Deutsche Bank: Details zur Razzia – und was Abramowitsch damit zu tun hat
Die Deutsche Bank steht erneut im Fokus der Justiz. Der Fall überschattet die Präsentation der Rekordgewinne des Geldhauses. Die Justiz durchsuchte am Mittwoch die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main sowie einen Standort in Berlin – ausgerechnet einen Tag vor der Bilanzvorlage des größten deutschen Geldhauses am Donnerstag. Die wichtigsten Fragen zur Razzia beantwortet t-online. Weshalb wird ermittelt? Geldwäsche. Konkret geht es nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) um Geschäfte im verschachtelten Firmenkonglomerat des russischen Oligarchen Roman Abramowitsch . Dieser steht seit 2022 auf der Sanktionsliste der EU und ließ über einen Anwalt mitteilen, ihm seien keine Ermittlungen deutscher Behörden in dieser Angelegenheit bekannt. BKA durchsucht Zentrale: Razzia bei der Deutschen Bank – Verbindung zu Oligarchen? Bestes Ergebnis der Geschichte: Deutsche Bank meldet Rekordgewinn Abramowitschs Anwalt erklärte: "Herr Abramowitsch hat stets im Einklang mit den geltenden nationalen und internationalen Gesetzen und Vorschriften gehandelt." Jede gegenteilige Behauptung sei falsch und rufschädigend. Vorwürfe, beim Thema Geldwäsche nicht genau genug hinzuschauen und Verdachtsanzeigen zu spät abgegeben zu haben, haben der Deutschen Bank schon mehrfach Ärger mit Justiz und Aufsicht eingebrockt. Ende April 2022 durchsuchten Ermittler von Staatsanwaltschaft, BKA und Bafin die Zentrale der Bank in Frankfurt . Das Institut bekam Bußgelder aufgebrummt, die Finanzaufsicht Bafin setzte bis Ende 2024 einen Sonderaufpasser ein, der überwachen sollte, welche Fortschritte die Bank bei Maßnahmen gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung macht. Linken-Chef Jan van Aken begrüßt die Ermittlungen. "Gut, dass sich heute die Polizei die Deutsche Bank vorgenommen hat", sagte er t-online. Deutschland dürfe kein Schutzraum für kriminelle Superreiche sein. Van Aken weiter: "Der Oligarch Roman Abramowitsch steht seit 2022 auf der EU-Sanktionsliste und trotzdem konnte er offenbar weiter sein Vermögen in Deutschland bewegen. So etwas ist hier möglich, weil Deutschland immer noch das Top-Geldwäscheparadies Europas ist und weil die zuständigen Behörden viel zu langsam und schlecht miteinander vernetzt arbeiten." Die Deutsche Bank gehöre "unter scharfe Aufsicht": "Wer Sanktionen unterläuft und für Oligarchen das Geld dreht, gehört vor Gericht", so van Aken. Was ist Geldwäsche? Wer Geldwäsche betreibt, verschleiert Geld, das möglicherweise aus Straftaten stammt – und führt dieses dann wieder dem "legalen Kreislauf" zu, erklärt Rechtsanwalt Jonas Hennig auf seiner Webseite. Seit einer Gesetzesverschärfung im Jahr 2021 fallen darunter nicht mehr nur Gelder aus schwerwiegenden Straftaten, sondern aus allen rechtswidrigen Taten – häufig beispielsweise aus Betrugsfällen, so Hennig. Es müsse außerdem eine Vereitelungshandlung vorliegen. Hennig weiter: "Es geht darum, die illegale Herkunft zu verschleiern. Das ist schneller erfüllt als man glaubt." Als Verschleierung gelten beispielsweise Überweisungen auf Konten ins Ausland oder die Umwandlung in Kryptowährungen. Was droht? Bankmitarbeiter sind per Gesetz verpflichtet, bei einem Verdacht, dass Kunden Gelder aus kriminellen Geschäften waschen wollen oder dass Transaktionen im Zusammenhang mit Terrorismusfinanzierung stehen, dies unverzüglich zu melden. Häufig betreffen solche Verdachtsanzeigen den Korrespondenzbankbereich. Dort hilft die Deutsche Bank mit ihrer globalen Reichweite anderen Geldhäusern bei der Abwicklung des Zahlungsverkehrs. Auf den Straftatbestand der Geldwäsche steht eine Freiheitsstrafe von drei Monaten bis fünf Jahren. In besonders schweren Fällen kann die Strafe noch höher ausfallen und bei bis zu zehn Jahren liegen. Wie reagiert die Deutsche Bank? Das Geldhaus hat volle Kooperation mit den Behörden angekündigt. Konzernchef Christian Sewing erklärte am Donnerstag: "Nach den Informationen, die uns vorliegen, geht es um Transaktionen aus den Jahren 2013 bis 2018. Ausgangspunkt ist eine vorgeblich zu spät abgegebene Geldwäscheverdachtsanzeige. Selbstverständlich arbeiten wir vollumfänglich mit den Behörden zusammen." Ebenfalls am Donnerstag verkündete die Deutsche Bank ihre Erfolgsbilanz für das vergangene Jahr. Mit gut 9,7 Milliarden Euro vor Steuern erzielte der Frankfurter Dax-Konzern im Jahr 2025 das höchste Vorsteuerergebnis seiner Geschichte. Unter dem Strich standen 6,1 Milliarden Euro Überschuss. Höher war der auf die Anteilseigner entfallende Gewinn nur im Rekordjahr 2007 mit damals rund 6,5 Milliarden Euro. In einer Mail an die Belegschaft gibt sich Konzern-Boss Sewing optimistisch: "Wir wissen, wo wir hin wollen, und von diesem Weg werden wir uns nicht abbringen lassen." Die Deutsche Bank sei "auf dem Weg zu unserem langfristigen Ziel, der europäische Champion zu werden".
