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Bitcoin unter Druck: Kryptowährung verliert ein Drittel seit Rekordhoch

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Der Bitcoin-Kurs fällt deutlich, während Anleger das Weite suchen. Welche Kräfte den Markt bremsen und woran sich jetzt entscheidet, wie es weitergeht. Anfang der Woche rutschte die älteste Kryptowährung Bitcoin zeitweise unter 75.000 US-Dollar und erreichte damit Kursniveaus, die zuletzt im April 2025 zu sehen waren. Seit dem Rekordhoch im Oktober hat Bitcoin mehr als ein Drittel seines Werts eingebüßt, ein Verlust von rund 800 Milliarden US-Dollar an Marktwert. Während viele Anleger gehofft hatten, dass Kryptowährungen von einer unter US-Präsident Donald Trump erwarteten kryptofreundlichen Regulierung profitieren würden, entwickelte sich der Markt in eine andere Richtung. Statt Bitcoin standen zuletzt Gold und Silber im Fokus – mit deutlich besserer Wertentwicklung. Doch warum geraten Kryptowährungen so stark unter Druck? Und ist der aktuelle Rückgang bereits eine Chance zum Einstieg oder drohen weitere Verluste? Breiter Abverkauf auch bei Kryptowerten Der Kursrutsch bei Bitcoin kommt nicht aus dem Nichts. Er ist Teil eines breiten Abverkaufs an den globalen Finanzmärkten. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang von einem sogenannten Risk-off-Modus. Das bedeutet: Anleger meiden riskante Anlagen und parken ihr Geld lieber in als sicher geltenden Vermögenswerten. Besonders auffällig sei dabei die Entwicklung bei Edelmetallen, sagt Johanna Belitz, Head of Nordics beim Krypto-Emittenten Valour. Gold hatte innerhalb von sechs Monaten um mehr als 50 Prozent zugelegt, verlor dann aber binnen einer Woche rund elf Prozent. Silber brach sogar um fast 30 Prozent ein. "Die These, dass Kapital aus Gold in Bitcoin umgeschichtet wird, hat sich bislang nicht bestätigt", erklärt Belitz. Stattdessen ziehen Anleger offenbar Kapital aus mehreren Anlageklassen gleichzeitig ab. Risiken befeuern die Rally: Gold springt über 5.000 Dollar – jetzt zuschlagen? Währung erreicht Vierjahrestief: Trump: "Wert des Dollars ist großartig" Auch Maximilian Wienke, Marktanalyst beim Handelsportal eToro, sieht keinen klassischen Crash, sondern einen Stimmungswechsel. Kryptowährungen seien derzeit schlicht nicht mehr gefragt. Die oft bemühte Idee vom Bitcoin als "digitalem Gold" greife kurzfristig nicht. "Kapital fließt nicht in das Neue oder Innovative, sondern in das Vertraute und Bewährte", so Wienke. Krypto im Bärenmarkt gefangen Viele Marktbeobachter sprechen inzwischen von einem Bärenmarkt. Ein Bärenmarkt beschreibt eine Phase, in der Kurse über längere Zeit fallen und die Stimmung überwiegend pessimistisch ist. Laut Jasper de Maere, Desk-Stratege beim Krypto-Handelshaus Wintermute, treffen derzeit mehrere Belastungsfaktoren gleichzeitig aufeinander. Zum einen schwächelt der Technologiesektor. Enttäuschende Quartalszahlen der großen US-Techkonzerne, auch als "Magnificent Seven" bezeichnet, haben das zuvor dominante KI-Narrativ ins Wanken gebracht. Diese Skepsis überträgt sich auch auf Bitcoin, der von vielen Anlegern ähnlich wie eine Tech-Aktie gehandelt wird. Hinzu kommt der abrupte Preisverfall bei Gold und Silber. De Maere spricht von einer heftigen Korrektur bei Edelmetallen. Solche Bewegungen zwingen Investoren häufig dazu, Positionen abzubauen, um Verluste auszugleichen. Davon bleiben auch Kryptowährungen nicht verschont. Wenn selbst klassische Krisenwerte schwanken, sinkt die Risikobereitschaft insgesamt. Ein dritter Faktor ist die geldpolitische Unsicherheit in den USA . Die mögliche Nominierung von Kevin Warsh als neuem Chef der US-Notenbank Fed verunsichert die Märkte. Für Anleger ist entscheidend, ob die Notenbank künftig eher hohe Zinsen beibehält oder diese senkt. Die Unklarheit darüber belastet besonders riskante Anlagen wie Kryptowährungen. Zusätzlich löst die Politik Unsicherheit aus. Der sogenannte Clarity Act, der eigentlich klare Regeln für den Kryptohandel schaffen sollte, kommt nicht voran. Anders als im Krypto-Winter 2022 fehlt zwar ein großer Skandal wie der Zusammenbruch der Börse FTX. Doch auch ohne ein solches Ereignis ziehen sich viele Investoren zurück. Der aktuelle Abschwung sei daher "weniger ein systemischer Kollaps als vielmehr eine vorsichtige Neubewertung von Risiken in unsicheren Zeiten", betont de Maere. Strategy liefert neue Quartalszahlen Besonders im Fokus stehen sogenannte Bitcoin-Treasury-Firmen, die große Mengen der Kryptowährung in ihrer Bilanz halten. Dazu zählt das US-Unternehmen Strategy rund um Michael Saylor. Bitcoin ist erstmals seit 2023 unter den durchschnittlichen Einstiegspreis von Strategy gefallen. Dieser liegt bei 76.037 US-Dollar. Gleichzeitig notiert die Aktie des Unternehmens mehr als 70 Prozent unter ihrem Rekordhoch. Das erhöht den Druck auf das Geschäftsmodell, das stark auf steigende Bitcoin-Kurse setzt. Trotzdem kauft Strategy weiter Bitcoin, auch im Januar. Laut Wienke ist das ein zweischneidiges Signal. Einerseits zeige es Überzeugung und langfristiges Denken. Andererseits wachse die Skepsis gegenüber einem Modell, das auf dauerhaft steigende Kurse und einen hohen Aktienaufschlag angewiesen ist. Umso gespannter blicken Anleger auf die Quartalszahlen, die das Unternehmen am Donnerstag vorlegt. Endet der Abverkauf oder geht es noch tiefer? Für die Kryptoexpertin Belitz ist es entscheidend, dass der aktuelle Abverkauf weniger durch kryptospezifische Probleme ausgelöst wurde. Stattdessen spielten geopolitische Krisen und regulatorische Unsicherheiten die Hauptrolle. Solche Phasen massiver Verkäufe habe es in der Vergangenheit immer wieder gegeben, doch sie seien meist von begrenzter Dauer, erklärt Belitz. Sobald stark gehebelte Positionen abgebaut seien, also Investments, die mit geliehenem Geld finanziert wurden, und Vermögenswerte in die Hände langfristig orientierter Anleger übergingen, entstehe häufig die Grundlage für eine Stabilisierung. Voraussetzung sei allerdings, dass sich das makroökonomische Umfeld wieder aufhelle. Aus technischer Sicht sehen Analysten eine entscheidende Zone zwischen 72.850 und 79.000 US-Dollar. In diesem Bereich habe sich der Kurs bereits im vergangenen Jahr stabilisiert, sagt Wienke. Hält diese Unterstützung, könnte eine technische Erholung folgen – mit Signalwirkung für den gesamten Kryptomarkt. Fällt Bitcoin jedoch darunter, droht ein schneller Rückgang in Richtung 60.000 US-Dollar. Für Anleger ist die aktuelle Phase damit ein echter Stresstest.