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Январь
2026

Handball-EM: DHB-Jungstar Fischer verteidigt Handballer ins Finale

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Mit einer bärenstarken zweiten Halbzeit sicherte sich das DHB-Team den Einzug ins EM-Finale. Ein Jungstar wurde zum Schlüsselspieler – und möchte seinen Trophäenschrank erweitern. Aus Herning berichtet Nils Kögler Von Bundestrainer Alfred Gíslason gab es einen anerkennenden Schubser in den Rücken. Als Justus Fischer in der Interviewzone der Jyske Bank Boxen nach dem Halbfinalsieg der deutschen Mannschaft bei der Handball-EM gerade Rede und Antwort stand, musste er seine Ausführungen kurz unterbrechen, um sich das stille wie physische Lob seines Trainers abzuholen. Handball-EM 2026: So sehen Sie die Titelmission der DHB-Auswahl live Spielplan, Orte, Modus: Das Wichtigste zur Handball-EM der Männer in der Übersicht Zuvor war Justus Fischer derjenige gewesen, der als Teil einer mal wieder starken Defensive seine Gegner aus Kroatien herumgeschubst und damit den Finaleinzug gesichert hatte. Dabei sah es in der ersten Halbzeit lange nicht so aus, als könne die Abwehr an ihre starken Turnierleistungen anknüpfen. Insbesondere aus dem Rückraum ließ sie zu viele Würfe und Tore zu. Mehr als einmal herrschte Torhüter Andreas Wolff seine Vorderleute heftig an. Doch mit Beginn der zweiten Halbzeit kam die Wende. Eine Viertelstunde entschied die Partie – und mittendrin war der Jungstar, der weiß, wie man Titel gewinnt. Deutsches Tor plötzlich vernagelt Immerhin mit einer Zwei-Tore-Führung kam die DHB-Auswahl aus der Halbzeit. Gleich zu Beginn der zweiten Hälfte konnten die Kroaten auf 17:16 verkürzen – doch dann war das deutsche Tor auf einmal wie vernagelt. Die deutsche Defensive bestehend aus Kapitän Johannes Golla und Jungstar Justus Fischer im Innenblock sowie Julian Köster und Matthes Langhoff auf Halb blockten die Rückraumwürfe der Kroaten plötzlich reihenweise und ab und ließen sie auch sonst nicht mehr passieren. Fünf Tore in Folge erzielten die Deutschen, Mitte der ersten Halbzeit betrug die Führung plötzlich sieben Tore. Die entscheidende Phase im Spiel, denn auch mit einer Aufholjagd gegen Ende der Partie konnten die Kroaten dieses Defizit nicht mehr gutmachen. "Der Start in die zweite Halbzeit war richtig stark von uns", freute sich der unmittelbar beteiligte Kapitän Golla. "Vor allem haben wir hinten die Bälle geholt und vorne dann auch gefühlt in jedem Angriff getroffen. Das hat uns am Ende auch gerettet, weil hinten raus wurde es ein bisschen zittrig", gab er zu. Das war unfassbar "Das war schon eine sehr starke Abwehrleistung nach der Pause", freute sich auch Bundestrainer Gíslason und stellte fest: "Ich glaube, da haben wir das Spiel endgültig gewonnen, kann man sagen. Die Kroaten kamen gar nicht dagegen mit ihrer ersten Sieben." Spielmacher Juri Knorr , der zu dem Zeitpunkt auf Außen verteidigte, lobte die Leistung ebenfalls. "Ich stand da auf Außen und habe zugeschaut", sagte er mit einem Lächeln. "Es war Wahnsinn, wie Golli, Fischi und Julian da gekämpft haben und eigentlich nichts zugelassen haben", so Knorr weiter. Zusammen mit Andreas Wolff im Tor sei das "der Schlüssel für diesen Sieg" gewesen. Torwart David Späth bescheinigte der Abwehr eine "Wahnsinns-Leistung" und Rune Dahmke analysierte ebenfalls, dass genau das "den Kroaten den Zahn gezogen" habe. Lukas Zerbe, mit sechs Toren bester deutscher Werfer, sah den Schlüssel ebenfalls in der Defensive: "Was die Jungs da hinten wieder weg geblockt haben, das war unfassbar." "Das ist rekordverdächtig" Besonders in Erinnerung blieb jedoch vor allem Justus Fischer. Der junge Kreisläufer vom TSV Hannover-Burgdorf begeisterte mit einer Szene gleich zu Beginn der Halbzeit, bei der er die kroatische Offensive fast im Alleingang verzweifeln ließ. "Justus Fischer hat in einem Angriff dreimal den Ball geblockt. Das ist überragend, rekordverdächtig in meinen Augen", feierte Torwart Wolff seinen Teamkollegen für die Szene. Auch Torwart-Kollege David Späth staunte: "Was Fischi abgerissen hat in der Zeit – gefühlt acht Blocks und diese Körpersprache – das war der Wahnsinn." Renārs Uščins wollte sogar den Preis für den Spieler des Spiels, der am Ende an Torhüter Wolff ging, lieber an seinen Hannover-Teamkollegen geben: "Er war für mich der Man of the Match, weil er hat die Dinge gemacht, die keiner sonst sieht", so Uščins. "Er stand in der Abwehr extrem gut, hat die Kroaten weg verteidigt, drei Blocks in einem Angriff gemacht", lobte er weiter. "Er hat für uns den Grundstein gelegt, dass die Abwehr sehr gut stand." DHB-Sportvorstand Ingo Meckes ging sogar noch weiter und hob den erst 22-jährige Fischer als zentralen Bestandteil des deutschen Spiels hervor: "Er ist ganz wertvoll für unser Spiel", sagte er. "Es ist egal, wann er reingeworfen wird, er performt bei dieser Euro und er setzt Akzente. Das mit 22 Jahren. Das ist wunderschön. Er arbeitet und hat einen Stellenwert in der Mannschaft. Er liefert ab und das hat er heute wieder gemacht", schwärmte er. "Habe mich in einen Flow verteidigt" Der Gelobte selbst präsentierte sich nach der kleinen Unterbrechung durch den Schubser des Bundestrainers dann ebenfalls überglücklich: "Es kam alles zusammen und ich bin sehr happy darüber", sagte er. "Ich habe mich in einen Flow verteidigt", stellte er fest und sagte stolz: "Ich würde schon sagen, dass es eins meiner besten Spiele war und in so einem Spiel bin ich natürlich sehr froh darüber, dass es heute funktioniert hat." Mit Blick auf das Endspiel am Sonntag (ab 18 Uhr im Liveticker bei t-online) gegen Gastgeber, Olympiasieger und Weltmeister Dänemark schickte er gleich eine Kampfansage hinterher: "Wenn wir über 60 Minuten unsere Leistung bringen, stehen uns die Türen offen. Gold ist möglich." Wie es sich anfühlt, eine Goldmedaille zu gewinnen, weiß Fischer nur zu gut. Mit der deutschen U19 gewann er 2021 die Europameisterschaft , mit der U21 ließ er 2023 den Weltmeistertitel folgen. Am Sonntag soll nun die erste Goldmedaille mit der A-Nationalmannschaft hinzukommen.