Trumps neue Zölle gegen Deutschland: Die Folgen für die Wirtschaft
Trump will weitere Zölle für deutsche Exporte erheben. Dabei sind die Unternehmen ohnehin schon von seinen Maßnahmen getroffen. Was bedeutet die zusätzliche Belastung? Als Kommissionschefin Ursula von der Leyen mit US-Präsident Donald Trump im Juli vergangenen Jahres in Schottland eine Zolleinigung zwischen der EU und den Vereinigten Staaten präsentierte, war vielerorts die Erleichterung groß. Zwar sah die Vereinbarung Zölle von 15 Prozent auf EU-Exporte in die USA vor, Schlimmeres wurde jedoch abgewendet. Kein halbes Jahr später steht diese lang verhandelte Lösung bereits wieder vor dem Aus. Denn Trump verkündete am Wochenende, Deutschland und sieben weitere europäische Staaten, die sich seinen Plänen zur Übernahme der zu Dänemark gehörenden Insel Grönland widersetzen, sollen mit neuen Zöllen bestraft werden. Ab Februar sollen weitere zehn Prozent hinzukommen, ab Juni dann sogar 25 Prozent. Trumps Eigentor: Wer die Zeche wirklich zahlt Handels-Bazooka: So wirkt Europas schärfstes Schwert gegen Trump Für die ohnehin kriselnde deutsche Wirtschaft ist das ein weiterer Rückschlag. Schließlich werden Exporte in den bislang wichtigsten ausländischen Markt, die USA, erneut schwieriger. Doch es gibt auch Hoffnung, denn zuletzt konnte Deutschland die sinkenden Exporte in die USA mit stärkeren Handelsbeziehungen zu anderen Ländern wettmachen. Dennoch bleibt Ungewissheit. Bereits die ersten Trump-Zölle hinterließen ihre Spuren Dabei zeigten die bisherigen Zölle bereits im vergangenen Jahr deutliche Folgen. Zahlen des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen, dass die Exporte in die USA bis zum dritten Quartal um 7,8 Prozent sanken. Allein im dritten Quartal betrug der Rückgang 15,7 Prozent. Das IW errechnete im Sommer, dass die Zölle Deutschland pro Jahr 0,4 Prozentpunkte Wachstum kosten. Gleichzeitig stiegen die Ausfuhren innerhalb Europas hingegen deutlich an. Und so wuchs die Wirtschaft nach zwei Jahren Rezession im vergangenen Jahr erstmals wieder – trotz der US-Zölle . IW-Forscher Jürgen Matthes ist im Gespräch mit t-online deshalb der Meinung: "Trumps Zölle haben uns geschadet, aber nicht in eine große Krise gestürzt." Sind die neuen Zölle also womöglich gar nicht so schlimm, weil der US-Markt ohnehin an Bedeutung verliert? Nicht ganz, denn die USA bleiben weiterhin mit Abstand der größte Absatzmarkt für Deutschland, trotz aller Rückgänge. Marcel Fratzscher , Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) warnte deshalb im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters: "Eine erneute Eskalation des Handelskonflikts trifft vor allem die deutsche Wirtschaft und Industrie erneut hart, da sie viel Unsicherheit schafft und die Exporte weiter schwächt." ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski stieß ins selbe Horn und warnte, zusätzliche 25 Prozent Zölle würden Deutschland 0,2 Prozentpunkte Wachstum kosten. IW-Experte Matthes erklärt: "Die weitere Eskalation kommt zu einem Zeitpunkt, an dem wir noch nicht optimal darauf vorbereitet sind." Es geht zwar wieder aufwärts für die Wirtschaft, das IW erwartet für dieses Jahr Wachstum von 0,9 Prozent, der Internationale Währungsfonds schätzte am Montag sogar einen Zuwachs von 1,1 Prozent. Dabei könne man sich allerdings nicht auf Exporte verlassen, betont Matthes. Das erwartete Wachstum ist laut Matthes "weitgehend staatsgetrieben, nun müssen die Bedingungen für private Nachfrage gestärkt werden". Es brauche umfassende Reformen für die deutsche Wirtschaft, etwa den Abbau von Bürokratie, niedrigere Energiekosten und sinkende Sozialversicherungsbeiträge. Schaffe es Deutschland so, seine Wirtschaft selbst anzutreiben, seien auch zusätzliche Zölle von zehn Prozent verkraftbar, glaubt Matthes. "Wir haben es zum Teil selbst in der Hand, wie stark die Zölle uns verwunden können." Daher glaubt der Ökonom auch, dass die meisten Unternehmen bei zusätzlichen Zöllen von zehn Prozent ihre Strategie nicht ändern. Wenn die Zölle im Juni tatsächlich ansteigen sollten, gelte das aber nicht mehr: "Bei 25 Prozent sieht es wahrscheinlich anders aus." USA brechen weg: Deutschland muss sich neue Exportmärkte erschließen Doch ebenso wichtig wie heimische Reformen sind neue Handelsabkommen. Zwar gab es im vergangenen Jahr Zuwächse innerhalb der EU sowie mit anderen europäischen Staaten wie Norwegen , Schweiz und Großbritannien , doch auch außerhalb des Kontinents gibt es Potenzial. So hat die EU erst am Wochenende das Mercosur-Freihandelsabkommen mit den südamerikanischen Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay unterzeichnet. Mit Indonesien wurden die Verhandlungen über ein Abkommen im Herbst abgeschlossen und Kanzler Friedrich Merz verkündete jüngst, dass es bald eine Übereinkunft mit Indien geben soll . DIW-Präsident Fratzscher forderte derweil weitere Zusammenarbeiten. "Es ist höchste Zeit, dass die EU – und vor allem die Bundesregierung – globale Kooperationen mit China und anderen stärkt, um Trump Paroli zu bieten." IW-Ökonom Matthes ist skeptisch: "Wir brauchen bloß kein Handelsabkommen mit China, die haben schon genug unfaire Wettbewerbsvorteile – zumal es dort ohnehin immer weniger Nachfrage nach unseren Produkten geben wird." Vielmehr müsse man sich nur auf Indien , Indonesien und andere südostasiatische Staaten konzentrieren. Möglich seien diese Abkommen insbesondere aufgrund des neuen Drucks aus den USA. "In der Krise liegt eine Chance", sagt Matthes. Doch man müsse sich dafür anpassen: "Die EU hat ihre Partner lange mit ihrem Oberlehrertum hinsichtlich Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsstandards vor den Kopf gestoßen." Mittlerweile hätten diese "durchaus wichtigen Aspekte nicht mehr oberste Priorität", weil sie die geoökonomische Handlungsfähigkeit zu sehr eingeschränkt hätten. Reaktion der EU hilft den Firmen nicht Doch der Konflikt mit den USA bleibt. Wie müssen die Bundesregierung und die EU jetzt reagieren? Obwohl nur einzelne Staaten betroffen sind, deutete die EU bereits ein gemeinsames Vorgehen an. Schließlich bringen die einzelnen Strafzölle auch bürokratische Probleme mit sich. Weil die EU als Binnenmarkt funktioniert, muss für dort hergestellte Waren nach EU-Vorschriften in der Regel nur die EU als Ursprung angegeben werden. Ein EU-Sprecher erklärte der Deutschen Presse-Agentur: "Das bedeutet, dass es aus Zollperspektive und aus operativer Sicht praktisch sehr schwierig ist, Waren eindeutig ausschließlich einem einzelnen Mitgliedstaat zuzuordnen." Deshalb will die EU nun mit deutlichen Gegenmaßnahmen antworten. Das mit Trump im Sommer getroffene Handelsabkommen soll vorerst nicht durch das EU-Parlament gehen , zudem will man offenbar Strafzölle im Wert von 93 Milliarden Euro verhängen. Matthes fordert daher: "Es braucht Gegenmaßnahmen, die den USA mehr schaden als uns." Allerdings profitiert die heimische Wirtschaft nicht direkt von solchen Maßnahmen, außer Trump zieht seine Drohung zurück. Passiert dies nicht, müssen sich die deutschen Unternehmen auf schwere Zeiten im Handel mit den USA einstellen. Allerdings hat sich gezeigt: Auch mit weiteren Zöllen kann die Wirtschaft umgehen. In der EU herrscht allerdings nicht überall Einigkeit. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sei damit beschäftigt, die europäische Reaktion auf die "inakzeptablen Drohungen von Präsident Trump" zu koordinieren, hieß es aus dem Élysée-Palast. Er will die sogenannte Handels-Bazooka aktivieren – ein EU-Gesetz zur Abwehr wirtschaftlicher Nötigung mit deutlichen Gegenmaßnahmen. Bundeskanzler Merz versucht hingegen zu beschwichtigen: Man wolle "besonnen und auch angemessen" auf "solche Herausforderungen" reagieren. Vizekanzler Klingbeil kündigte derweil eine "geschlossene, eine deutliche Antwort Europas" an.
