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Börsenreaktionen: Trump erlebt eine Niederlage – und die Märkte zucken mit den Schultern

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Das Zollurteil des Obersten US-Gerichtshofes hat an den Börsen nur verhaltene Reaktionen ausgelöst. Es gibt allerdings einen anderen Risikofaktor, der die Anleger beschäftigt.

Politisch war sie eine Erschütterung – an den Märkten hat die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs der USA nur für verhaltene Reaktionen gesorgt. Zu Handelsbeginn am Montagmorgen sank der deutsche Leitindex um 0,7 Prozent auf 25.083 Punkte. Als die Märkte am vergangenen Wochenende schlossen, war der Dax mit einem Aufschlag von 0,9 Prozent aus dem Handel gegangen. Im Laufe des Vormittags pendelte sich der Index knapp über der 25.100-Punkte-Marke ein.

Am Freitag legte die US-Zollpolitik mal wieder eine spektakuläre Wendung hin. Der Oberste Gerichtshof der USA urteilte, dass US-Präsident Donald Trump seine Befugnisse überschritten habe, als er unter Berufung auf ein Notstandsgesetz Zölle gegen fast alle Staaten der Welt verhängte. Trump reagierte, indem er neue Zölle ankündigte – basierend auf einer anderen Rechtsgrundlage. Aber auch diese neuen Zölle beeindrucken die Anleger offenbar kaum.

„Für Anleger war die Entscheidung des US-Supreme Courts keine große Überraschung“, sagt Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte & Strategie bei der Dekabank. „Und an der Zollhöhe hat sich bisher noch nicht so viel geändert. Der Markt tut gut daran, hier nicht dramatisch zu reagieren.“ 

US-Werte steigen, Märkte in Asien uneinheitlich

Die US-Anleger reagierten zunächst freudig auf das Urteil zunächst freudig. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte beendete den Handel am Freitag mit einem Plus von 0,5 Prozent auf 49.625,97 Punkten. Der breiter gefasste S&P 500 gewann 0,7 Prozent, der technologielastige Nasdaq legte um 0,9 Prozent zu. Uneinheitlicher reagierten die Märkte in Asien: Futures auf den japanischen Nikkei-Index gaben am Montag nach, der MSCI-Index für Aktien außerhalb Japans legte dagegen um 0,8 Prozent zu. 

Als Gewinner des Zollurteils könnten womöglich chinesische Werte gelten. An der Börse in Hongkong griffen Anleger nach den Nachrichten aus Amerika im Techsektor zu. Die Aktien von Alibaba zogen am Montag um 3,5 Prozent an, die Titel von Tencent gewannen gut drei Prozent. Die Papiere des Chipherstellers SMIC verteuerten sich um rund fünf Prozent und erzielten damit den größten Tagesgewinn seit fast zwei Monaten. Analysten rechnen damit, dass nach dem Zollurteil niedrigere Zölle auf China zukommen könnten, außerdem gelten kurzfristige Wendungen der US-Politik als unwahrscheinlich, weil Trump Ende März nach China reisen will.

Anleger haben Erfahrung mit Zöllen

Ein Grund für den gelassenen Umgang sei die Erfahrung, die Anleger inzwischen mit den Zöllen gesammelt hätten, sagt Schallmayer. „Der Schockmoment war am ,Liberation Day‘, die Reaktion auf die Supreme Court-Entscheidung ist erwachsener. Ein gewisser Gewöhnungseffekt wird daran deutlich.“ Auch die neuen Zölle seien deswegen keine große Umstellung.

Trotzdem hat das Urteil des Supreme Courts neue Unsicherheit in der Weltwirtschaft ausgelöst. Nicht zuletzt, weil Trump bereits neue Zölle angekündigt hat. „Donald Trump ist nicht dafür bekannt, Niederlagen einzugestehen, sondern eher, dass er zurückschlägt. Genau das passiert“, sagt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt für Deutschland und Österreich bei der ING. „Die neuen Zölle bringen eine erneute Welle an Unsicherheit, die durchaus den gerade anstehenden zyklischen Aufschwung in der deutschen Industrie schmerzlich stoppen könnten.“

Unklar ist zudem, was aus bereits ausgehandelten Deals zwischen den USA und anderen Ländern wird. So ist das Handelsabkommen zwischen der EU und den USA noch nicht ratifiziert – das sollte eigentlich am Dienstag passieren. Am Montag trifft sich nun der Handelsausschuss EU-Parlaments zu einer Sondersitzung. Dessen Vorsitzender Bernd Lange (SPD) hatte bereits angekündigt, die „legislative Arbeit“ aussetzen zu wollen, bis es eine „ordnungsgemäße rechtliche Bewertung und klare Zusagen von Seiten der USA“ gebe.

Hinzu kommt ein weiterer Risikofaktor, der zwar über das Wochenende in den Hintergrund rückte, aber die Märkte nervös macht: die Möglichkeit einer Eskalation zwischen den USA und dem Iran. Laut Medienberichten erwägt der US-Präsident derzeit einen gezielten Schlag, gefolgt von einer größeren Attacke gegen das Mullah-Regime. Der Ölpreis war in den vergangenen Tagen bereits gestiegen. Die Feinunze Gold – eine klassische Krisenwährung – verteuerte sich am Montagmorgen um bis zu 1,4 Prozent und notierte auf dem höchsten Preis seit drei Wochen.