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Davos-Rede: "Trumps bislang finsterstes Vorhaben von allen"

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Donald Trump trollt sein Publikum in Davos. So empfinden es jedenfalls einige, die dabei waren. Doch die tiefere Botschaft hinter seiner Rede löst große Besorgnis aus. Nach Trumps mit Spannung erwarteter Rede beim Weltwirtschaftsforum in Davos fallen die Kommentare der internationalen Presse verheerend aus. Die Reaktionen reichen von Trump als gefährlichem Imperialisten bis zu den USA als Schurkenstaat. "Der Standard" (Österreich): "Die nahezu zwei Stunden, in denen ausschließlich Donald Trumps Stimme in Davos zu hören war, haben auf schonungslos-schmerzhafte Weise gezeigt, wie wenig Substanz hinter der Maske vorhanden ist. Lügen, Geschichtsfälschung, ein Zurechtbiegen von Vergangenem – einzig erkennbares zentrales Thema zwischen zunehmend wirren Anekdoten, Erzählungen und Wiederholungen ist Grönland . (...) Trump irrlichtert dahin, streift alles und nichts. Erschaffen hat alles er. Er tadelt Staatschefs. Daddy, König, Gott. Selbstüberhöhung durch Erniedrigung des Restes der Welt. Am Rednerpult steht ein tief gekränkter Narzisst. (...) Davos, hoch in den Schweizer Bergen, wird als der Tiefpunkt amerikanischer Außenpolitik und Diplomatie in die Geschichte eingehen. Klarer ist die Zerstörungslust, aber auch die Selbstaufgabe jener Vereinigten Staaten, zu denen wir einst aufblickten, nicht herauszuarbeiten." "The Guardian" (Großbritannien): "Doch jenseits der aufwieglerischen Rhetorik brachte der US-Präsident am Mittwoch eine tiefere Botschaft mit, die nur vordergründig darauf abzielte, den Westen zu vereinen, sondern ihn stattdessen spalten will. Es war Trumps bislang düsterstes, heimtückischstes und finsterstes Vorhaben von allen. Ja, wir mögen unsere internen Streitigkeiten haben, sagte der US-Präsident, aber ich gehe mit liebevoller Strenge vor, weil wir alle gemeinsam in dieser Lage sind. Wir sind die Fahnenträger der westlichen Zivilisation. Wir müssen den barbarischen Horden Widerstand leisten. Wir müssen den weißen Mann retten. (...) Trumps Rede trug eindeutig die Handschrift von Stephen Miller, dem stellvertretenden Stabschef des Weißen Hauses und Architekten seiner drakonischen Einwanderungspolitik. Sie stand im Einklang mit dem gesamten Diskurs über weiße Identitätspolitik, der in der US-amerikanischen Rechten brodelt. (...) Trumps rechtsextreme Verbündete sind seit einiger Zeit besorgt, dass er sich zu sehr auf globale Eroberungspläne – Iran , Venezuela , Grönland – konzentriert und dabei sein Credo 'America first' aus den Augen verliert. Am Mittwoch richtete er sich zwar an die wohlhabenden Eliten in Davos, aber wie immer war seine eigentliche Zielgruppe das Publikum zu Hause. Die Botschaft: Ich bin immer noch die große weiße Hoffnung." "Die Welt" (Berlin): "Donald Trump ist ein Vollprofi. Vielleicht nicht als Politiker. Aber mit Sicherheit als Entertainer. Der US-Präsident trifft in Davos mit führenden Köpfen aus Politik und Wirtschaft zusammen – und brüskiert nahezu alle Anwesenden. Wahrheit und Dichtung gingen in seiner langen, mit Hochspannung erwarteten Rede munter durcheinander. Das war unterhaltend und nicht ohne Witz – aber vor allem beängstigend, schließlich handelt es sich um den Mann auf dem mächtigsten Posten der Welt." "Süddeutsche Zeitung" (München): "In Davos bekommt der selbstverliebte US-Präsident eine Bühne, auf der er seine Show abziehen kann: die Trump-Show. Der US-Präsident und seine Entourage haben das Treffen in den Schweizer Bergen gekapert. Ein Treffen, das einst wie kein zweites für die Kraft des freien Handels stand, ist nun in der Hand eines Imperialisten, der Zölle als geopolitische Waffe einsetzt. (...) Es ist schlichtweg so: Vor nicht allzu langer Zeit verfolgte Amerika sogenannte Schurkenstaaten, also Staaten, die als Bedrohung für den Weltfrieden galten. Inzwischen müssen sich die einstmals verbündeten Europäer fragen, ob nicht im Weißen Haus ein Schurke herrscht." "Le Monde" (Frankreich): "Mit seiner Entscheidung, lieber gefürchtet als respektiert zu werden, mag Trump zwar einen kurzfristigen Triumph feiern können, da der plötzliche Einsatz von Gewalt alle überrascht hat, insbesondere diejenigen, die sich für unerschütterliche Verbündete der USA gehalten hatten. Aber er hat damit auch einen Prozess in Gang gesetzt, der Washington einen Großteil seiner einzigartigen Macht nehmen wird, die es sich über acht Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat. Da es nicht mehr inspiriert, verlieren die USA einen Teil ihrer selbst. (...) Das Ziel ist klar: die Abhängigkeit von Washingtons beunruhigender Macht zu verringern, alternative strategische Allianzen zu vermehren und geschützte Räume für den Austausch zu schaffen, wie durch das Abkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Ländern. Ein Schurkenstaat zu werden, hat seinen Preis, selbst für die weltweit führende Militärmacht." "Washington Post" (USA): "Das größte Risiko der Grönland-Kontroverse besteht darin, dass Trump den Gegnern der Nato signalisiert hat, dass die USA nicht uneingeschränkt zur Verteidigung aller Mitgliedstaaten verpflichtet sind, sollten diese in Zukunft angegriffen werden. Zum Verkauf Grönlands durch Dänemark sagte Trump beispielsweise: 'Sie können Ja sagen, und wir wären Ihnen sehr dankbar. Oder Sie können Nein sagen, und wir werden uns daran erinnern.' Auf die Frage eines Reporters, was er damit meine, antwortete Trump: 'Das müssen Sie selbst herausfinden.' Eine solche Zweideutigkeit führt zu Missverständnissen, die wiederum zu Krieg führen können." "Foreign Policy" (USA): "In seiner mehr als 30-minütigen Rede schien es, als würde Trump das Publikum provozieren wollen, indem er nicht auf das einging, was es hören wollte. Als es dann doch endlich so weit war, waren seine Einlassungen zu Europa voller falscher Behauptungen. (...) Die Frage ist nun, wie Trumps Verhandlungen über ein 'künftiges Abkommen in Bezug auf Grönland' aussehen könnten – und ob er seine Meinung nicht doch wieder ändern wird. Trump, der bereits eine aggressive Haltung einnimmt, hat die Staats- und Regierungschefs im Visier, die seinen Drohungen mit harten Worten begegnen. 'Emmanuel, ich habe Ihre Rede gesehen', sagte er missbilligend zu Frankreichs Präsident Emmanuel Macron , der am Dienstag erneut die Bedeutung der Souveränität betont hatte."