Immobilienkauf: Diese 5 Finanzierungsirrtümer sollten Sie vermeiden
Rund um Immobilienkredite kursieren zahlreiche Faustregeln. Doch nicht alles, was plausibel klingt, hilft Ihnen bei einer guten Entscheidung. Eine Expertin gibt Tipps. Ein Viertel Eigenkapital, kurze Zinsbindungen oder angebliche Altersgrenzen: Es kursieren viele Regeln zur Baufinanzierung, oft als Hörensagen im Freundeskreis oder als schnelle Tipps in sozialen Netzwerken. Das Problem: Solche Aussagen klingen plausibel, berücksichtigen aber selten die persönliche Situation. Für Kreditnehmer kann das zur Verunsicherung führen oder sogar zu teuren Fehlentscheidungen. Denn bei einer Baufinanzierung gibt es kaum pauschale Antworten. Immobilienexpertin Jennifer Radke von Schwäbisch Hall räumt mit fünf weitverbreiteten Mythen auf und erklärt, worauf es bei der Finanzierung einer Immobilie wirklich ankommt. Mythos 1: Kein Kredit ohne 20 Prozent Eigenkapital Kaum eine Faustregel hält sich so hartnäckig wie diese: Mindestens 20 Prozent Eigenkapital seien zwingend notwendig, sonst gebe es keine Finanzierung. Doch genau hier wird häufig Empfehlung mit Voraussetzung verwechselt. "20 Prozent Eigenkapital sind nicht zwingend notwendig, um eine Baufinanzierung zu erhalten", erklärt Jennifer Radke. Dennoch gilt: Je mehr Eigenkapital Sie mitbringen, desto besser fallen in der Regel die Konditionen aus und desto geringer ist das finanzielle Risiko. Ohne Kredit kein Eigenheim: Worauf Banken achten und wie Sie Ihre Chancen verbessern Kreditwürdigkeit steigern: Diese Faktoren sind entscheidend Wie viel Eigenkapital sinnvoll ist, hängt unter anderem vom Zinsniveau, dem Objekt und der persönlichen Bonität ab. Wichtig ist vor allem, dass Sie die Kaufnebenkosten aus eigenen Mitteln decken können, also etwa Grunderwerbsteuer, Notar und Grundbucheintrag . Je nach Bundesland liegen diese Kosten oft bei rund 10 bis 15 Prozent des Kaufpreises. Eigenkapital bedeutet dabei nicht nur Geld auf dem Konto: Auch Bausparguthaben, Wertpapiere, Lebensversicherungen oder ein bereits vorhandenes Grundstück können in die Finanzierung einfließen. Mythos 2: Lange Zinsbindung lohnt sich nie – sie ist nur teuer Tatsächlich gilt: Eine lange Zinsbindung kostet meist etwas mehr als eine kurze. Doch automatisch schlechter ist sie deshalb nicht. Denn wer sich langfristig bindet, gewinnt vor allem eines: Sicherheit. "Man kauft sich gewissermaßen Sicherheit ein", sagt Radke. Während kurze Zinsbindungen stark vom aktuellen Zinsniveau abhängen, werden bei langen Laufzeiten mögliche Zinssteigerungen bereits eingepreist. Wie wichtig das sein kann, zeigt der Blick zurück auf die Niedrigzinsphase vor rund zehn Jahren: Viele Kreditnehmer profitierten damals von historisch günstigen Zinsen. "Wer sich diese Konditionen nicht langfristig gesichert hat, sieht sich heute bei der Anschlussfinanzierung mit weit höheren Zinsen konfrontiert", erklärt Radke. Teure Anschlussfinanzierung: So sichern Sie Ihr Eigenheim trotz steigender Zinsen Immobilienkredit in Gefahr: So retten Sie Ihr Eigenheim vor der Zwangsversteigerung Welche Laufzeit passt, hängt daher vor allem vom Sicherheitsbedürfnis ab: Wer langfristig planen möchte, entscheidet sich häufig für eine längere Zinsbindung. Wer flexibel bleiben will, wählt eher kürzere Zeiträume. Mythos 3: Hauptsache, die Rate ist niedrig – dann ist alles sicher Eine niedrige Monatsrate wirkt zunächst beruhigend. Doch sie kann langfristig teuer werden. Denn häufig sparen Kreditnehmer nicht am Kredit selbst, sondern an der Tilgung. Genau das verlängert die Laufzeit und treibt die Gesamtkosten deutlich nach oben. Eine zu niedrige Tilgung hält zwar die Rate klein, sorgt aber dafür, dass das Darlehen über Jahrzehnte kaum schrumpft. Schon 100 oder 200 Euro mehr im Monat können über 20 bis 40 Jahre einen erheblichen Unterschied machen. Entscheidend ist daher nicht die niedrigste Rate, sondern eine solide Haushaltsrechnung: Sie brauchen eine Tilgung, die das Darlehen spürbar reduziert und gleichzeitig genug Spielraum für Rücklagen lässt. Mythos 4: Ab 50 ist es für einen Immobilienkredit zu spät Viele Menschen glauben, eine Baufinanzierung sei ab einem bestimmten Alter kaum noch möglich. Manche ziehen diese Grenze bereits bei 50 Jahren. Doch das ist laut Radke ein Irrtum: "Diese 'Altersgrenze' ist zu niedrig angesetzt." Entscheidend sei nicht das Alter, sondern ob Einkommen oder Rente ausreichen und die Rückzahlung realistisch planbar ist. "Auch ältere Kreditnehmer können eine Finanzierung erhalten, sofern Bonität, Einkommens- bzw. Rentensituation und Rückzahlungsfähigkeit stimmen", sagt die Expertin. Banken müssen sich dabei an gesetzliche Vorgaben und Wohnkreditrichtlinien halten. Sie müssen sicherstellen, dass ein Darlehen innerhalb der erwarteten Lebenszeit zurückgezahlt werden kann. In der Praxis bedeutet das häufig: Die Laufzeit muss so gestaltet sein, dass die Finanzierung spätestens vor dem 75. Geburtstag endet. Mythos 5: Bankberater kümmern sich um alles – Sie müssen nur unterschreiben Eine gute Beratung ist bei der Baufinanzierung entscheidend. Aber sie ersetzt nicht die eigene Vorbereitung. "Eine Baufinanzierung ist immer ein Zusammenspiel aus Beratung und Vorbereitung", betont Radke. Wer sich nur auf den Berater verlässt, riskiert, wichtige Punkte zu übersehen. Denn am Ende geht es um langfristige Verpflichtungen, die Sie über viele Jahre finanziell binden. Damit eine Bank überhaupt seriös prüfen kann, ob eine Finanzierung tragfähig ist, brauchen Kreditnehmer vollständige Unterlagen. Dazu gehören Einkommens- und Eigenkapitalnachweise ebenso wie Objekt- und Grundstücksdokumente. Nur dann ist eine individuelle Beratung möglich. Und ebenso wichtig: Sie sollten bewusst einen Berater wählen, zu dem Vertrauen besteht. Schließlich treffen Sie Entscheidungen, die Ihr Leben über Jahrzehnte prägen können.
