Rüstung: CDU-Politiker Kiesewetter fordert eigenen Atomwaffen-Schirm
Angesichts der sich radikal ändernden Weltlage fordert ein CDU-Politiker einen eigenen Atomschirm. Um den zunehmend feindlicher gesinnten USA zu begegnen. Wegen der unberechenbaren Politik von US-Präsident Donald Trump gibt es in der CDU Überlegungen, dass Deutschland sich an der Finanzierung eigener Atomwaffen beteiligen könnte. "Deutschland könnte sich an einem europäischen Schirm finanziell beteiligen, ohne die Führung zu übernehmen", sagte der CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter der Süddeutschen Zeitung. "Fachleute gehen von einer Entwicklungszeit von etwa fünf Jahren aus. Ich gehe eher von zehn Jahren aus." In Fachkreisen wird darauf verwiesen, dass es wegen der Spannungen mit Russland etwa auch in Finnland , Schweden und Polen Überlegungen für einen eigenen Nuklearschutz gibt – die dann entsprechend mit Deutschland kooperieren könnten. Da in Frankreich die Rechtsextreme Marine Le Pen nach der nächsten Wahl die Macht übernehmen könnte, rät Kiesewetter zu anderen Optionen, als hier nur auf Frankreich zu setzen. Der 2+4-Vertrag zur deutschen Einheit schließe zwar eine nationale Eigenentwicklung aus, nicht aber eine finanzielle Beteiligung an der Entwicklung mit anderen Staaten, betonte Kiesewetter. "Daher sollten wir einen anderen Weg gehen, eine Allianz mit anderen Staaten bilden. Wir können finanzieren, solche Waffen stationieren, dürfen sie nur nicht selbst herstellen und einen Einsatz selbst führen." Planung heiße eben auch Eventualplanung. "Ein Staat, der wehrhaft sein will, muss sich Denkräume schaffen, wo auch das Unwahrscheinliche, aber Gefährliche mitgedacht wird." Kiesewetter: "Wie ein rohes Ei" Bisher lagern am Fliegerhorst Büchel in Rheinland-Pfalz US-Atombomben, die im Ernstfall von Soldaten der Bundeswehr im Rahmen der sogenannten nuklearen Teilhabe ins Ziel geflogen würden. Sollte es aber zu einem Griff der USA nach Grönland kommen, könnte neben einem Bruch der Nato auch der bisherige Atomschirm der USA für Deutschland zur Disposition stehen. Kiesewetter betonte: "Das Thema wird nur mit der Kneifzange angefasst, wie ein rohes Ei. Aber wir müssen uns damit beschäftigen, gerade auch mit Blick auf ein Grönland-Szenario und seine Folgen für die Nato und das Verhältnis zu den USA." Und ja, es wären komplexe Fragen zu klären: Wer hat die Kommandogewalt, wie sind die Entscheidungsmechanismen, wie würde ein Einsatz ablaufen, wo würden die Bomben gelagert, wo Tests stattfinden?". Scharfer Widerspruch kam von dem SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich . "Selbst bei einer indirekten Beteiligung, ob finanziell oder auch bei der Lagerung solcher Waffen, wäre das nicht mit dem Atomwaffensperrvertrag und dem 2+4-Vertrag zu vereinbaren", sagte er der SZ. Man dürfe bei allen Herausforderungen durch das Agieren der Vereinigten Staaten jetzt nicht eine Entwicklung unterstützen, dass immer mehr Staaten nach eigenen Atomwaffen streben. Trittin fordert militärische Abschreckung "Wir müssen stattdessen unbedingt durch Verhandlungen und Diplomatie die Rüstungskontrolle wieder stärken, auch wenn sich die internationalen Kontrollregime gerade auflösen. Auch China sollte man versuchen, mit einzubeziehen." Sonst drohe irgendwann die atomare Katastrophe. Eines sei für ihn bei allen Unwägbarkeiten gerade ziemlich klar: "Eine Welt mit noch mehr Atomwaffenmächten wäre noch unsicherer." Grünen-Politiker Jürgen Trittin hatte dagegen zuvor sogar gefordert, die Bundeswehr müsse sich an Manövern in und um Grönland beteiligen, um den USA unter Präsident Trump ein militärisches Signal der Abschreckung zu senden. "Wir sind in einer Situation, wo wir in Grönland auf die Situation zulaufen können, dass ein Nato-Staat einen anderen Nato-Staat angreift", sagte Trittin im Podcast von BILD-Vize Paul Ronzheimer. Der ehemalige Spitzenkandidat und Fraktionsvorsitzende seiner Partei kritisierte den Umgang der Europäer mit der Trump-Administration: "Sie glauben immer noch, mit Angeboten auf Gemeinsamkeit, mit Beschwichtigung entgegenzukommen, bei Trump irgendetwas zu bewegen."
