WM 2026: Boykott wegen Krieg? Iran würde hohe Geldstrafe drohen
Nach den Unruhen in Mexiko überschattet nun der Iran-Krieg die Vorbereitungen auf die Fußball-WM. Plötzlich sind Szenarien denkbar, die vorher für unmöglich gehalten wurden. Schon Monate vor dem Anpfiff der XXL-WM in den USA, Mexiko und Kanada beherrschen nahezu ausschließlich nicht-sportliche Themen die Vorbereitungen. Nicht nur der neue Modus mit 48 Teams und 104 Spielen wirft Fragen auf. 100 Tage vor Turnierstart (11. Juni bis 19. Juli) bestimmen politische Krisen die Debatte. Vor allem die Eskalation im Nahen Osten mit dem Angriff der USA auf den Iran und dessen Gegenschlägen hat die Lage derart verschärft, dass sogar ein WM-Ausschluss oder ein Boykott des Iran nicht unmöglich scheinen. Szenarien, die lange als undenkbar galten. Die Fifa werde die Situation "beobachten", hatte Generalsekretär Mattias Grafström erklärt. Oberste Priorität bleibe ein sicherer Ablauf der WM, bei der alle qualifizierten Mannschaften auch teilnehmen könnten. Iran: Fußball-Nationalmannschaft der Frauen boykottiert Nationalhymne Der Iran soll in den USA in einer Gruppe mit Belgien, Neuseeland und Ägypten spielen. "Sicher ist, dass nach diesem Angriff nicht zu erwarten ist, dass wir hoffnungsvoll auf die WM blicken", sagte der iranische Fußballpräsident Mehdi Taj. Zudem erklärte er: "Die US-Regierung hat unser Heimatland angegriffen. Das wird nicht unbeantwortet bleiben." Bei Boykott oder Ausschluss: Fifa entscheidet über Konsequenzen Aufgrund einer 40-tägigen Staatstrauer zu Ehren des ermordeten obersten Führers Ajatollah Ali Chameneis fallen alle Spiele in der heimischen Liga und die geplanten WM-Vorbereitungsspiele der Männer-Nationalmannschaft aus. Bundestrainer Julian Nagelsmann ordnet die Lage nüchtern ein. Man müsse "das Bewusstsein haben, dass politische Themen vorherrschen, die der Sport nicht lösen wird", sagte er im "Kicker" mit Blick auf die Endrunde. Die große Frage ist nun: Was geschieht bei einem Boykott oder bei einem Ausschluss, wenn andere Länder oder Institutionen eine Teilnahme des Iran als nicht sicher bewerten? Oder falls die USA die Einreise verweigern? Bereits jetzt dürfen Iraner grundsätzlich nicht in die Vereinigten Staaten einreisen. Eine Ausnahme gilt derzeit für Sportmannschaften wie das WM-Team. Ein im vergangenen Jahr veröffentlichter Artikel im Fifa-Reglement behandelt den Fall eines Rückzugs. Dort heißt es: "Wenn ein teilnehmender Mitgliedsverband von der Fifa-Weltmeisterschaft 26 zurücktritt und/oder ausgeschlossen wird, entscheidet die Fifa nach eigenem Ermessen über die Angelegenheit und ergreift die als notwendig erachteten Maßnahmen. Die Fifa kann beschließen, den betreffenden teilnehmenden Mitgliedsverband durch einen anderen Verband zu ersetzen." Iran würde Strafe von einer halben Million Euro drohen Denkbar sind zwei Varianten: Ein anderes Land rückt nach – oder die Vorrundengruppe wird auf drei Teams verkleinert. Als mögliche Nachrücker gelten unter anderem der Irak und die Vereinigten Arabischen Emirate. Ein WM-Rückzug während des Turniers ist historisch. 1950, bei der ersten Austragung nach dem Zweiten Weltkrieg , sagten mit Schottland, der Türkei, Indien und Frankreich letztmals Teams für eine Endrunde ab. Würde sich der Iran dazu entscheiden, hätte das finanzielle Folgen für den Verband. Zieht der Iran spätestens 30 Tage vor dem ersten Spiel zurück, wird vom Fifa-Disziplinarkomitee eine Geldstrafe von mindestens 250.000 Schweizer Franken (etwa 275.000 Euro) verhängt. Erfolgt der Rückzug weniger als 30 Tage vor dem ersten Spiel, beträgt die Mindeststrafe 500.000 Schweizer Franken (etwa 550.000 Euro). Außerdem wäre der Iran verpflichtet, sämtliche von der Fifa erhaltenen Gelder zurückzuzahlen. Währenddessen blickt der Weltverband Rekord-Einnahmen von elf Milliarden Dollar durch die WM entgegen. Vor vier Jahren in Katar waren es sieben Milliarden. Trotz der immensen Kritik an hohen Ticketpreisen meldet die Fifa 508 Millionen Nachfragen für rund sieben Millionen Tickets. "Alle Spiele sind ausverkauft", sagte Fifa-Präsident Gianni Infantino. Ob angesichts der Umstände die Stadien tatsächlich alle voll werden, darf bezweifelt werden. Die Vorfreude auf eine eigentlich als Fußballfest gedachte Veranstaltung dürfte den Fans in vielen Teilen der Welt zunehmend vergangen sein.
