Epstein-Akten: Angela Merkel und die AfD tauchen in Dokumenten auf
Aus den Epstein-Akten ergeben sich auch Bezüge zur deutschen Politik. Insbesondere die AfD und Ex-Kanzlerin Merkel sind wiederholt Thema. Die jüngste Veröffentlichung von drei Millionen Seiten aus den Akten zum Sexualstraftäter Jeffrey Epstein hat weitere Verbindungen zu bekannten Persönlichkeiten offengelegt. Von besonderem Interesse sind neue Details zu US-Präsident Donald Trump , auf den in den Dokumenten rund 38.000-mal verwiesen wird. Darunter sind auch schwere Vorwürfe gegen ihn. Auch für einige Europäer haben die Akten Konsequenzen. So trat der slowakische Außenminister Miroslav Lajčák zurück, die norwegische Diplomatin Mona Juul wurde vorläufig suspendiert und britische Ex-Minister Peter Mandelson sah sich gezwungen, aus der Labour-Partei auszutreten. Private Mails veröffentlicht: Andrew schickte Fotos seiner Töchter an Jeffrey Epstein Epstein-Dokumente: Liebevolle Mail von Melania an Ghislaine Maxwell enthüllt Doch auch Personen aus der deutschen Politik tauchen wiederholt in den Akten auf, insbesondere Angela Merkel und die AfD . Demnach tauschte sich Epstein mit mehreren Personen über die Ex-Kanzlerin aus – und äußerte sich verachtend über sie. Die meisten Verweise auf Merkel finden sich im Schriftverkehr zwischen Epstein und dem ehemaligen Trump-Berater Steve Bannon. Die beiden schrieben sich in den Jahren 2018 und 2019 regelmäßig und tauschten sich dabei auch über die europäische Politik aus, wie Auswertungen des "Spiegel" zeigen. Epstein-Akten: Bannon prahlt mit Einfluss auf die AfD So prahlte Bannon etwa damit, wie groß sein Einfluss auf die Neue Rechte in Europa sei: Er berate den französischen Front National (heute Rassemblement National), den italienischen Rechtsextremisten Matteo Salvini , Schweizer Politiker, den ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán, den Briten Nigel Farage – und auch die AfD. Im Vorfeld der Europawahlen 2019 prognostizierte er: "Wir können hier von 92 Sitzen auf 200 kommen." Sein Ziel: "Jede Krypto-Regelung oder alles, was wir wollen, beenden." Dabei ging es offenbar um die Regulierung MiCA (Markets in Crypto-Assets Regulation), die einheitliche Regeln für Kryptowährungen festlegen sollte. Wie von Bannon angekündigt, stellten sich die rechten Fraktionen im EU-Parlament zwar dagegen, die Regulierung wurde aber dennoch beschlossen. Epstein war früh an Kryptowährungen interessiert und suchte deshalb wiederholt den Kontakt zu Bannon. AfD streitet Bannon-Einfluss ab Bannon versuchte zu jener Zeit, den Einfluss der MAGA-Bewegung in Europa auszubauen. Dazu traf er sich auch mit den AfD-Chefs Alice Weidel und Tino Chrupalla sowie dem mittlerweile aus der Partei ausgetretenen Jörg Meuthen. Zudem lud die Bundestagsfraktion Bannon offenbar in den Bundestag ein, er lehnte allerdings ab. Der CDU-Bundestagsabgeordnete Johannes Volkmann sieht die Chats als Indiz für eine US-amerikanische Einflussnahme auf die AfD. "Bannon bietet über seine Beratertätigkeit für AfD und andere an, Einfluss auf europäische Krypto-Regulierung zu nehmen", schreibt er auf X. "Es ist sicher nur Zufall, dass die AfD-MdEP in der darauffolgenden Wahlperiode gegen die MiCA-Verordnung zur Regulierung von Krypto-Werten stimmten." Die AfD weist die Behauptung zurück, der US-Amerikaner habe sie beraten. "Steve Bannon hat zu keinem Zeitpunkt irgendeinen Einfluss auf unsere Partei ausgeübt, erst recht nicht zum Thema Kryptowährungen", erklärte die AfD-Bundestagsfraktion auf Anfrage von "Euronews". Es habe zu keinem Zeitpunkt ein Beratungsverhältnis bestanden. Bannon an Epstein: "May weg, Merkel am Montag" Während die AfD in den Chats positiv gesehen wird, kommt die damalige Kanzlerin Angela Merkel schlecht weg. Als Epstein Bannons "gute Arbeit" lobte, weil die britische Premierministerin Theresa May 2019 ihren Rücktritt ankündigte, antwortete der Ex-Trump-Berater: "May weg; Merkel und Macron am Montag." Dann werde die Kanzlerin "rausgeworfen". Die AfD liege bereits bei zwölf bis 13 Prozent. Offenbar spielte er dabei auf die bevorstehenden Europawahlen an, die allerdings keinen Einfluss auf die Posten von Merkel oder dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron hatten. Am Wahlabend schickte er dann Wahlhochrechnungen und bemühte den Begriff "D-Day", eine Referenz auf die Landung der Alliierten im Zweiten Weltkrieg an, die den Weg für die Befreiung Westeuropas ebnete. Epstein antwortete daraufhin, er drücke die Daumen. Doch die Initiative, sich über deutsche Politik auszutauschen, kam nicht nur von Bannon. Auch Epstein ließ sich über die Kanzlerin aus. So schickte er Bannon 2018 ein Zitat von Merkel, die sich für eine Stärkung des europäischen Zusammenhalts aussprach. Zudem sagte sie in dem Zitat, die Migrationsfrage könne "Europa zerbrechen". Daraufhin forderte Epstein Bannon offenbar im Scherz auf, nach Europa zu kommen. Bannon antwortete: "Rieche die Angst." Merkel kommt in mehreren Epstein-Chats vor Allerdings kommt Merkel nicht nur in den Unterhaltungen von Bannon und Epstein vor. In den Dokumenten findet sich auch ein Chat, in dem Bannon einer anonymisierten Person schrieb, er hoffe, Merkel werde bald "unter den Bus" geraten. Eine in den Unterlagen geschwärzte Person äußerte in einem Chat mit Epstein auch Bedenken: In Deutschland sei man wegen Trumps Wahlerfolg besorgt. Man wolle daraus lernen, um den Erfolg der AfD zu verhindern. Epstein verteidigte daraufhin seinen früheren Freund Trump. Dieser sei "weder Rassist noch Sexist". Im April 2013 schickte Sultan bin Sulayem, ein Geschäftsmann aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Epstein ein Foto. Die drei darauf abgebildeten Personen sind zwar geschwärzt, allerdings ist die Aufnahme aus dem Internet bekannt. Es zeigt drei junge Frauen beim Baden. Der Absender schrieb dazu: "Kanzlerin Merkel in ihrer Jugend!" Allerdings gilt das Bild als Fälschung, Merkel ist darauf nicht zu sehen. An anderer Stelle schrieb der damalige Generalsekretär des Europarates Thorbjørn Jagland, er müsse nachher noch Merkel treffen. In weiteren Nachrichtenverlauf geht es allerdings vor allem um die Gesundheit der beiden Männer. Epstein erhält Newsletter, der Nazis verharmlost Epstein informierte sich derweil auch aus anderen Quellen über die deutsche Politik. So findet sich in seinen Mails ein Newsletter mit rechtsextremen Ansichten. Darin heißt es etwa, es gebe sicher immer noch Deutsche, "die Adolf Hitler Angela Merkel vorziehen". Aber man finde keine führenden Politiker mehr in Deutschland, die heute noch "die Noblesse der Nazis loben". In den neu veröffentlichten Epstein-Akten wird also insbesondere über deutsche Politiker gesprochen, direkten Kontakt zu Epstein hatte in den neuen Dokumenten aber niemand. Während es in anderen europäischen Ländern zu mehreren Rücktritten im Zuge der Veröffentlichung gekommen ist, ist dies in Deutschland wohl nicht zu erwarten. Epstein unterhielt einen Sexhandelsring. Er missbrauchte dabei insbesondere minderjährige Mädchen und reichte diese an zahlreiche hochrangige Personen weiter. 2008 wurde er erstmals verurteilt, erhielt aufgrund eines umstrittenen Deals aber nur eine 18-monatige Haftstrafe. 2019 wurde er dann erneut festgenommen und beging in seiner New Yorker Gefängniszelle Suizid.
