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Olympia: Rodel-Star Julia Taubitz im Interview

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Julia Taubitz träumt von Olympia-Gold. Ausgerechnet ein Sturz bei den letzten Spielen half ihr, eine bessere Athletin zu werden. Profitiert sie davon in Cortina? Viermal in Folge hat Spitzenrodlerin Julia Taubitz zuletzt den Gesamtweltcup im Einsitzer gewonnen. Wenig verwunderlich, dass die 29-Jährige aus Annaberg-Buchholz in Sachsen als große Medaillen-Hoffnung bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo an den Start geht. Neben ihrer Gold-Mission möchte sie das Erlebnis Olympia in vollen Zügen auskosten. Dabei hat sie an ihre letzten Spiele vor vier Jahren keine guten Erinnerungen. Doch aus einem folgenschweren Sturz, der sie eine Medaille kostete, zog sie neue Kraft. t-online: Frau Taubitz, Olympia steht vor der Tür. Ist die Aufregung schon greifbar oder sind Sie noch voll auf den Weltcup fokussiert? Julia Taubitz: Mitte Januar hatten wir die Olympia-Einkleidung. Das war ein Tag, an dem du es noch mal viel mehr realisierst. Das war auch vor vier Jahren so. Klar freut man sich, wenn man die Qualifikation geschafft hat, aber es wird erst real, wenn du bei der Einkleidung bist. Wir haben jetzt die letzten Weltcuprennen vor den Spielen hinter uns, nun geht der Blick richtig in Richtung Olympia. Macht man in der Vorbereitung auf eine Olympiasaison etwas anders als in einer normalen Saison, um zum Höhepunkt voll da zu sein? Eigentlich sagt man ja, man soll nicht zu viel umstellen. Jetzt war es aber so, dass wir einen Trainerwechsel an unserem Stützpunkt in Oberhof hatten und ich neben Andi Langenhan nun mit Claudia Holzhäuser eine neue Trainerin an meiner Seite habe. Jeder hat von ihnen ein individuelles Trainingsprogramm bekommen und konnte an seinen Stärken und Schwächen arbeiten. Etwas umgestellt habe ich das Athletiktraining deshalb schon, aber die grobe Struktur ist gleich geblieben. Wie muss man sich die Zeit zwischen zwei Weltcups vorstellen? Wie ist die Aufteilung zwischen Regeneration und Training? Der Montag ist entweder frei oder Reisetag. Wenn wir am neuen Ort ankommen, versuche ich, am Anreisetag oder am Tag darauf eine Runde zu joggen. Dienstags oder mittwochs steht Krafttraining auf dem Programm, Donnerstag und Freitag etwas Aktivierung. Dazu haben wir jeden Tag maximal zwei Läufe auf der Rodelbahn. Für die Regeneration zwischendurch haben wir zwar immer Physiotherapeuten dabei, aber ich finde, man kann mittlerweile auch viel selbst machen. Ich arbeite etwa mit der Faszienrolle und den Ryzr-Airboots, um die Beine zu lockern und die Flüssigkeit herauszubekommen. Dadurch muss ich nicht ständig zum Physiotherapeuten rennen. Man wird ja auch nicht jünger und muss darauf achten, dass der Körper immer noch gut mitmacht ( lacht ). Zurück zu Olympia: Sie gehen als mehrfache Weltcup-Gesamtsiegerin als Medaillenfavoritin in die Spiele. Mit welchem Ergebnis sind es für Sie gute Spiele? Zufrieden bin ich, wenn ich weiß, dass ich alles gegeben habe. Was am Ende dabei herumkommt, werden wir sehen. Aber klar ist es mein großes Ziel und mein Traum, eine olympische Medaille zu gewinnen. Welche Farbe es dann wird, ist erst einmal egal. Die letzten Spiele 2022 in Peking verliefen für Sie mit dem Sturz, der nach Bahnrekord im ersten Durchgang Ihren Medaillentraum platzen ließ, dramatisch. Wie lange hat es gedauert, das zu verarbeiten? Es ist schon so, dass es zu meinem Leben beziehungsweise zu meiner Karriere dazugehört und ich das nicht einfach ausradieren kann. Daher hat es schon eine Zeit lang gedauert, um das abhaken zu können. Aber mittlerweile bin ich dankbar für diese Erfahrung, weil es mich persönlich und auch sportlich enorm weiterentwickelt hat. Rückschläge gehören einfach im Leben dazu. Man lernt nichts, wenn man immer nur gewinnt. Man lernt, wenn man auf die "Gusche" fällt, wenn man Fehler macht, wenn man Rückschläge erleidet. Rückblickend hat mich dieser Sturz stärker gemacht, und ich gehe jetzt als ganz andere Person an den Start, als ich es noch vor vier Jahren getan habe. Sie haben kürzlich erzählt, dass Sie seit diesem Erlebnis mit einem Mentalcoach zusammenarbeiten. Wie sieht diese Arbeit aus? Die Zusammenarbeit ist insgesamt locker und richtet sich immer nach meinem Bedarf. Die Übungen und Tools, die ich an die Hand bekomme, versuche ich regelmäßig anzuwenden, und ansonsten ist es so, dass wir im Sommer etwas weniger Kontakt haben, dafür im Winter etwas mehr – je nachdem, wie es auch läuft. In einer Woche brauche ich vielleicht mal ein bisschen mehr Input, in einer anderen Woche auch mal gar keinen. Bei Olympia finden die Rodelwettkämpfe in Cortina d'Ampezzo statt. Die Bahn dort wurde für viel Geld umgebaut. Es gab einen Testwettbewerb im November. Welchen Eindruck haben Sie von der Bahn? Mir gefällt die Bahn wirklich sehr gut. Sie ist wunderschön gelegen. Ich mag es, wenn man am Start steht und in die Berge oder in eine schöne Landschaft schauen kann. Es war zu hören, dass die Bahn noch mal komplett abgeeist worden ist und für die Spiele neu eingeeist wird. Wir werden sie also etwas anders vorfinden, als es im November beim Testwettbewerb der Fall war. Von daher werden die Karten neu gemischt, auch wenn man sich schon mal grob mit den Schwerstellen vertraut machen konnte. Weil sich das IOC mehr Nachhaltigkeit auf die Fahne geschrieben hat, sind die Spiele sehr dezentral, an bereits bestehenden Wettkampfstätten. Fürchten Sie, dass darunter das Olympia-Feeling leidet? Dass man heutzutage nachhaltiger denkt, das gehört einfach dazu, keine Frage. Und ich glaube, dass das olympische Flair trotzdem aufkommen wird. Es gibt überall kleine Dörfer, an denen auch andere Athleten am gleichen Ort sind. Als aktive Athletin habe ich bisher nur Peking als Vergleich, das von Corona geprägt war. Daher bin ich überzeugt: Egal, wie es wird, der olympische Spirit wird diesmal noch viel mehr zu spüren sein als 2022. Mit meiner Freundesgruppe haben wir zudem geplant, über die kompletten Spiele zu bleiben und andere Sportarten zu besuchen, sodass wir das olympische Flair richtig aufsaugen können. Haben Sie schon Wettbewerbe im Auge, die Sie gerne sehen möchten? Unsere Rodelwettkämpfe sowieso. Darüber hinaus wollen wir uns Biathlon, Skispringen und Langlauf ansehen. In Mailand möchten wir zum Eiskunstlauf , Shorttrack und Eishockey . Anschließend fahren wir weiter in die Schweiz. Dort haben wir in St. Moritz unseren nächsten Weltcup ( ab 28.2., Anm. d. Red. ). Wir trainieren morgens, und nachmittags fahren wir nach Livigno zum Slope Style und zu den Ski-Freestyle-Wettbewerben. Wir decken also schon den größten Teil ab und können so auch die vollen drei Wochen unsere wunderschöne Olympia-Kleidung tragen ( lacht ). Klingt nach einem spannenden Olympia-Rundumprogramm. Wer reist mit Ihnen? Das sind Rodelkolleginnen. Wir haben schon seit ein paar Jahren eine Mädelsgruppe. Dazu gehören Lisa Schulte, Madeleine Egle und Hanna Brock aus Österreich, Sandra Robatscher und Andrea Vötter aus Italien sowie Natalie Maag aus der Schweiz. Wir fahren immer einmal im Jahr zusammen in den Sommerurlaub. Bei Olympia sind wir erst mal nur zu dritt: Natalie, Lisa und ich. Die anderen überlegen noch, ob sie mitkommen. Sie sind jetzt 29 Jahre alt. Werden dies Ihre letzten Olympischen Spiele oder haben Sie 2030 in Frankreich fest im Blick? Fest im Blick nicht, aber 2030 schimmert am Horizont. Ich halte es mir offen. Ich plane zurzeit immer zwei bis vier Jahre voraus. Zum einen kommt es auf den Spaß und auch den Erfolg an, wie lange ich weitermache. Und darauf, wie der Körper mitmacht. Der größte Teil hängt aber vom Privaten ab, weil ich gerne noch Mama werden möchte – und das nicht zu alt ( lacht ).