich auf den anderen verlassen, auf dem Feld und außerhalb. Aus meiner langen Erfahrung aus vielen Ländern kann ich sagen, dass dies nicht normal ist.
Und, die Frage ist unausweichlich: Was hat nicht gepasst?
Wir hatten das Problem, einige Profis austauschen zu müssen. Dadurch haben die Ergebnisse lange nicht gestimmt.
Wenn du dich heute festlegen müsstest: Nach der Hauptrunde liegen die 46ers auf welchem Platz? Und treffen in den Playoffs auf wen?
Ich denke, wir werden Fünfter und treffen dann auf die Eisbären Bremerhaven …
Noch vor wenigen Wochen hagelte es, besonders online, nicht nur Kritik am Team, sondern auch am Cheftrainer „Frenki“ Ignjatovic …
Das ist im Profigeschäft normal. Wer das nicht abhaben kann, ist fehlt am Platz. Ich habe die Diskussionen relativ emotionslos verfolgt, denn ich weiß, dass sich das Blatt innerhalb kürzester Zeit auch wieder wenden kann. Wir Spieler sollten uns auf unseren Job konzentrieren, das hilft allen, auch dem Coach.
Wie würdest du deine Performance in dieser Spielzeit beschreiben?
Ich bin sehr, sehr gut in Form und nach rund 13 oder 14 Kilogramm weniger im Sommer auch richtig good in shape. Ich habe Spaß am Sport, Spaß am Club, Spaß daran, das Team zu führen. Meine Rolle auf dem Feld ist es, den Jungs Stabilität zu geben, das Spiel zu lenken und es zu kontrollieren. Ich darf behaupten, dass ich Ruhe und Sicherheit ausstrahle. Meine Mitspieler vertrauen mir. Und meine Statistiken stimmen.
So lange wie in Gießen hast du bisher nur für deinen Jugendclub TV Langen und später natürlich für Bayern München gespielt. Was hat dich angefixt?
Meine Familie und ich fühlen uns wohl in Gießen. Die Verantwortlichen und die Fans bringen mir Anerkennung, Respekt und Liebe entgegen. Das ist großartig. Das Paket stimmt einfach.
Können die Fans darauf hoffen, dass du im Sommer deine Karriere noch nicht beenden, sondern Gießen weiter zur Verfügung stehen wirst?
Ich kann nur sagen: Ich wäre ready für ein weiteres Jahr, egal in welcher Liga. Körperlich habe ich viel an mir gearbeitet, die Leistung stimmt. Also: Warum nicht?
Was fehlt dem Standort Gießen zur BBL-Rückkehr?
Eine BBL-taugliche Halle, wie wir sie unlängst bei unserem sehr gelungenen Umzug nach Wetzlar erleben durften, ist das A und O für den Aufstieg. Wir brauchen des Weiteren ein besseres Trainingszentrum, damit sich auch die gute Jugendarbeit, die Rolf Scholz vorantreibt, irgendwann auszahlt. Grundsätzlich würde ich es mir wünschen, dass wir von der Stadt mehr unterstützt werden. Da fehlt es mir an ausreichend Support.
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