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Bundesbank: Ärmere verlieren Geld beim Sparen – Reiche machen Rendite

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Wer wenig hat, spart meist "sicher" und verliert real Geld. Doch auch aus kleinen Beträgen ließe sich mehr machen. Die Bundesregierung plant dafür Anreize. Viele Menschen in Deutschland legen regelmäßig Geld zurück, doch sie profitieren davon nicht in gleichem Maße. Wie eine Auswertung der Bundesbank zeigt, haben vermögensärmere Haushalte im dritten Quartal 2025 sogar eine negative reale Rendite erzielt. Ihr Geld hat also nach Abzug der Inflation an Wert verloren. Besser schnitten dagegen Haushalte ab, die stärker am Kapitalmarkt investiert sind. Die Bundesbank macht damit ein Problem sichtbar, das viele Menschen im Alltag spüren: Das Geld auf dem Konto wird zwar in absoluten Zahlen nicht weniger, aber sie können sich davon weniger leisten – sei es beim Einkauf im Supermarkt, beim Wohnen oder bei Ausgaben in ihrer Freizeit. Dass dem so ist, liegt auch an der Art, wie vermögensärmere Haushalte sparen. Warum gerade ärmere Haushalte Geld verlieren Laut Bundesbank liegt das Geldvermögen ärmerer Haushalte fast ausschließlich in Einlagen wie Girokonto oder Tagesgeld sowie in Versicherungsansprüchen wie Lebensversicherungen . Das gilt als sicher, bringt aber häufig nur geringe Erträge. Genau hier liegt das Dilemma: Wenn die Zinsen niedrig sind, die Preise aber weiter steigen, wird Sparen real zum Verlustgeschäft. Wer sein Geld nicht investiert, verliert langfristig Kaufkraft, selbst dann, wenn er regelmäßig etwas zurücklegt. Vermögende profitieren, weil sie stärker investieren Anders sieht es bei den vermögendsten Haushalten aus. Laut Bundesbank stieg die reale Rendite für die vermögendere Hälfte insgesamt leicht, weil sie ihr Geld anders anlegen. Diese Haushalte profitieren vor allem von Kapitalmarktanlagen, also etwa Aktien und Investmentfonds . Gerade diese Anlageformen haben im dritten Quartal 2025 besonders gut abgeschnitten. Die Bundesbank nennt als Grund eine robuste Entwicklung der globalen Aktienmärkte, vor allem in den USA und in Asien. Wer dort investiert war, konnte deutliche Wertsteigerungen verbuchen, auch wenn es gleichzeitig Handelsspannungen und geopolitische Unsicherheiten gab. Das Ergebnis: Wer mehr Kapitalmarktanteile besitzt, hat bessere Chancen, die Inflation zu schlagen. Kapitalmarkt ist nicht nur etwas für Reiche Die Bundesbank-Zahlen zeigen zwar eine klare Ungleichheit, aber sie bedeuten nicht, dass Aktien oder Fonds nur etwas für Wohlhabende sind. Im Gegenteil: Auch mit kleinen Beträgen können Haushalte langfristig investieren, etwa über ETF-Sparpläne . Während viele klassische Sparformen kaum Rendite bringen, können ETF-Sparpläne trotz Schwankungen an der Börse langfristig helfen, Vermögen aufzubauen und die Inflation auszugleichen. Viele Banken und Depotanbieter machen diese Art des Sparens bereits ab wenigen Euro im Monat möglich. Bundesregierung will Aktiensparen fördern Dass mehr Menschen investieren, statt klassisch zu sparen, ist auch politisch gewollt. Die Bundesregierung plant Reformen, die darauf abzielen, dass sich mehr Menschen in Deutschland an Geldanlagen in Fonds und ETFs trauen. Eine zentrale Rolle sollen dabei zwei neue, geförderte Vorsorgewege spielen: Frühstart-Rente (rückwirkend ab 1. Januar 2026 geplant) Hier will der Staat für Kinder früh eine Kapitalmarkt-Vorsorge ermöglichen – und zwar so, dass langfristig alle profitieren können, unabhängig davon, ob Eltern sich aktiv darum kümmern oder nicht. Legen Eltern kein Depot für ihr Kind an, gibt es eine Auffanglösung. Ziel: mehr Chancengleichheit beim Vermögensaufbau, auch für Kinder aus Familien ohne Finanzwissen. Altersvorsorgedepot (als Riester-Nachfolger ab 2027 geplant) Das Altersvorsorgedepot soll Menschen im erwerbsfähigen Alter motivieren, stärker am Kapitalmarkt fürs Alter zu sparen. Auch hier soll es eine Standardlösung für Menschen geben, die sich nicht zutrauen, das Anlageprodukt selbst auszusuchen. Anders als bei der Frühstart-Rente ist diese Art der Altersvorsorge aber freiwillig. Nur jeder Dritte fühlt sich gut aufgestellt Wie wichtig eine stärkere Beteiligung aller Einkommensschichten an den Erträgen des Kapitalmarkts ist, zeigt auch eine aktuelle Umfrage des Vermögensverwalters BlackRock. Demnach fühlt sich nur jeder dritte Erwerbstätige in Deutschland auf dem richtigen Weg zu einem finanziell sicheren Ruhestand. Frauen und Geringverdiener sind am wenigsten zuversichtlich, im Alter einen angemessenen Lebensstandard halten zu können. "Unser Appell an die Bundesregierung lautet, den eingeschlagenen Reformweg konsequent weiterzuführen", sagt BlackRock-Deutschlandchef Dirk Schmitz. "Mit dem umlagefinanzierten Rentensystem allein kommen wir nicht weiter, wenn wir Altersarmut vermeiden wollen. Es muss zwingend durch Geldanlage in der zweiten und dritten Säule der Altersvorsorge ergänzt werden." Dass die Bundesbürger dafür durchaus empfänglich sind, zeige sich beispielsweise an den Neuabschlüssen bei Juniordepots. Schmitz zufolge wurden bereits Hunderttausende Kinderdepots eröffnet und regelmäßig bespart, seit die Frühstart-Rente in der Diskussion ist. Und auch generell habe sich inzwischen eine gewisse Aktienkultur entwickelt. So gab es zuletzt rund 15 Millionen ETF-Sparpläne in Deutschland. Auch das Deutsche Aktieninstitut meldete vor wenigen Tagen einen neuen Rekord bei den Aktionärszahlen.