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BioNTech ohne Gründer: Neuanfang oder Risiko für Aktionäre?

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Die Biontech-Aktie ist seit ihrem Hoch um mehr als 80 Prozent gefallen. Jetzt kündigen auch noch die Gründer ihren Abschied an – sollten Anleger aussteigen? Die Gründer des Mainzer Unternehmens Biontech , das Mediziner-Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci, verlassen ihr Unternehmen. Das kündigte Biontech am Dienstag in einer Mitteilung an. Spätestens Ende 2026 wollen sich die beiden Impfstoff-Pioniere aus dem Vorstand zurückziehen. An der Börse löste die Nachricht sofort Unruhe aus: Die Biontech-Aktie verlor zeitweise bis zu 17 Prozent an Wert. Viele Anlegerinnen und Anleger hatten Biontech-Aktien gekauft, als die Gewinne während der Pandemie sprudelten und große Hoffnungen auf neue mRNA-Krebsmedikamente entstanden. Doch der Kurs liegt inzwischen wieder auf dem Niveau von Dezember 2020. Das Allzeithoch aus dem August 2021 bei 395 Euro bedeutet heute einen Verlust von über 80 Prozent. Viele Investoren dürften deshalb auf rote Zahlen im Depot schauen – und sich fragen: Sollte man jetzt verkaufen oder kann Biontech noch einmal durchstarten? Warum die Gründer gerade jetzt gehen Şahin und Türeci wollen nach eigenen Angaben ein neues Unternehmen gründen und sich dort wieder stärker auf die frühe Forschung konzentrieren. Biontech soll mit einer Minderheitsbeteiligung und über Beratungsrollen mit ihnen verbunden bleiben. Der Vorstandsvorsitzende Uğur Şahin erklärte: "Für uns ist jetzt der richtige Zeitpunkt, die Übergabe des Staffelstabs vorzubereiten." Gleichzeitig wollten er und Türeci "ein weiteres Mal als Pioniere neue Wege beschreiten". Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters wies Şahin Sorgen über den Zeitpunkt zurück. Biontech konzentriere sich inzwischen stark auf späte klinische Entwicklungsphasen. Dadurch bleibe ihm und Türeci weniger Zeit für frühe Forschung. "Es gibt ein riesiges Potenzial, das in der Biontech und in der neuen Firma parallel gehoben werden soll", sagte er. Neue Firma – Biontech bleibt beteiligt Nach Angaben der Gründer soll Biontech an der neuen Firma beteiligt werden. Im Gegenzug würde das Unternehmen bestimmte Rechte und Technologien einbringen. Eine verbindliche Vereinbarung soll bis Ende des ersten Halbjahres 2026 stehen. Konkrete Details gibt es bisher kaum. Laut Şahin befindet sich das Projekt noch in der Konzeptphase. Der Schritt passt allerdings zu ihrer unternehmerischen Vergangenheit. Bereits 2001 gründeten Şahin und Türeci die Firma Ganymed, bevor sie 2008 Biontech aufbauten – mit der Vision, Krebstherapien mithilfe der mRNA-Technologie zu revolutionieren. Kritische Stimmen: Warum jetzt aussteigen? Fondsmanager Markus Manns von Union Investment sieht den Abgang der Gründer kritisch. Der Abschied in dieser Phase hinterlasse viele offene Fragen – sowohl für das Unternehmen als auch für Aktionäre. Der Erfolg des Corona-Impfstoffs brachte Biontech und seinem Partner Pfizer enorme Einnahmen. In den Jahren 2021 und 2022 erzielten die Unternehmen zusammen mehr als 40 Milliarden Dollar Umsatz und schätzungsweise 20 Milliarden Dollar Gewinn. Seitdem versucht Biontech zu zeigen, dass dieser Erfolg kein Einzelfall war – bisher ohne ein weiteres marktreifes Medikament. Das Unternehmen konzentriert sich vor allem auf Krebsmedikamente. Ein wichtiger Kandidat ist laut Fondsmanager Manns das Medikament Pumitamig. Dennoch zeigt er sich skeptisch. Für ihn ist "kein positives Szenario vorstellbar", weshalb die Gründer ausgerechnet jetzt gehen würden. Şahin und Türeci sehen das anders. Der geplante Abschied Ende 2026 sei bewusst gewählt. Bis dahin sollen rund 15 Phase-3-Studien laufen – vor allem in der Krebsforschung. Biontech hat derzeit neun laufende Phase-3-Studien in der Onkologie und plant sechs weitere bis Ende 2026. Vier bekannte Beispiele sind: Rosetta Lung-01 (Pumitamig + Chemo bei kleinzelligem Lungenkrebs) Rosetta Lung-02 (Phase-2/3, Pumitamig bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs) DYNASTY-Breast-02 (Trastuzumab Pamirtecan bei Brustkrebs) BNT316/ONC-392 (Phase-3 bei metastasiertem NSCLC) Für Anleger ist das ein wichtiger Punkt. Phase-3-Studien sind große klinische Studien mit Tausenden Patienten. Allerdings scheitern viele Medikamente in dieser Phase. In der Onkologie liegt die Erfolgsquote ohne Biomarker laut Studien bei etwa 34 Prozent, mit Biomarkern bei bis zu 64 Prozent. Selbst danach muss noch die Zulassung durch Behörden wie die US-Gesundheitsbehörde FDA oder die europäische Arzneimittelagentur erfolgen. Bis heute hat Biontech – abgesehen vom Covid-Impfstoff Comirnaty – kein eigenes Medikament zur Marktreife gebracht. Das erste Krebsmedikament könnte nach aktuellen Plänen noch in diesem Jahr auf den Markt kommen. Hohe Forschungskosten drücken auf die Gewinne Trotz hoher Gewinne in den vergangenen Jahren investiert Biontech einen großen Teil davon wieder in Forschung und Entwicklung. Die Entwicklung neuer Medikamente ist extrem teuer – vor allem in der Krebsmedizin. Hinzu kommen hohe Steuerzahlungen aus den erfolgreichen Jahren der Corona-Pandemie. Allein für das Jahr 2021 zahlte Biontech rund 4,7 Milliarden Euro Steuern . Für das Jahr 2026 erwartet das Unternehmen einen Umsatz von etwa 2 bis 2,3 Milliarden Euro. Gleichzeitig dürften die Forschungs- und Entwicklungskosten mit 2,2 bis 2,5 Milliarden Euro sogar höher liegen als die Einnahmen. Fazit: Große Risiken – aber auch Chancen Obwohl der Umsatz zurückgegangen ist, zeigen sich viele Analysten hinsichtlich Biontech weiterhin optimistisch. Die Mehrheit empfiehlt die Aktie derzeit als "Kauf" oder "moderater Kauf". Das durchschnittliche Kursziel liegt bei rund 140 Dollar (etwa 120 Euro). Die Prognosen reichen allerdings von etwa 82 Dollar bis zu 190 Dollar. Für Anleger bedeutet das: Die Aktie bleibt spekulativ. Ihre Entwicklung hängt stark davon ab, ob Biontech mit Krebsmedikamenten einen Durchbruch schafft. Ein Vorteil ist die starke Finanzlage. Biontech verfügt noch über rund 17,2 Milliarden Euro an Barmitteln sowie eine breite Pipeline mit vielen Krebsprojekten in klinischen Studien. Gleichzeitig ist der Wettbewerb groß. Neben dem mRNA-Spezialisten Moderna arbeiten auch Pharmakonzerne wie Merck & Co. , Bristol Myers Squibb, Astrazeneca oder Roche an neuen Krebsmedikamenten. Der Rückzug der Gründer hat zusätzlich Zweifel geweckt. Manche Beobachter argumentieren jedoch, dass ein Teil dieser Sorgen bereits im Kurs eingepreist sein könnte. Ob Biontech wieder zu einem Börsenliebling wird, hängt deshalb vor allem von einer Frage ab: Schafft das Unternehmen tatsächlich den nächsten medizinischen Durchbruch?