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Polizisten getötet: Guatemala nach Gefängnis-Meuterei im Ausnahmezustand

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In Guatemala gehen Spezialeinheiten entschlossen gegen aufständische Häftlinge vor, draußen greifen Gangmitglieder immer wieder Polizisten an. Die Regierung reagiert mit Härte.

Nach Meutereien in drei Gefängnissen in Guatemala hat die Regierung des mittelamerikanischen Landes den Ausnahmezustand verhängt. "Wir verhandeln nicht mit Kriminellen und tolerieren keine terroristischen Handlungen. Im Rahmen des Gesetzes zwingen wir sie mit dem Schwert der Gerechtigkeit in die Knie", sagte Präsident Bernardo Arévalo in einer Regierungserklärung. 

Zuvor hatten Häftling in drei Gefängnissen rebelliert und rund 40 Wärter als Geiseln genommen. Später stürmten die Sicherheitskräfte die Haftanstalten und übernahmen nach Behördenangaben wieder die Kontrolle über die Gefängnisse.

In den kommenden 30 Tagen sollen nun die Polizei und das Militär mit aller Kraft gegen das organisierte Verbrechen in dem mittelamerikanischen Land vorgehen. Die Maßnahme muss noch von dem von der Opposition kontrollierten Kongress des Landes genehmigt werden. Der Präsident des Kongresses, Oppositionsführer Luis Contreras, rief zur Einheit auf, um "einen der schmerzhaftesten und schwierigsten Momente" in der Geschichte des Landes zu bewältigen. Die guatemaltekische Regierung gab bekannt, dass die Schulen am Montag landesweit geschlossen blieben.

Mindestens acht Polizisten in Guatemala getötet

Bei einer Reihe von Angriffen auf Polizisten im Großraum von Guatemala-Stadt kamen daraufhin mindestens acht Beamte ums Leben, als mutmaßliche Gangmitglieder das Feuer auf sie eröffneten. Die Attacken seien eine Reaktion der kriminellen Banden auf die Niederschlagung der Gefangenenmeuterei gewesen, sagte Innenminister Marco Antonio Villeda. Sieben Verdächtige seien festgenommen worden. Ein weiteres mutmaßliches Bandenmitglied wurde demnach bei einem Polizeieinsatz getötet. 

Häftlinge nehmen Wärter als Geiseln

Zuvor hatten Häftlinge über Stunden hinweg die Macht in den Gefängnissen übernommen. Gefangene zeigten sich auf den Wachtürmen und forderten Verbesserungen der Haftbedingungen, wie in einem Video der Zeitung "Prensa Libre" zu sehen war. Polizei und Militär umstellten die Gefängnisse in Guatemala-Stadt, Escuintla und Quetzaltenango. Eine schwangere Justizvollzugsbeamtin ließen die Häftlinge bereits zu Beginn des Aufstands frei. 

Die Aufstände seien eine Folge der Entscheidung der Behörden, den inhaftierten Anführern krimineller Banden ihre Privilegien zu entziehen, hieß es in einer Stellungnahme des Innenministeriums. So seien bei Razzien in den Haftanstalten zuletzt Mobiltelefone, Waffen sowie Drogen sichergestellt und illegale Bauten in den Gefängnissen zerstört worden, teilte die Gefängnisverwaltung des mittelamerikanischen Landes mit.

Mittlerweile erlangten die Behörden Arévalo zufolge die Kontrolle über die drei Haftanstalten Renovación I, Fraijanes II und Preventivo zurück. Die Polizei drang am frühen Sonntagmorgen mit Unterstützung der Armee in das Gefängnis Renovación I ein und setzte dabei gepanzerte Fahrzeuge und Tränengas ein, wie ein Fotograf der Nachrichtenagentur AFP berichtete. Alle 46 Geiseln – 45 Gefängniswärter und ein Psychologe – wurden nach Polizeiangaben befreit. Arévalo zufolge gab es bei den Geiselbefreiungen keine Todesopfer.

Bandenchefs führen Geschäfte aus dem Gefängnis heraus

In Mittelamerika kontrollieren mächtige Jugendgangs – die sogenannten Maras – ganze Stadtviertel und sind in Schutzgelderpressung sowie Drogenhandel verwickelt. Die inhaftierte Bandenchefs steuern ihre kriminellen Geschäfte oft weiterhin aus dem Gefängnis heraus.

In Guatemala sind die verfeindeten kriminellen Banden Barrio 18 und Mara Salvatrucha (MS-13) aktiv, die beide von den örtlichen und den US-Behörden als terroristische Vereinigungen eingestuft werden. Vergangenes Jahr wurden in Guatemala inhaftierte Führungsmitglieder der Banden in ein Hochsicherheitsgefängnis gebracht. Die Isolation der Bandenchefs löste wiederholt Gefängnismeutereien aus.

Im Oktober sorgte außerdem der Gefängnisausbruch von 20 Anführern von Barrio 18 für Schlagzeilen, von denen bislang nur sechs wieder gefasst wurden. Ein weiterer flüchtiger Bandenchef wurde erschossen.

Die Mordrate in Guatemala lag 2025 bei 16,1 pro 100.000 Einwohner. Sie ist damit mehr als doppelt so hoch wie der weltweite Durchschnitt.