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Gestrandete Urlauber: Sind 500 Euro für einen Rückholflug zu viel?

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Ein Rückholflug nach Hause kann teuer werden: Wegen des Irankriegs sitzen Tausende von deutschen Touristen in der Golfregion fest. Was kostet die Reise in die Heimat?

Eine Flugstunde liegen die beiden Flughäfen von Larnaka und Tel Aviv voneinander entfernt. Ein kleiner Hopser, für den El Al auch nur 100 Euro verlangt. Zürich oder München dagegen sind mit rund 3000 Kilometern und fast vier Stunden Flugzeit schon ein gutes Stück weg und kosten daher mehr: 200 Euro will die israelische Airline haben, wie aus der „speziellen Preisliste“ für Rückflüge nach Israel hervorgeht. 

Nach einer Woche Irankrieg und der zeitweiligen Einstellung des Flugverkehrs dürfen an Israels internationalem Airport wieder die ersten Flieger abheben. Allerdings nur maximal zwei Maschinen pro Stunde und jede mit maximal 70 Passagieren an Bord – damit sich nicht zu viele Menschen gleichzeitig auf dem Flughafen-Gelände aufhalten. Dazu kommen noch die Flugzeuge mit im Ausland gestrandeten Israelis, die von El Al nun nach und nach wieder in die Heimat zurückkehren können. 

Sind 500 Euro zu viel für einen Mittelstreckenflug?

„Wir haben Tarife festgelegt, nachdem wir die Umbuchung aller El-Al-Kunden abgeschlossen hatten, deren Rückflüge von den ausgewiesenen Flughäfen gestrichen wurden“, sagt Airline-Vorstand Shlomi Zafrany.

Die mit 600 und 700 Euro teuersten Verbindungen starten in Bangkok und New York, also deutlich im Langstreckenbereich. Dagegen muten die 500 Euro, die deutsche Fluggesellschaften für Evakuierungsflüge aus der Golfregion nehmen, beinahe teuer an.  Bei einer Kleinfamilie kommen da mindestens 1500 Euro zusammen. Wie etwa bei Familie W. aus Hamburg, die auf der „Mein Schiff 4“ in Abu Dhabi festhingen und im stern erzählt haben, wie lange sie auf ihre Rückkehr warten mussten – trotz Kleinkind und erkranktem Vater. 

500 Euro, so heißt es aus dem Auswärtigem Amt, sei der übliche Economy-Preis für Flüge von der Golfregion nach Deutschland. Kurz gab es Verwirrung darüber, ob die Bundesregierung womöglich die Bundeswehr für Rückholflüge für die am Persischen Golf gestrandeten Deutschen einsetzen würde. Stattdessen aber holen nun Maschinen von Lufthansa, Eurowings sowie Emirates die Touristen zurück. 

Mitunter aber mussten die dafür quer über die arabische Halbinsel fahren. Tui Cruises hat für die Passagiere der „Mein Schiff“ Busse organisiert, mit der Familie W. von Abu Dhabi nach Maskat in den Oman gefahren wurde – eine fünfstündige Fahrt, plus längerem Aufenthalt an der Grenze. Sie wurden letztlich nach Frankfurt ausgeflogen. Auch vom saudischen Riad starten Flugzeuge mit deutschen Touristen. 

Nach Schätzungen des Deutschen Reiseverbands waren zu Beginn des Angriffs in der Golf-Region rund 30.000 Deutsche im Krisengebiet gestrandet. Plus eine unbekannte Zahl von Flugpassagieren, die beim Umsteigen an den Drehkreuzen der arabischen Fluggesellschaften wie Qatar oder Etihad hängenblieben. Laut des Flugdatenauswerters Cirium sind fast 30.000 geplante Flüge ausgefallen. Schätzungsweise eine vierstellige Zahl deutscher Urlauber ist inzwischen wieder zu Hause.

Pauschaltouristen und Passagiere, die von ihrer Airline Ersatzflüge erhalten haben, zahlen keinen zusätzlichen Beitrag. Anders sieht es bei den Teilnehmern der eigens organisierten Evakuierungsflüge der Bundesregierung aus. Zur Corona-Zeit gab es noch „Rundum-Sorglos-Pakete“, doch das ist vorbei. Je nach Entfernung werden Gebühren in Höhe von 200 bis 1000 Euro erhoben, so der Reiserechtsexperte Paul Degott. Diese Pauschalen aber deckten nach seiner Einschätzung die tatsächlichen Kosten nicht und seien eher als kulant anzusehen. Das gelte auch für die nun erhobenen 500 Euro auf dem Maskat-Flug.

Auf einen Rückholflug gibt es keinen Rechtsanspruch

Zwar ist der deutsche Staat verpflichtet, seinen Landsleuten im Ausland zu helfen, einen Rechtsanspruch auf Rückholaktionen gibt es aber nicht. Vor allem keinen kostenlosen. Finden aber Evakuierungen etwa bei Naturkatastrophen, Kriegen oder revolutionären Verwicklungen statt, sind die Hilfeempfänger zum Ersatz verpflichtet. Die Kosten müssen also grundsätzlich in Rechnung gestellt werden. 

Langsam aber sicher kommt der Luftverkehr am Golf wieder in Fahrt. Qatar Airline (Katar), Emirates (Dubai), Oman Air (Oman) und Etihad (Abu Dhabi) bieten Flüge in alle Weltregionen an, wenn auch begrenzt. Emirates erwartet, dass sie in den kommenden Tagen auf „voller Kapazität“ laufen könne. Seit Montag, den 9. März sind auch die Maschinen von Air India und Air India Express wieder im Einsatz.