Zehn Jahre nach dem Gold-Coup: Handballer wollen EM-Titel
Die deutschen Handballer hoffen bei der EM auf den dritten Triumph nach 2004 und 2016. Torwart Wolff weiß, wie man ein Finale gewinnt. Torwart-Titan Andreas Wolff war von den vielen Fragen nach dem goldenen EM-Triumph 2016 ein wenig genervt. "Wir können das, was vor zehn Jahren war, gerne dort lassen. Jetzt haben wir eine neue Mannschaft mit einer neuen Identität und wieder die Chance, uns für ein tolles Turnier zu belohnen und Geschichte zu schreiben", sagte Wolff vor dem EM-Finale gegen Topfavorit Dänemark am Sonntag (18.00 Uhr/ZDF und Dyn) in Herning. Dabei wird auch Bundeskanzler Friedrich Merz auf der Tribüne die Daumen drücken. Am 31. Januar 2016 hatte die DHB-Auswahl dank eines 24:17-Endspielsiegs gegen Spanien sensationell EM-Gold gewonnen - mit einem überragenden Wolff im Tor. "Es war ein fantastisches Turnier, in der Form aber sicher einmalig. Deshalb sollten wir die Vergangenheit ruhen lassen und uns freuen, dass wir wieder ein Team haben, das in der Weltspitze dabei ist", sagte der 34-Jährige. Knapp eineinhalb Jahre nach Silber bei den Olympischen Spielen 2024 kehrt das Team von Bundestrainer Alfred Gislason erneut mit einer Medaille von einem großen Turnier zurück. Die Frage ist nur: Wie glänzt das Edelmetall dieses Mal? "Wir werden unser Leben auf der Platte lassen und hoffen, dass es dann Gold wird", sagte Justus Fischer. Und Kapitän Johannes Golla gab das Motto aus: "Wir wollen nicht nur Gast im Finale sein." DHB-Team in der Weltspitze angekommen Schon jetzt steht fest: Die deutsche Mannschaft hat bei diesem Turnier erfolgreich gegen alle Widerstände angekämpft und den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht. "Sie haben sich in diesem Turnier weiterentwickelt, sind abgeklärter und als Team zusammengewachsen", sagte Gislason und lobte: "Bei dieser EM ins Finale durchzugehen, ist eine sensationelle Leistung." Die soll nun mit dem dritten EM-Titel nach 2004 und 2016 gekrönt werden. "Wir werden alles mobilisieren, um noch einmal 60 Minuten Vollgas zu geben. Ich denke, wir haben noch genügend Power für das Finale und wollen es dieses Mal besser machen", sagte Rückraum-Ass Renars Uscins vor der Neuauflage des Olympia-Endspiels. Erinnerung an Olympia schmerzt Damals setzte es gegen die übermächtigen Dänen eine deftige 26:39-Pleite, die Gislason heute noch wurmt. "Für mich war das Spiel in Lille extrem bitter", räumte der Bundestrainer ein. Er sei damals richtig sauer gewesen, "weil ich das Gefühl hatte, dass die Jungs nach einer Viertelstunde das Spiel einfach verschenkt haben. Nach dem Spiel sind alle nach Paris gefahren zur Abschlussfeier, aber ich bin direkt abgehauen, weil ich so enttäuscht war über die Art und Weise, wie wir gespielt haben", erzählte der 66 Jahre alte Isländer. Dieses Mal soll alles anders werden. "Wir werden mit breiter Brust in das Finale gehen und da hoffe ich auf die beste Turnierleistung. Unser Ziel ist es, ein richtig gutes Spiel zu liefern", kündigte Gislason an und ergänzte: "Das würde der Mannschaft sehr viel bringen. Egal, für was es am Ende reicht." Der Erfolgshunger bei seinen Spielern ist definitiv größer geworden. "Ich habe ein anderes Gefühl als in Lille. Da sind wir uns einfach in die Arme gefallen und haben geschrien: Wir haben eine Medaille, wir haben eine Medaille. Danach haben wir vielleicht ein bisschen abgeschaltet", sagte Spielmacher Juri Knorr im Rückblick. Am Sonntag sei das Ziel, "dass wir auf Augenhöhe rein gehen und uns nicht scheuen. Ich glaube, wir sind bereiter für das Spiel. Dänemark hat alles zu verlieren, wir nichts", sagte der 25-Jährige. Wie stoppt man Welthandballer Gidsel? Entscheidend wird sein, den starken dänischen Rückraum mit Welthandballer Mathias Gidsel vom deutschen Meister Füchse Berlin und dem Flensburger Simon Pytlick besser in den Griff zu bekommen als bei der 26:31-Niederlage in der Hauptrunde. "Sie sind für über 50 Prozent der Tore direkt verantwortlich. Die beiden komplett auszuschalten, braucht man gar nicht erst zu versuchen", sagte Wolff. Der 34-Jährige wird mit seinem 42. EM-Einsatz zum alleinigen Rekordspieler in Deutschland vor Klaus-Dieter Petersen (41). "Das ist natürlich eine Ehre und ein Zeugnis von langer, harter Arbeit", sagte Wolff dazu. Viel wichtiger wäre ihm aber ein Sieg im Finale: "Es muss ziemlich viel passen, um die Dänen zu schlagen. Aber wir wollen uns zum Europameister küren."
