Kamila Walijewa: Gefallene Eisprinzessin will zurück, mit Putins Hilfe
Bei der Olympiade in Peking trat sie als Jahrhunderttalent an. Doch vom Eis ging eine gebrochene Eisprinzessin. Nun kämpft sie um ihr Comeback – mit mächtiger Unterstützung. Mit 15 Jahren hat Kamila Walijewa Geschichte geschrieben : Als erste Eiskunstläuferin zeigte sie zwei Vierfachsprünge: einen Toeloop und einen Salchow. Eine Sensation bei den Olympischen Spielen in Peking 2022. Die russische Sportlerin galt nach dieser Leistung im Teamwettbewerb über Nacht als Jahrhunderttalent. In den Hauptwettbewerb ging sie als Gold-Favoritin. Doch der Sturz der Eisprinzessin folgte noch schneller als ihr Aufstieg. Denn in den wenigen Tagen zwischen dem Teamwettbewerb und dem Wettbewerb der Frauen schlitterte Walijewa ins Zentrum eines Dopingskandals. Eiskunstlauf bei Olympia : Tragisches Finale – Kamila Walijewa stürzt bei der Kür Doping-Skandal im Eiskunstlauf : Kamila Walijewa wird vor der ganzen Welt vorgeführt In einer Probe, die Walijewa im Rahmen der russischen Meisterschaften im Dezember 2021 abgegeben hatte, wurde Trimetazidin nachgewiesen – ein Herzmedikament, das im Sport als Dopingmittel eingesetzt wird, um die Energie- und Sauerstoffversorgung der Muskelzellen zu gewährleisten. Dies verkürzt die Erholungszeit und begünstigt den Aufbau von Muskelmasse. Das Wunderkind zerbricht Unter Vorbehalt durfte Walijewa dennoch zu dem Einzelwettbewerb bei der Olympiade antreten. Das IOC machte aber deutlich, dass man vorläufig auf eine Medaillenzeremonie verzichten würde, sollte sie es aufs Siegertreppchen schaffen. Als Walijewa schließlich zu ihrer Kür auf das Eis trat, ruhten die Augen der gesamten Sportwelt auf ihr. Und vor den Augen der ganzen Welt zerbrach das Wunderkind. Die vierfachen Sprünge, mit denen sie im Teamwettbewerb Olympia-Geschichte geschrieben hatte, stand sie nicht. Sie stürzte, traf falsche Entscheidungen und verließ das Eis in dem Wissen um ihr Scheitern. Urteil um Eiskunstlauf-Star: Entsetzte Reaktionen auf Olympia-Start von Kamila Walijewa Der internationale Sportgerichtshof CAS sperrte Walijewa schließlich für vier Jahre. Die Strafe begann rückwirkend am 25. Dezember 2021. Walijewa verlor das Gold der Europameisterschaft 2022, die Goldmedaille (2021), die Silbermedaille (2022) und die Bronzemedaille (2023) der Russischen Meisterschaft und das Silber des Russland-Grand-Prix (2023). Doch jetzt ist die Sperre abgelaufen. Und die gefallene Eisprinzessin will auf ihre Bühne zurück. Der Fall Walijewa: Was bringt eigentlich Doping im Eiskunstlauf? Kamila Walijewa verkündet ihre Rückkehr "Freunde, ich habe eine Nachricht für euch: Ich kehre aufs große Eis zurück", verkündete die heute 19-Jährige in ihren sozialen Netzwerken. "Natürlich bin ich sehr aufgeregt, aber noch viel mehr freue ich mich auf den Moment, wenn ich bei der Russischen Meisterschaft wieder den Wettkampf-Nervenkitzel spüren werde." Eine Eisprinzessin für Peskows Gattin Am 31. Januar ist es so weit. In der Moskauer Nawka Arena wird Walijewa nach der langen Wettkampfpause zeigen müssen, ob sie erneut in die Weltspitze vorstoßen kann. Dabei wird sie den Vorteil des Heimspiels haben. Denn die Zeit ihrer Sperre hat Walijewa hier verbracht – in den Hallen der Nawka Arena: Mal als Rattenkönigin im "Nussknacker", mal als Odile in "Schwanensee" oder Lea in "Dornröschen". Eis-Shows genießen in Russland hohe Popularität. Die konkurrierenden Eiskunstschulen verdienen an ihnen Millionen. Hier werden die nächsten Eisprinzessinnen herangezogen – oder gefallene untergebracht. So schlüpfte auch Walijewa unter die Schirmherrschaft einer Frau, die mit der Arena sich selbst ein Denkmal gesetzt hat: Tatjana Nawka. Nawka ist ihrerseits Olympiasiegerin im Eistanz (2006), zweifache Weltmeisterin (2004, 2005) und dreifache Europameisterin. Doch es sind nicht ihre Titel und sportlichen Erfolge, die ihr eine Arena in Moskau beschert haben. Es ist ihre Heirat mit Dmitrij Peskow, dem getreuen Pressesprecher Wladimir Putins. Eine Arena für Tatjana Nawka 2012 verließ der Kremlsprecher seine damalige Frau für Nawka. Die Hochzeit folgte 2015 – und mit ihr der finanzielle Erfolg und Aufstieg der Olympiasiegerin. Die Eröffnung ihres eigenen Arena-Komplexes in Moskau 2025 ist der vorläufige Höhepunkt dieser Allianz. Mit der Nawka Arena erhielt die Peskow-Gattin nicht nur eine moderne Bühne für riesige Eis-Spektakel in bester Moskauer Lage, sondern auch eine gut ausgestattete Anlage für ihre Eiskunstschule. Im vergangenen Sommer wechselten mehrere starke Trainergruppen zu Nawka. Und auch einige Athleten verließen ihre bisherigen Trainer und Schulen, um zu Nawka zu wechseln. Unter ihnen: Kamila Walijewa. Im Oktober 2025 wurde bekannt, dass Walijewa ihre Trainerin wechselt und der Eiskunstlauf-Akademie von Tatjana Nawka beitritt. Somit wurde der Bruch zu ihrer bisherigen Trainerin Eteri Tutberidze offiziell. Die Eiskönigin Eteri Tutberidze Es war Tutberidze, die Walijewa zu dem Olympia-Erfolg von 2022 dressiert hatte. Als Walijewa das Eis in Peking nach ihrer Kür unter Tränen verließ, war es Tutberidze, die ihr eine Standpauke hielt. Dem gesamten russischen Team stand damals der Schock ins Gesicht geschrieben. Nur eine behielt die Maske der Eiskönigin an: Eteri Tutberidze. Die Bilder gingen damals um die Welt. International geriet Tutberidze in die Kritik. Doch ihrem Erfolg konnte dies nichts anhaben. Ihre Schützlinge gewannen in Peking Gold und Silber – ungeachtet des Misserfolgs von Walijewa. Tutberidze schickt wieder Hoffnungsträger zu Olympia Auch in Russland regte sich Kritik an Tutberidze. Es kam der Verdacht auf, sie könnte Walijewa vorsätzlich fallen gelassen haben, damit es nicht zu peinlichen Szenen kommt. Denn hätte sie eine Medaille gewonnen, hätte sie diese nach dem Doping-Urteil wieder abgeben müssen. Tatjana Tarassowa – legendäre Eiskunstläuferin, Trainerin und eine Instanz im russischen Eiskunstlauf – wagte sogar die Äußerung, dass Sportler generell Tabletten nur aus der Hand ihres Trainers nehmen. Und dass Tutberidze, entgegen ihren Behauptungen, von dem Trimetazidin gewusst haben muss. Damit legte Tarassowa die Schlussfolgerung nahe, dass Tutberidze ihrem Schützling das Dopingmittel verabreicht hat. Doch auch das konnte Tutberidze, die in Russland einen gottähnlichen Status genießt, nichts anhaben. Denn Medaillen haben Vorrang. Bei der Olympiade 2026 sind ihre Schüler und Schülerinnen wieder die russischen Hoffnungsträger. Auch wenn sie nicht unter der russischen Fahne auftreten dürfen. Der Kampf um die Herrschaft im russischen Eiskunstlauf-Reich Walijewa wird bei der Olympiade in Italien nicht dabei sein. Sie wird sich ihren Platz in der Welt des Eiskunstlaufs erst wieder erkämpfen müssen. Doch mit Tatjana Nawka hat sie die richtige Verbündete an ihrer Seite. Die Peskow-Gattin scheint Tutberidze zum Kampf um die Herrschaft im russischen Eiskunstlauf-Reich herauszufordern. Außer Walijewa wechselten mehrere weitere Läufer von Tutberidze in ihre Schule. Ob Walijewa unter der Ägide von Nawka wieder zur Höchstform auflaufen kann, wird sich bei der Russischen Meisterschaft zeigen. Die Nähe zum Kreml hat sich für sie aber bereits gelohnt. Einen Monat nach dem CAS-Urteil zu ihrer Speere tauchte Walijewa überraschend bei der Eröffnungszeremonie des Turniers "Spiele der Zukunft" in Kasan auf. Dort saß sie zur Linken von Wladimir Putin . Wladimir Putin nimmt Kamila Walijewa in Schutz Der Auftritt löste in Russland wilde Spekulationen aus. Beobachter stellten eine große Ähnlichkeit zwischen Walijewa und Putins langjähriger geheimer First Lady Alina Kabajewa fest. Nicht nur äußerlich ähneln sich die beiden Frauen: Beide sind Olympia-Athletinnen. Der Kremlchef ließ es sich zumindest nicht nehmen, mehrfach die gefallene Eisprinzessin in Schutz zu nehmen. Sie habe nicht von dem Dopingmittel gewusst, sagte er erst vor einigen Monaten. "Das ist doch irgendein Unsinn", empörte sich der russische Präsident. "Nicht traditionelle Medizin" könnte zu dem für ihn unerklärlichen Befund geführt haben.
