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Smithsonian: Museum entfernt Hinweis zu Trump

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Ein weltbekanntes Museum entfernt plötzlich eine Tafel zu Donald Trump. Dahinter steht der Präsident selbst. Seine Regierung hatte offenbar Druck auf das Museum ausgeübt. Die National Portrait Gallery in Washington hat US-Medienberichten zufolge einen Text entfernt, der unter anderem die beiden Amtsenthebungsverfahren gegen US-Präsident Donald Trump thematisierte. Der Schritt erfolgte, als das Museum jüngst ein Porträt Trumps in seiner Ausstellung "America's Presidents" austauschte, wie die "New York Times" und die "Washington Post" berichteten. Das Weiße Haus hatte das nun in dem Museum ausgestellte Schwarz-Weiß-Bild von Trump am Samstag auf seinem X-Account geteilt. Das Foto zeigt den Republikaner im Oval Office hinter seinem Schreibtisch stehend – die zu Fäusten geballten Hände stützt er darauf ab, während er sich mit direktem Blick in die Kamera nach vorn lehnt. Trump sicherte sich in seiner ersten Amtszeit einen Eintrag in den Geschichtsbüchern – als erster US-Präsident, gegen den während seiner Regierungszeit gleich zwei Amtsenthebungsverfahren im Kongress eingeleitet wurden. Einmal wurde ihm Machtmissbrauch vorgeworfen, das andere Mal "Anstiftung zum Aufstand". An dem Satz, der darüber bis zuletzt in dem Museum informierte, hatte sich Trump laut "New York Times" seit Längerem gestört. Der alte Text enthielt auch andere Informationen, etwa einen Verweis auf die sogenannten Abraham-Abkommen zur Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und mehreren arabischen Staaten und damit auf einen Verdienst Trumps, den einige als historischen Durchbruch werteten. Der nun ausgestellte neue Text ist den Medienberichten zufolge deutlich kürzer und charakterisiert ihn lediglich als 45. und 47. Präsidenten der USA , der 1946 geboren wurde. Was das Museum sagt Die "New York Times" zitiert aus einer Stellungnahme der National Portrait Gallery. Darin teilte das Museum demnach mit, dass es Trumps Porträt am Donnerstag ausgetauscht habe und mit einer geplanten Aktualisierung der Ausstellung zu den US-Präsidenten beginne. Für einige neue Ausstellungen und Exponate habe es Zitate oder Beschriftungen geprüft, "die nur allgemeine Informationen wie den Namen des Künstlers enthalten", hieß es von dem Museum weiter. "Die Geschichte der Amtsenthebungsverfahren gegen Präsidenten wird weiterhin in unseren Museen dargestellt." Die National Portrait Gallery ist eines von vielen berühmten Museen in der US-Hauptstadt, die von der Smithsonian Institution betrieben werden. Trump geriet in seiner zweiten Amtszeit schon mit mehreren Vorstößen in die Kritik, mit denen er versucht, Einfluss auf die in Museen ausgestellten Inhalte zu nehmen. Im August teilte das Weiße Haus etwa mit, Ausstellungen in mehreren berühmten Museen auf aus ihrer Sicht unliebsame Darstellungen der amerikanischen Geschichte kontrollieren zu lassen. Zu den Museen, die sich der Untersuchung unterziehen lassen müssen, zählt auch die National Portrait Gallery. Der Schritt kommt nicht überraschend. Wie die "New York Times" berichtete, soll der US-Präsident erheblichen Druck auf das Museum ausgeübt haben. Demnach habe die US-Regierung der Museumsleitung ein Ultimatum bis zum Ende der Woche gesetzt, vollständigen Einblick in seine inhaltlichen Planungen zu gewährleisten. Sollte dies nicht geschehen, drohte Trump mit erheblichen Kürzungen der Bundesmittel für das Museum. Auch soll die Regierung an personellen Wechseln in der Führungsebene der eigentlich unabhängigen Institution arbeiten. Trump hatte bereits seit Monaten Druck auf öffentliche Institutionen ausgeübt, darunter auch das Smithsonian Museum. Demnach sollten Museen unter anderem Verweise auf die multiethnische und multikulturelle Geschichte der USA entfernen. Zu Beginn seiner Amtszeit erließ der Präsident auch mehrere Exekutiverlässe, nach denen Landschaften und bedeutende Orte umbenannt werden müssen, darunter etwa der Golf von Mexiko oder der Berg Denali. Experten sprachen davon, dass Trump die Geschichte auslösche, um seine eigene, von der MAGA-Agenda getriebene Wahrheit unters Volk zu bringen. "Das ist höchst besorgniserregend und beängstigend" Angesichts von Trumps Präsidialerlass 14253 "Restoring Truth and Sanity to American History" ("Wiederherstellung von Wahrheit und Vernunft in der amerikanischen Geschichtsschreibung") schrieb etwa die liberale Denkfabrik Center for American Progress (CAP) von dem Versuch der Regierung, Geschichte in ihrem Sinne umzuschreiben. Das Ganze habe Züge von Georg Orwells Roman "1984". "Mit einer mehrgleisigen Strategie, die unter anderem Änderungen in den Lehrplänen der Schulen und die Zensur von Museumsausstellungen vorsieht, versucht die Trump-Regierung, die nicht-weiße Geschichte [der USA] auszulöschen. Kein Winkel des Landes ist vor dieser Säuberungsaktion sicher, nicht einmal heilige öffentliche Ländereien und Gewässer", so das CAP. Dass ausgerechnet das Smithsonian sich dem Druck Trumps beugt, hatte für viel Kritik gesorgt. Das Museum gilt als der größte Ausstellungs- und Bildungskomplex der Welt. Das Smithsonian habe in seiner bald 180-jährigen Geschichte schon viele Krisen erlebt, sagte der Historiker Samuel Redman dem britischen "Guardian". Aber direkte Angriffe einer Regierung in dieser Größenordnung seien bislang absolut präzedenzlos. "Das ist höchst besorgniserregend und beängstigend", so Redman. "Macht uns zur Lachnummer" Trump hatte in einem Präsidialerlass die Museen unter anderem aufgefordert, die Geschichte der Afroamerikaner – vor allem den Fokus auf die Sklaverei – weniger zu beleuchten. Ein solcher Fokus auf amerikanische Geschichte sei "revisionistisch und untergrabe die unglaublichen Errungenschaften der USA", so der Präsident. Museen wie das Smithsonian seien daraufhin angewiesen worden, Themen wie Rassismus , Frauenrechte und gesellschaftliche Minderheiten künftig nicht mehr in den Mittelpunkt zu stellen, da es sich dabei um eine "spalterische Ideologie" handele. Auch die Bestrebungen des Smithsonian, dem hispanischen Teil der US-Bevölkerung ein eigenes Museum zu widmen, stießen auf scharfen Widerstand der Trump-Administration. Hispanics zählen zu einer der größten ethnischen Gruppen des Landes, sie stellen 68 Millionen Menschen – mehr als 20 Prozent der US-Bevölkerung. Ein solches "Latino-Museum" sei nichts anderes als "eine Fabrik für woke Indoktrination", schrieb die Trump-nahe Stiftung Heritage Foundation. Historiker reagierten empört. Der US-Forscher David Blight sprach angesichts der Exekutivordern von einem Frontalangriff auf die Wissenschaft. "Ich habe es im Grunde genommen als Kriegserklärung an amerikanische Historiker und Kuratoren sowie an das Smithsonian verstanden." Und der Historiker Raymond Arsenault ergänzte: "Das ist totalitär. Es erinnert an einen faschistischen Staat und macht uns in der westlichen Welt zur Lachnummer."