Venezuela: Delcy Rodríguez wohl seit Jahren im Visier von US-Behörden
Delcy Rodríguez ist neue Präsidentin Venezuelas und hat dafür die Unterstützung der USA. Dabei ermitteln US-Behörden laut einem Bericht seit Jahren gegen sie. Die neue venezolanische Präsidentin Delcy Rodríguez ist nach ihrer Ernennung zur Übergangsstaatschefin ins Zentrum neuer Enthüllungen geraten. Wie aus Unterlagen hervorgeht, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen, hat die US-Drogenbehörde DEA Rodríguez bereits seit Jahren als Ziel umfangreicher Ermittlungen geführt – zeitweise sogar als "Priority Target", also als Zielperson mit hoher Priorität. Nach der Entführung des früheren Präsidenten Nicolás Maduro durch US-Spezialkräfte hatte US-Präsident Donald Trump Rodríguez öffentlich als mögliche Partnerin für eine Stabilisierung Venezuelas dargestellt. Unerwähnt blieb dabei, dass die DEA sie spätestens seit 2018 systematisch beobachtet. Im Jahr 2022 stuften die Ermittler sie demnach als besonders hochrangiges Ziel ein – eine interne Kategorie für Personen, denen erheblicher Einfluss auf den Drogenhandel zugeschrieben wird. Venezuela nach US-Militärintervention: "Es könnte ein heilloses Chaos ausbrechen" Venezuelas Öl: Trump schlägt neue Töne an Rodríguez trennt sich von Maduros angeblichem Geldboten Die Akten verzeichnen zahlreiche Kontakte und Vorwürfe, darunter mutmaßliche Geldwäsche, Goldschmuggel und Verbindungen zu bekannten Akteuren der venezolanischen Schattenwirtschaft. Dazu gehört etwa Alex Saab, enger Vertrauter von Maduro und dessen angeblicher Geldbote. Erst im vergangenen Jahr sei Rodríguez mit Saab in Verbindung gebracht worden. Saab war 2020 von US-Behörden wegen Geldwäschevorwürfen festgenommen worden. 2023 kam er durch einen Gefangenenaustausch wieder frei. Am Samstag entließ Rodríguez Saab von seinem Posten als Industrieminister. "Ich danke dem Kameraden Alex Saab für seine Arbeit im Dienste des Vaterlandes", schrieb Rodríguez. Der bisherige Minister werde nun "neue Verantwortlichkeiten" übernehmen. Laut dem Bericht sagte ein Informant der DEA Anfang 2021 außerdem, Rodríguez nutze Hotels auf der Karibikinsel Margarita als Fassade zur Geldwäsche. Belege dafür konnte AP nicht unabhängig prüfen. Keine öffentliche Anklage – aber breite Ermittlungen Öffentlich angeklagt wurde Rodríguez bislang nicht. Anders als mehr als ein Dutzend früherer Spitzenbeamter gehört sie nicht zu den von den USA wegen Drogendelikten beschuldigten Mitgliedern aus Maduros Umfeld. Gleichwohl taucht ihr Name laut AP in fast einem Dutzend laufender oder abgeschlossener DEA-Ermittlungen auf – von Südamerika bis in die USA. Mehrere frühere und aktive DEA-Agenten erklärten anonym, die Unterlagen belegten ein dauerhaft hohes Interesse der Behörde an Rodríguez. Warum sie offiziell zur Prioritätszielperson erklärt wurde, gehe aus den Akten jedoch nicht eindeutig hervor. Der Status allein reiche nicht für eine Anklage aus, sagte der frühere US-Staatsanwalt Kurt Lunkenheimer der Nachrichtenagentur. Das US-Justizministerium und die DEA äußerten sich nicht. Auch Venezuelas Kommunikationsministerium reagierte nicht auf Anfragen. Das Weiße Haus verwies auf Trumps jüngste Aussagen über ein "sehr gutes Gespräch" mit Rodríguez, kurz vor einem Treffen der Präsidentin mit CIA-Direktor John Ratcliffe in Caracas. Aufstieg in Maduros Machtzirkel Die 56-jährige Rodríguez gilt als enge Vertraute Maduros und prägte dessen Regierung seit Jahren als Außenministerin und Vizepräsidentin. International trat sie zugleich als Vermittlerin auf und bemühte sich zeitweise um US-Investitionen. 2018 verhängten die USA Sanktionen gegen sie wegen ihrer Rolle bei der Festigung von Maduros autoritärer Herrschaft, später folgte die EU. Experten sehen die neuen Enthüllungen auch als politisches Druckmittel. "Venezuela ist ein kriminell durchsetztes System", sagte Steve Dudley vom Thinktank InSight Crime im Gespräch mit AP. Oppositionelle wie María Corina Machado erklärten, den US-Behörden lägen ausreichend Informationen über Rodríguez vor. Die Ermittlungsakten verdeutlichen, wie stark Macht und Korruption in Venezuela verwoben sind. Für Rodríguez könnten sie zu einem dauerhaften Risiko werden – und zugleich zum Hebel Washingtons in einer Phase tiefgreifender Umbrüche im Land.
